LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Künstler Max Dauphin malt das, was ihn gerade packt

Große Formate bevorzugt er: Wenn der luxemburgische Künstler Max Dauphin in seinem Atelier in Dommeldingen ans Werk geht, tut er dies meist mit groben Pinselstrichen. Oft wendet er verschiedene Techniken an, kombiniert gerne auch Farbe und Material. Sein Stil ist dynamisch und gleichzeitig verspielt, davon kann man sich etwa im Pop-Up-Restaurant „The Farm“ in Hollerich überzeugen. Die Ausstellung hat sich spontan ergeben und sollte in gewisser Weise eine Hommage an diese rustikal stilvolle Location sein, wie uns der Künstler, der übrigens Mitglied des Künstlerkollektivs „Bamhaus“ ist, im Gespräch erzählt.

Fangen wir doch ganz am Anfang an: Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Max Dauphin Das geht wohl auf meine Kindheit zurück. Tatsächlich habe ich immerzu gemalt, in jedem Restaurant, einfach überall habe ich mir die Zeit damit vertrieben. Es gab ja damals noch kein Gameboy oder solche Sachen. Mein Vater war Grafiker und hat ebenfalls gemalt. So weit ich mich zurückerinnern kann, wurde bei uns gemalt. Als ich ins Lyzeum kam, stand Kunst nicht wirklich auf dem Programm, beziehungsweise wurde uns nicht vermittelt, dass man mit Kunst großartig weiterkommen könnte. Deshalb habe ich mich danach für ein Grafikstudium entschieden und später auch in diesem Beruf gearbeitet, trotzdem aber immer gemalt, wenn ich nur konnte.

Diese Leidenschaft haben Sie später dann doch zu Ihrem Beruf gemacht?

Dauphin Ja, irgendwann hat sich herausgestellt, dass ich durchaus davon leben kann, was ich nun schon seit über zehn Jahren tue. Da meine andere Leidenschaft das Reisen ist und ich schon in vielen Teilen dieser Welt gelebt habe, ist es natürlich sehr praktisch, weil ich dort arbeiten kann, wo ich gerade bin.

Derzeit stellen Sie im Pop-Up-Restaurant „The Farm“ unter dem Titel „I died (un)happy in my sleep“ aus, was ja nun nicht wirklich ermutigend klingt. Was steckt dahinter?

Dauphin Nun, da muss ich etwas weiter ausholen. Frantz Dickes, der „The Farm“ eröffnet hat, ist ein guter Freund. Eine Zeitlang war unklar, ob das Restaurant noch lange weitergeführt werden könnte, da das Gebäude abgerissen werden sollte. Die Idee entstand, eine Art Abschlussausstellung zu machen, nichts Großes, doch irgendwie ist das Ganze etwas aus dem Ruder gelaufen (lacht). Was die Geschichte hinter dem Titel anbelangt, so hat mich ein Artikel von WWF (World Wildlife Fund) zum Nachdenken gebracht. Seit 1970 haben die Menschen 60 Prozent der Tierwelt ausgerottet. Mir wurde klar, was meine eigene Generation angerichtet hat. Ich wollte deshalb eine kleine Botschaft übermitteln, statt nur bunte Blümchen zu malen.

Deshalb zeigen Sie nun Stillleben über gejagte Füchse, Kaninchen, Hirsche…

Dauphin Genau, ich will aber niemandem auf die Füße treten. Dass es keine total braven Bilder werden würden, war klar. Da wir anfangs davon ausgingen, dass das Restaurant bald schließen würde, wollte ich eine kleine Untergangsstimmung vermitteln, ohne aber total dramatisch zu sein, deshalb auch die knalligen Farben. Ein gewisser Witz, etwas Verspieltes steckt in den Bildern. Ich will den Betrachtern ein kleines Schmunzeln ins Gesicht zaubern. In gewisser Weise geht es mir schon darum, auf etwas aufmerksam zu machen, ohne jetzt aber den großen Moralapostel zu spielen.

Sie sind also nicht Vegetarier oder vehementer Jagdgegner?

Dauphin Ich esse Fleisch, in Maßen, und bin mir bewusst, dass dafür auch Jagd auf Tiere gemacht wird. Allerdings habe ich lange in Amerika gelebt und weiß, dass Menschen auch nur aus Spaß jagen, um später irgendeine Trophäe an die Wand zu hängen. Das ist etwas ganz anderes. Doch wer bin ich, darüber zu urteilen? Zum Nachdenken kann ich trotzdem anregen, und warum nicht, indem ich eine spielerische Note und so ein bisschen Spaß reinbringe? An den Pranger will ich definitiv niemanden stellen. Allerdings kann ich nicht einfach nur malen, um zu malen, und überhaupt keine Botschaft übermitteln. Und so hat man noch dazu gleichzeitig auch ein bisschen Gesprächsstoff während des Essens.

Welche Thematiken greifen Sie denn ansonsten in Ihren Werken auf?

Dauphin Das ist ganz unterschiedlich. Da meine Frau lange für die UNO gearbeitet hat, haben wir in der Vergangenheit ein bisschen überall in der Welt gelebt, von der Mongolei über Süd- und Nordamerika bis Afrika. Da hat sich einiges an Themen ergeben. In der Mongolei haben beispielsweise die vielen Menschen, die im Winter auf der Straße leben, meine Aufmerksamkeit erregt. Das Museum, in dem ich damals ausstellen sollte, war jedoch anfangs weniger begeistert. Als stolzes Volk wollten sie keine Obdachlosen zeigen, die vom Flaschensammeln lebten. Dabei hatten auch diese Menschen weder ihren Stolz noch ihre Werte verloren, sondern einfach weniger Glück im Leben… Ich habe ihnen deshalb kurzerhand Masken in meinen Bildern aufgesetzt, und schon war das Problem für die Museumsverantwortlichen gelöst. Eigentlich male ich immer das, was mich gerade packt. In New York war die Waffengewalt mein Thema. In meinen Bildern habe ich jedoch Wasserpistolen gemalt. Wie gesagt, das Spielerische spielt immer eine wesentliche Rolle. Das liegt vielleicht daran, dass ich im Kopf immer noch ein großes Kind bin.

Nun sind Sie schon etwas länger zurück in Luxemburg. Brauchen Sie dennoch regelmäßige Reisen und Tapetenwechsel, um neue Inspiration zu finden?

Dauphin Es hilft auf jeden Fall. Wenn man irgendwo quasi bei null anfängt, wo wirklich alles neu ist, fühlt man sich natürlich inspiriert. Seit rund zwei Jahren bin ich aber nun wieder ganz in Luxemburg, und eigentlich auch froh, nicht alle sechs Monate umzuziehen, sondern endlich mal die Zeit zu haben, die ganzen Eindrücke zu verarbeiten. Da ist noch so manche Schublade, die ich öffnen kann, um daraus zu schöpfen. So schnell wird mir die Inspiration nicht ausgehen. Für einen Künstler ist es wichtig, immer die Augen offen zu halten. Die Art und Weise, wie man sein Umfeld beobachtet, spiegelt sich letztlich auch in den Bildern wider. Ich male übrigens am liebsten großformatig und fast nur figurativ, nicht nur, weil mir alles andere weniger liegt, sondern weil ich einfach gerne Geschichten erzähle.

Haben Sie schon neue Projekte?

Dauphin Im Dezember steht jetzt noch eine Gruppenausstellung mit kleinen Formaten in der „Valerius Art Gallery“ an. Außerdem arbeite ich an einem großen Projekt, über das ich aber noch nicht zu viel verraten will. Nur so viel: Es handelt sich um eine Serie mit Zirkusbildern, wo es aber wiederum ebenfalls nicht um Kritik geht, vielmehr will ich mir einfach selbst eine Freude machen. Trotzdem lese auch ich jeden Tag die Zeitung, wovon natürlich das ein oder andere hängen bleibt, was dann möglicherweise doch irgendwie in die Bilder einfließt. Anfang nächsten Jahres will ich diese Zirkusserie in einer großen Ausstellung zeigen. Datum und Location stehen noch nicht fest.

Gibt es in Luxemburg Ihrem Gefühl nach genug Möglichkeiten für Künstler?

Dauphin Ich finde schon. Klar weiß ich, dass es dazu andere Meinungen gibt. Ich war nun aber bereits in vielen anderen Ländern unterwegs; das Gras ist wohl mancherorts anders grün, aber nicht grüner als hier. In New York musste ich mich auch anstrengen, um als Nobody eine Ausstellung zu bekommen. In Luxemburg ist es nicht anders. Nichts passiert von alleine, Einsatz ist gefordert und dann finden sich Möglichkeiten.


Die Ausstellung „I died (un)happy in my sleep“ kann (ab nächstem Mittwoch) bis Ende 2018 während der Öffnungszeiten von „The Farm“(80, rue de l’Aciérie) besucht werden