LUXEMBURG
SVEN WOHL

Neue Rekrutierungssystematik bei der Polizei

Seit Jahren klagt die Polizei Luxemburgs über einen Mangel an Personal. Während das Großherzogtum bei seinen Einwohnerzahlen rekordverdächtig schnell wuchs, konnte die Polizei kaum mithalten. François Bausch (déi gréng) kündigte im vergangenen Jahr in seiner damaligen Funktion als Minister für die Innere Sicherheit an, mehr Polizisten einzustellen. Dessen Nachfolger, Henri Kox (déi gréng) stellte gestern gemeinsam mit dem Generaldirektor der Polizei, Philippe Schrantz die neuen Rekrutierungsvorgänge vor. Das Ziel: 607 Polizisten und 240 Personen in den zivilen Karrieren sollen bis 2022 eingestellt werden.

Gleiche Hürden für jeden

Das erste Puzzlestück stellt hier das angepasste Staatsexamen dar. Dieses orientiert sich an den Prozeduren des öffentlichen Dienstes. Konkret bedeutet dies, dass die Prozedur nun aus zwei Etappen besteht. In einer ersten Phase steht das Bestehen des Staatsexamens, das vom „Centre de gestion du personnel et de l‘organisation de l‘Etat“ (CGPO) angeboten wird. Dieser wird mehrmals im Jahr organisiert. Das Staatsexamen ist hierbei stets das gleiche, egal ob man nun eine Karriere bei der Polizei beginnen möchte oder wo anders im staatlichen Bereich. Dies bedeutet gleichzeitig, dass all jene, die bereits dieses Examen bestanden haben, sich für die speziellen Prüfungen der Polizei einschreiben können.

Sobald dieser bestanden ist, können sich die Kandidaten für die Prüfungen, welche spezifisch an die Bedürfnisse der Polizei angepasst sind, anmelden. Diese bestehen zum einen aus Französisch- und Deutschtests, zum anderen aus einer sportlichen Prüfung und aus psychologischen Tests.

Wer auch diese Hürden genommen hat, darf dann endlich in die Polizeischule einziehen. Dies geschieht dann frühestens im Frühjahr kommenden Jahres. Dabei haben die betroffenen Personen den Status des „Fonctionnaire Stagiaire“ der Karriere B1 beziehungsweise C1, dies nach einer medizinischen Untersuchung und einer „Entquête de moralité“.

Anpassungen an die Realität

Die Dauer des „Stage“ wurde indes von drei auf zwei Jahre reduziert. Dies hat zum Weglassen der praktischen Einführungsphase geführt. Der neue gesetzliche Rahmen soll bei der Polizei allerdings dafür sorgen, dass diese wieder eingeführt wird. Während der polizeilichen Ausbildung von zwei Jahren, welche einen theoretischen und praktischen Teil in der Polizeischule vorsieht, soll diese Phase innerhalb eines Kommissariats oder bei der „Police Judiciaire“ oder anderen Einheiten durchgeführt werden. Die Ausbildung erhalte dementsprechend eine praktischere Ausrichtung, so die Polizei in ihrer Pressemitteilung. Die sogenannte „Instruction tactique de baste“ (ITB) welch die Kandidaten drei Monate kostete und in der Kaserne in Diekirch durchgeführt wurde, wurde abgekürzt. Sie sei nicht mehr an die Realitäten der Arbeitswelt der Polizisten angepasst. Die Inhalte dieser Ausbildung wurden in das Angebot der Polizeischule integriert. Nach dem ersten Jahr der Ausbildung werden die Beamten der „Police Administrative“ (APA) oder der „Police Judiciaire“ (APJ) angegliedert. Damit stoßen sie zu den Kollegen vor Ort, während sie das zweite Jahr der Ausbildung vollziehen. Mit den ersten Verstärkungen rechnet die Polizei also im Frühjahr 2022.