LUXEMBURG
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Gewalt gegen Minderjährige: Zahlen verraten nicht alles

In mehr als 100 Ländern setzten aufgrund der Pandemie zahlreiche Organisationen, welche Kinder vor Gewalt schützen sollen, ihre Dienste aus. Dies schreibt die UNICEF unter Berufung auf eine Umfrage, an der 136 Nationen teilgenommen haben. Bereits zuvor hatte die UNICEF im Rahmen der Pandemie Alarm geschlagen: Während der Quarantänemaßnahmen könnten Minderjährige vermehrt Opfer von Gewalt werden. „Wir sind erst im Begriff, zu verstehen, welchen Schaden den Kindern wegen der erhöhten Aussetzung von Gewalt während der pandemiebedingten Lockdowns davontragen“, sagte die Ausführende Direktorin der UNICEF, Henrietta Fore. So wüssten viele Kinder nicht, an wen sie sich in diesen Zeiten wenden sollten, so die Direktorin in einer vorgestrigen Pressemitteilung.

Weniger Verdachtsfälle gemeldet

Auf die Periode vom 13. März bis zum 13 Juli betrachtet ist in Luxemburg kein wesentlicher Anstieg bei den protokollierten Akten der Gewalt gegen Minderjährige festzustellen. Das zeigen die gestern veröffentlichten Statistiken der Justizministerin Sam Tanson (déi gréng), des Ministers für Innere Sicherheit, Henri Kox (déi gréng) und des Bildungsministers Claude Meisch (DP). Diese Zahlen wurde im Rahmen der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CSV-Abgeordneten Nancy Arendt veröffentlicht.

Doch sie können auch täuschen: Die Minister erläutern in ihrer Antwort, dass das Ausbleiben eines Anstieges auch daran liegen könnte, dass die Kinder nicht in den Schulen, Betreuungsstrukturen oder Vereinen aktiv waren. Dort konnten dementsprechend keine Verdachtsfälle entdeckt und gemeldet werden. Außerdem sei zu bedenken, dass viele Opfer, vor allem jene, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind, sich oft nicht direkt an die spezifischen Stellen wenden, sondern oft Monate, wenn nicht sogar Jahre damit warten, ehe sie sich jemandem anvertrauen.