PARIS
CHRISTIAN SPIELMANN

Aus dem Film „Les Choristes“ wurde ein Musical

Im Jahr 2004 war der Film „Les Choristes“ von Christophe Barratier mit 8,5 Millionen Zuschauer ein Riesenerfolg in Frankreich und zugleich einer der erfolgreichsten französischen Filme aller Zeiten. Der Regisseur selbst adaptierte sein Drehbuch zusammen mit seinem Koautor Philippe Lopes-Curval als Musical. Filmkomponist Bruno Coulais, der den César für die Filmmusik gewann, komponierte neue Lieder für das in den Folies Bergère aufgeführte Musical, behielt jedoch die Lieder des Chors aus dem Film bei.

Ein Traum zerplatzt

1949. Der Musiklehrer Clément Mathieu (Jean-Louis Barcelona) träumt davon, ein berühmter Dirigent zu werden. Stattdessen erhält er eine Stelle als Aufseher im Internat „Fond de l’Etang“, über das Direktor Rachin (Patrick Zard‘) mit strenger Hand regiert. Bei seinem ersten Treffen mit dem Hausmeister Maxence (Jean-Pierre Clami) und Rachin ist er schockiert, dass unartige Kinder in ein Verlies gesperrt werden. Er versucht, mit Güte und Verständnis an die Kinder heranzugehen. Erst als er ihnen vorschlägt, als Chor zu singen, was gegen die Regeln von Rachin verstößt, verringern sich ihre rebellischen Charakterzüge. Speziell Pierre Morhange (Raphaël) lebt im Gesang auf, zumal er mit seiner Mutter Violette (Aude Candela) Streit hat, wegen seines Vaters, den er nicht kennt. Als Pierre merkt, dass Mathieu Gefallen an seiner Mutter findet, dreht er durch. Pascal Mondain (Victor Le Blond), ein sturer streitsüchtiger Kerl, wird ins Internat verlegt. Bald darauf wird er verdächtigt, den Tresor von Rachin aufgebrochen zu haben. Der Höhepunkt für Mathieu naht, als sich die Qualität seines Chors herumgesprochen hat und eine Gräfin ihren Besuch ankündigt.

Umständliche Aufführung

Die Kinder stammen aus drei Klassen der „Maîtrise des Hauts-de-Seine“, einer Institution für Kinderchöre in Frankreich, die abwechselnd auf der Bühne stehen. Singen können sie alle ausgezeichnet, wie auch schauspielern. Bruno Coulais hat einige neue Lieder komponiert, von denen „Histoire d’une fille“, von Aude Candela gesungen, das schönste ist. Überhaupt kann Candela bei den Erwachsenen stimmlich am besten überzeugen, während speziell Jean-Louis Barcelona mit seiner zu weichen Stimme Probleme hat. Die Chor-Lieder „Vois sur ton chemin“, „Caresse sur l’océan“, „Cerf volant“ und „Les Partitions“ stammen alle aus dem Film.

Da die Technik in den ehrwürdigen Mauern der Folies Bergère nicht den Normen moderner Bühnen entspricht, sind komplizierte Bühnenbilder und schnelle Umbauten problematisch. Die Fassade des Internats bildet den Bühnenhintergrund, aus dem sich der Klassensaal herausdrehen lässt. Weitere Dekors werden von oben herabgelassen oder auf einen durchsichtigen Vorhang projiziert. Immer wieder muss die Bühne verdunkelt werden, damit zu instrumentaler Musik umgebaut werden kann, was zu Längen führt, welche die Stimmung unterbrechen. „Les Choristes“ bietet allenfalls gefällige Unterhaltung, doch vermisst man die Gefühlswallungen aus dem Film.

Weitere Informationen und Tickets unter www.leschoristes-spectacle.com