CLAUDE KARGER

Die „NZZ“ erinnert daran, wie das damals gelaufen ist, vor knapp einem halben Jahrzehnt: „Achtzehn Jahre lang schaltete und waltete Jean-Claude Juncker als Premierminister Luxemburgs - bis er Ende 2013 von einer Koalition aus Liberalen, Sozialdemokraten und Grünen aus dem Amt bugsiert wurde“. Wobei das ehrwürdige Zürcher Blatt allerdings die Sache mit dem Geheimdienstskandal vergisst. Aber die kommt bestimmt noch vor den Wahlen wieder dick auf die Tapete... 2013 suchte die christdemokratische Europäische Volkspartei nach „einer Figur für ein Experiment“ bei den Europawahlen. Und so wurde der altgediente Ex-Premierchef zum „Versuchskarnickel“ beim ersten Spitzenkandidatenrennen für den EU-Premierchefposten. „Der arbeitslos gewordene Juncker stieg für die EVP in den Ring - und wurde am Ende tatsächlich Kommissionspräsident“. Die große Show damals lockte allerdings nicht die Massen, die Beteiligung der Wähler sank erneut. Viele fragten sich übrigens zurecht, was die Aufregung sollte, denn bei der ganzen Kommissionsbosskür hatten sie doch kaum was zu sagen. Das soll sich langfristig aber ändern, meinte das Ex-„Versuchskarnickel“ diese Woche und ließ seine Stärken-wir-die-Bürgerbeteiligung Testballons nochmal steigen. Ob sie bis zum Gipfel der EU-Spitzen am Freitag deren spitze Geschosse überleben?