LUXEMBURG
JEFF KARIER

Filmkritik zum neuen Fantastic Four“ von Regisseur Josh Trank und 20th Century Fox

Comicverfilmungen sind aktuell der große Trend in der Filmindustrie. Der Grund, warum nahezu jedes Filmstudio versucht Comics zu verfilmen und Sequels folgen zu lassen, ist der Erfolg, den die Marvel-Studios mit ihrem „Marvel Cinematic Universe“ (MCU) hat, zu dem die „Iron Man“-, „Thor“- und „Avengers“-Filme gehören. Diese feiern an den Kinokassen riesige Erfolge und zwar regelmäßig. Eines der Filmstudios, das versucht Marvel nachzueifern ist 20th Century Fox.

Ein eigenes Universum, ähnlich wie es das MCU ist, ist Fox mit ihren mittlerweile sieben veröffentlichten X-Men-Filmen zum Teil gelungen. 2005 versuchte Fox mit ihrer Adaptation der „Fantastic Four“-Comics ein weiteres Universum zu schaffen, das die Kinokassen klingeln und die Herzen der Comic-Fans höher schlagen lässt. Nach einem Sequel 2007 wurde die Reihe jedoch eingestellt.

Mit dem nun veröffentlichten Film „Fantastic Four“ versucht Fox es noch ein weiteres Mal und stellt die Zeiger wieder auf null. Somit ist der neue Film ein Reboot und hat mit den alten Teilen nicht mehr viel gemein. Nun stellt sich nur noch die Frage, ob das Reboot nötig gewesen ist und bei den Kritikern und Fans besser ankommt als die Vorgänger. Immerhin genießen diese im Vergleich zu den X-Men und MCU-Filmen eher einen schlechten Ruf.

Alles auf Anfang

Die eigentliche Handlung des Films ist eine typische Superheldenstory. Der bereits in jungen Jahren brillante Reed Richards (Miles Teller) bastelt seit Jahren an einem Transporter, der Menschen an einen anderen Ort und wieder zurück transportieren soll. Dabei steht ihm sein Jugendfreund Ben Grimm (Jamie Bell) zur Seite. Richards Genie und Fortschritte werden von Dr. Franklin Storm (Reg E. Cathey) erkannt. Richards arbeitet fortan gemeinsam mit Storm, dessen Adoptivtochter Sue (Kate Mara), seinem Sohn Johnny (Michael B. Jordan) und dem Hacker Victor Von Doom (Toby Kebbell) an der Umsetzung solch eines Transporters, der allerdings der Weg in ein anderes Universum ist.

Nach Monaten der Arbeit ist ein Test mit einem Schimpansen erfolgreich, woraufhin die eigentlichen Chefs des Forschungslabors den jungen Forschern mitteilen, dass nicht sie, sondern Astronauten der NASA mit dem Transporter in dieses neue Universum reisen werden. Reed, Johnny und Victor gefällt diese Vorstellung so gar nicht, weshalb die drei gemeinsam mit Reeds altem Freund Ben den Transporter benutzten um ganz im Stil von Niel Armstrong die US-Flagge auf dem Planet des anderen Universums zu pflanzen.

Ohne Seele

Natürlich geht bei diesem Unterfangen einiges schief und die vier wie auch Sue, die die Jungs wieder auf die Erde zurückholt, werden verletzt und erhalten ihre jeweiligen Fähigkeiten. Wie die Geschichte ab hier weitergeht, soll nicht verraten werden. Allerdings kippt der Film, der eigentlich ordentlich begonnen hatte immer mehr und wird von Minute zu Minute schlechter. Zwar war bekannt, dass diese Adaption der Comics etwas düsterer und ernster werden soll, allerdings wird nahezu jeglicher Humor, wie etwa das Zanken zwischen Ben Grimm und Johnny Storm, vermisst. Der Film fühlt sich seelenlos und leer an.

Das Gegenteil von Fantastisch

Der Regisseur des Films, Josh Trank, der zuvor einen Achtungserfolg mit dem Independent-Superheldenfilm „Chronicle“ gelungen ist, beschwerte sich vor kurzem erneut darüber, dass sich Fox zu sehr in die Produktion des Films eingemischt hätte. Allgemein gibt es rund um den Film eine Menge Diskussionen, was denn nun warum schiefgelaufen sei. Denn so viel sei verraten, „Fantastic Four“ ist kein guter Film. Auch wenn es keine Katastrophe geworden ist, kann weder Fox, noch Trank oder sonst einer der am Film Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden sein. Der Film ist teilweise zu langweilig, weist einige Logiklücken auf und wirkt nicht wie aus einem Guss.

Etwas dürfte aber klar sein: Die Hauptdarsteller trifft die geringste Schuld. Man mag darüber streiten können, ob nicht jemand anderes besser für die ein oder andere Rolle geeignet gewesen wäre, aber Teller, Jordan, Mara und Bell sind gute bis sehr gute Schauspieler. Das haben alle vier bereits in anderen Filmen und Serien unter Beweis gestellt. Wenn aber ein Drehbuch nicht viel hergibt, der Regisseur der Aufgabe nicht gewachsen zu sein scheint und überhaupt vieles chaotischer läuft als es bei einer Produktion dieser Größe laufen sollte, dann kann auch der beste Schauspieler einen Film nicht mehr retten.

Lass es sein Fox

Ob nach diesem Flop, sowohl an den Kassen, als auch bei Publikum und Kritikern der geplant zweite Teil wirklich kommen wird, ist mehr als fraglich. Jedenfalls ist „Fantastic Four“ nach „Daredevil“ und „Green Lantern“ eine weitere Comicverfilmung, die der Vorlage nicht gerecht wurde. Man kann nur hoffen, dass Fox die Rechte an den Comics wieder an Marvel abtritt. Die wissen zumindest, wie man die eigenen Charaktere auf der großen Leinwand gescheit umsetzt.