LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Patrick Casters, Head of Wealth Management International bei der BIL, über Luxemburg, das europaweit führend bei Islamic Finance ist

Seit über zehn Jahren ist Patrick Casters in der BIL für Islamic Finance verantwortlich. Er kennt die Ansprüche der Kunden. Dem „Journal“ erklärt er, worum es bei Islamic Finance geht.

Was genau ist Islamic Finance?

Patrick Casters Islamic Finance zielt auf zwei Dinge ab: Zum einen auf die Verteilung des Reichtums innerhalb der Bevölkerung und zum anderen auf die soziale Kohäsion anhand von einfachen Prinzipien. Es soll eine Verteilung des Gewinns und des Verlustes geben. Bei Islamic Finance geht es um richtige Wirtschaft, nicht um Finanzkonstrukte. Dahinter stehen echte Produktionen und Waren. Natürlich gibt es auch Einschränkungen: Kein Zins, Beschränkung auch bei Interpretationsspielräumen und das Verbot von Spekulation, Schwein, Alkohol, Pornografie und Waffen.

Welche Rolle spielt Luxemburg bei Islamic Finance im Vergleich mit anderen Ländern?

Casters In Luxemburg sind wir das zweite Zentrum weltweit für Fonds und heute auch für Islamische Fonds. In diesem Bereich sind wir die Nummer eins in Europa. An der hiesigen Börse sind viele Sukuk-Anleihen gelistet. Eine genaue Liste gibt es bei Luxembourg for Finance.

Warum wächst Islamic Finance?

Casters Der Markt wächst ständig. Es gibt Parallelen zu ethischen Investments, gerade weil es um die Basis der Produktion geht und weil das Ergebnis überzeugt. Während der Krise sah man die Differenz. Unternehmen aus dem Bereich Islamic Finance waren weit weniger verschuldet und daher gab es weniger Risiko.

London macht Luxemburg allerdings Konkurrenz. Gilt das für andere Bereiche der Islamic Finance?

Casters Ja, London ist stark beim Investment Banking. Dort gibt es viel Kompetenz; auch bei Ausbildung in diesem Bereich an britischen Universitäten. London ist ein Wettbewerber von Luxemburg; vor allem bei Strukturierung. Luxemburg wiederum ist stark bei der Domizilierung von Fonds. Luxemburg hat einen hervorragenden Ruf als Finanzplatz bei allem, was Fonds angeht. Wir sind weltweit wirklich sehr wichtig.

Spielen Wirtschaftsmissionen in den Nahen Osten dabei eine Rolle?

Casters Ja, durch die Wirtschaftsmissionen, die Luxembourg for Finance und die Handelskammer regelmäßig dorthin unternehmen, sowie durch zahlreiche Memorandums of Understanding - vor allem mit Dubai, Katar und Malaysia - tut Luxemburg alles, um die Verbindung zu stärken. Persönliche Kontakte sind da sehr hilfreich.

Welche Länder haben noch Potenzial?

Casters Stark sind heute im Bereich Islamic Finance Länder wie der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien, Kuwait oder Katar. Dort steigt Bevölkerung. In Malaysia, Indonesien oder der Türkei macht Islamic Finance hingegen weniger als drei Prozent aus. Aber diese Länder sind groß, das Wachstum dort ist stark. Ich bin mir sicher, dass dort noch viel passieren wird. Gleichzeitig gibt es mehr Nachfrage in Europa, wo es mehr und mehr Kunden islamischen Glaubens für solche Produkte gibt. Bislang gibt es keine Ansätze, das hier anzubieten, sondern unsere Angebote gelten für Kunden im Nahen Osten.

Ist Islamic Finance nur eine winzige Nische?

Casters Heute ist es ein großer Wunsch von Luxemburg, sich in Islamic Finance zu platzieren. Der Bereich ist sehr klein verglichen mit allen anderen Möglichkeiten. Die Scharia betrifft weltweit etwas mehr als eine Milliarde Dollar. Das ist wenig verglichen mit dem Rest. Aber Luxemburg kann hier eine Rolle spielen und ich glaube, da kann sich etwas entwickeln. Es gibt Ausbildungen und Zertifikate und die Regierung stärkt den Sektor. Wir sollten der Welt unser Können zeigen und vor allem in Malaysia und anderen Ländern klar machen, dass wir uns dort sehr gut entwickeln.