LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Für naturverbundene Kinder: Lisa Junius verschönert „École Ale Lycée“ in Esch/Alzette

Blau, sattes Nachtblau und nochmals leuchtend blaues Kobaltblau. Dazwischen mal ein blasseres Sommerhimmelblau. Was die Lieblingsfarbe von Lisa Junius ist, wird innerhalb von Sekunden klar, wenn man sich ihr Instagramprofil oder ihren Shop auf der Plattform Etsy anschaut. Die Künstlerin fertigt Tassen, Teller und Pins, bemalt Leinwände und bedruckt Textilien. Auf ihren Werken wimmelt es von langhaarigen, nackten Frauen, die zwischen Blumen, Vögeln und Sternen über den Himmel zu fliegen oder auf exotischen Tieren durch die Nacht zu reiten scheinen. Eine kosmische Sichtweise auf die Dinge - vorzugsweise in Blau.

In Latzhose, mit Farbrolle in der Hand und etwas blauer Farbe auf der Stirn hat sich die 25-jährige Künstlerin in den vergangenen Tagen in vielen Arbeitsstunden über eine stattliche Hauswand und einige kleinere Begrenzungsmauern in Esch/Alzette hergemacht. Auf eine Fassade der „École Ale Lycée“ malt sie ein großes Bild mit ihren Lieblingsmotiven, natürlich in ihrer Lieblingsfarbe.

Farbe der Unendlichkeit

„Für die Primärschule musste ich mir etwas Besonderes überlegen“, sagt Lisa. Schließlich kommen hier jeden Tag viele Kinder vorbei, deren Schulalltag durch das Bild verschönert und inspiriert werden soll. „Es ist verträumt und voller Imagination“, beschreibt die Künstlerin ihr Werk. Auf der hohen Hauswand finden sich eine Frauengestalt, Blumen und Vögel, die Haare der Frau gehen um die Mauerecke herum und breiten sich am Fuß der Nachbarwand weiter aus. „Die Beziehung von Mensch und Natur ist in meiner Kunst sehr wichtig und das wollte ich den Kindern zeigen, weil das heute eben nicht jedes Kind weiß.“ Eine bemalte Fassade und mit Botschaft noch dazu.

Das Kunstwerk entsteht im Rahmen des Projektes „Kufa’s Urban Art“, bei dem acht Künstler aus Luxemburg, Spanien und Großbritannien die Stadt verschönern wollen. Lisa ist eine von ihnen und musste, bevor sie mit Farbe und Pinsel auf der Wand der Schule loslegen durfte, einen Entwurf vorstellen. Den Auftrag hat sie erhalten, weil die Organisatoren des Kunstprojektes ihre Werke bereits im Kreativzentrum 1535 in Differdingen gesehen haben, wo Lisa ihr Atelier hat.

Lisas Lieblingsfarbe war eigentlich immer Blau, sagt sie. „Es ist die Farbe vom Himmel und vom Wasser, sie mischt sich mit der Unendlichkeit“, erklärt die junge Künstlerin. „Nach verschiedenen Theorien ist das auch die Farbe des Geistes, weil er mit dem Universum verbunden ist.“ Die junge Künstlerin hat vor zwei Jahren ihr Kunststudium in Straßburg mit einem Master in „arts plastique“ abgeschlossen. In ihrer Kunst beschäftigt sie sich auch mit dem Ökofeminismus, wobei die in den 70ern entstandene Bewegung davon ausgeht, dass Natur und Frauen in patriarchalen Gesellschaften ähnlich stark unterdrückt werden. Daher also die vielen Frauen, Blumen und Tiere in ihrer Kunst.

Das Wandbild stellt Lisa mit Farbe und Pinsel fertig, nicht wie andere „Urban Art“ Künstler, die Graffiti mit Spraydosen erschaffen. „Ich mag den direkten Kontakt mit der Wand“, sagt die 25-Jährige, die sich sowieso eher als Malerin sieht. Die Herstellung von Keramik probierte sie nur aus Spaß am Experimentieren aus, blieb dann aber dabei. „Picasso, Miró und Chagall haben auch mit Keramik gearbeitet, es gefiel mir, also habe ich weitergemacht.“ Heute verkauft sie ihre Teller und Tassen aus Keramik vor allem in die USA, auch ihre Pins finden guten Absatz.

Neben Lisa Junius stellen derzeit auch die Künstler Spike, Daniel MacLloyd, Sandra Biewers, Alain Welter, Marc Pierrard, Julieta XLF und Helen Bur ihre Werke an ausgewählten Fassaden in Esch fertig. Am 1. Juli soll dann alles fertig sein. Das Abschlussfestival der „Kufa’s Urban Art“ wird am 14. Juli in der Kulturfabrik gefeiert.


Weitere Informationen und Kontakt unter
www.instagram.com/lisajunius und www.etsy.com/shop/lisajunius. Details zur „Kufa’s Urban Art“ unter www.kulturfabrik.lu