BERLIN/LUXEMBURG
BURKHARD FRAUNE (DPA)/JEFF KARIER

Die Auszeichnungen „Spiel des Jahres“ und „Kennerspiel des Jahres“ wurden verliehen

Warum er nicht mehr Ingenieur sein wollte, weiß Bruno Cathala schon lange. Spiele zu erfinden, findet der Franzose spannender. Seit 15 Jahren macht der 53-Jährige nichts anderes. Nun der erste große Preis: Cathalas „Kingdomino“ ist das neue „Spiel des Jahres“. Karten passend aneinander legen und so ein Königreich bilden - damit hat der Autor die Jury der begehrten Auszeichnung überzeugt.

In rund 20 Ländern liegt „Kingdomino“ schon in den Läden, doch jetzt dürfte das Geschäft richtig beginnen. Denn Brettspiele sind trotz Handy- und Computerkonkurrenz beliebt, auch in Luxemburg, wie etwa Klubs wie „Social Gaming Luxembourg“ beweisen. Dieser organisiert regelmäßig Spieleabend und Events, um mehr Menschen an den Spieltisch zu bekommen.

„Spiele sind etwas für Kinder“, diesen Satz unterschreiben nur noch die Wenigsten. Denn der Trend geht klar zum Erwachsenen-Spiel, was die Branche seit einigen Jahren freut. Klassiker wie „Mensch ärgere Dich nicht“ bleiben zwar weithin sehr beliebt und manches Kinderspiel macht eine zweite Karriere als Trinkspiel bei jungen Erwachsenen - wie etwa „Looping Louie“, einst „Kinderspiel des Jahres“. Doch jedes Jahr gibt es auch hunderte neue Spiele zu kaufen.

Spaßig, aber wenig innovativ

Beim neuen „Spiel des Jahres“ finden Spieler dennoch viel Vertrautes: Es verlegt das Spielprinzip von Domino in die Welt der Könige und Burgen. Kluge Mechanismen, stimmig verzahnt mit dem Aufbau von Ländereien, meisterlich auf das Wesentliche reduziert - so sieht es die Kritikerjury im Verein Spiel des Jahres.

Zwei bis vier Spieler ab acht Jahren treten gegeneinander an, legen Kornfeld an Kornfeld, Wald an Wald. Eine Viertel- bis halbe Stunde später steht der Sieger fest. „Jeder lässt vor sich sein eigenes Königreich entstehen“, der Spieler mit der höchsten Punktzahl gewinnt. „Zwar ist ‚Kingdomino‚ mit seinen wenigen Regeln und überschaubarer Komplexität auch für unerfahrene Spieler einsteigerfreundlich. Allerdings bietet eben wenig Neues“, meint Jérôme Decker, Präsident von „Social Gaming Luxembourg“. Es sind eben klassische Spiele-Zutaten. Mit Blick auf die anderen Nominierten, hätte sich Decker gewünscht, dass „Magic Maze“ ausgezeichnet wird. „Es ist im Vergleich zu „Kingdomino‘ innovativer und kam auch auf unseren Events bei den Leuten am besten an. Vielleicht war es aber etwas zu unkonventionell für die Jury“, begründet er seine Meinung.

Besonders anspruchsvoll

Die Jury rät auch zu einem Blick auf die übrigen Nominierten. Sie beweisen: In der Spiele-Welt tut sich was. Einer der wichtigsten Trends des Jahrgangs war sicher der Auftritt der kooperativen „Escape-Room“-Rätselspiele.

Dabei müssen die Spieler zusammenarbeiten, um zu gewinnen, was in diesem Fall heißt: Aus scheinbar verschlossenen Orten zu entkommen - seien es nächtliche Kaufhäuser oder Schützengräben. Eines dieser Spiele, das mit Rätsel gespickte „Exit“, darf sich in diesem Jahr mit dem Titel „Kennerspiel des Jahres“ für besonders anspruchsvolle Spiele schmücken. Deckers persönlicher Kenner Spiel des Jahres ist jedoch „Terraforming Mars“, das auch nominiert war. „Es war mir aber klar, dass es nicht gewinnen würde. Die „Escape-Room“-Spiel haben dermaßen geboomt. Daher geht diese Entscheidung auch in Ordnung“.