Johann Strauss Sohn (1825-1899) gilt als unangefochtener Walzerkönig und Erschaffer der deutschsprachigen Operette. 1874 gelang ihm mit „Die Fledermaus“ der Durchbruch.
Seine „Eine Nacht in Venedig“ basiert auf der Opéra Comique „Le Chateau-Trompette“ von Jules Cormon und Michel Carré. Das deutsche Libretto schrieben Friedrich Zell, der mit richtigen Namen Camillo Walzel hieß, und Richard Genée. Als die Operette 1883 in Berlin uraufgeführt wurde, war niemand begeistert. Erst die überarbeitete Fassung wurde im selben Jahr in Wien ein großer Erfolg. 1923 bearbeitete Komponist Erich Wolfgang Korngold das Werk erneut und fügte Arien aus anderen Strauss-Operetten hinzu. In der DDR überarbeitete Walter Felsenstein das Stück im Jahre 1952 und beließ die Partitur bei den Original-Titeln. Seine Fassung wird am häufigsten gespielt. Im Escher Theater gastierte am Sonntagabend das Operettentheater Salzburg mit einer neuen Tournee-Produktion.
Kein Mut zum Risiko
In der Lagunenstadt ist Karneval angesagt. Guido, Herzog von Urbino (Eugene Amesmann), gedenkt Venedig zu besuchen. Da dieser als Frauenheld bekannt ist, wollen drei venezianische Senatoren ihre Frauen in Sicherheit wissen. Doch Senator Delaqua (Manfred Schwaiger) will den Herzog nicht verärgern, da er unbedingt den Posten als Verwalter ergattern will.
Seine Frau Barbara (Angelika Ratej), die Urbino nie gesehen hat, soll mit einer Gondel ins Kloster nach Murano gebracht werden. Delaqua will die Zofe Ciboletta (Elisabeth Fruhmann) als seine Frau ausgeben. Barbara will jedoch nicht auf das Karnevalstreiben verzichten und tauscht ihre Kleider mit dem Fischermädchen Annina (Birgitta Wetzl). Vom Koch Pappacoda (Marcel Kraml), der in Ciboletta verliebt ist, erfährt der Leibbarbier des Herzogs Caramello (Christian Bauer) von Delaquas Plan. Caramello will nun selbst die Gondel führen, um so Barbara zu seinem Herrn zu bringen. Im Palast merkt er aber, dass Annina in Barbaras Rolle geschlüpft ist, für sie schlägt nun sein Herz. Um Mitternacht treffen sich alle auf dem Markusplatz, und die Verwechselungen werden geklärt.
Wie so oft bei Operetten war auch in Esch der Gesang kaum zu verstehen. Das Orchester übertönte die Stimmen des gut aufspielenden Ensembles zu oft. Es ist leider immer noch ein Sakrileg, Operetten und Opern, im Gegensatz zu Musicals, mit Mikrofonen zu singen. Somit blieb jenen Zuschauer, welche das Libretto nicht auswendig kannten, nichts weiter übrig, als die Melodien der vielen Walzer zu genießen, von denen die bekanntesten „Komm in die Gondel, mein Liebchen“, der Lagunen Walzer „Ach, wie so herrlich zu schau’n sind all die reizenden Frau’n“ und „Kommt, kommt, ihr holden Frauen“ heißen. Zwischen den Arien konnte man der Geschichte problemlos dank der Dialoge folgen. Christian Bauer war sicher der überzeugendste Sänger im Ensemble, Birgitta Wetzl konnte ebenfalls gefallen. Ohne Mut zur Innovation inszenierte Lucia Meschwitz diese Operette, zu klassisch und deshalb zu statisch.


