LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Fehlende Chancengleichheit im Kultursektor? Josée Lorsché und Claude Adam sehen Handlungsbedarf

Es wurde diskutiert und gestritten, manche Themen nur gestreift, andere ausgiebiger besprochen. Eine Thematik wurde jedoch ausgeklammert: die Rolle der Frauen im Kulturbereich. Der Tatort: die „Assises culturelles“, die am 1. und 2. Juli im Großen Theater stattfanden. Dieses Versäumnis bemängeln jedenfalls die beiden Abgeordneten Josée Lorsché und Claude Adam (déi gréng) in einer parlamentarischen Anfrage, mit der sie sich an Kulturminister Xavier Bettel richten. „Le rôle des artistes et acteurs féminins dans le domaine de la culture n’a été thématisé ni dans les rapports des groupes de travail, ni lors des discussions menées en groupe“, beklagen die Grünen-Abgeordneten, die wissen wollen - obwohl es scheinbar keine Statistiken gibt-, dass die Frauen im Kultursektor in Luxemburg unterrepräsentiert sind. Dies versuchen sie mit einigen wenigen Zahlen zu belegen.

Wenige Komponistinnen kommen zu Ehren

Lorsché und Adam haben nämlich die für 2017 geplanten Konzerte in der Philharmonie etwas näher in Augenschein genommen und festgestellt, dass lediglich 0,56 Prozent der Komponisten, die zu Ehren kommen, und nur 1,89 Prozent der Chefdirigenten, die eingeladen wurden, Frauen sind. Auch das „Orchestre Philharmonique du Luxembourg“ (OPL) wurde unter die Lupe genommen, wobei sich herausstellte, dass nur zwei der 77 CDs (1,54 Prozent) Werken von Komponistinnen gewidmet sind, nämlich Lou Koster und Lili Boulanger.

Statec: Frauen überwiegen im Kultursektor

Im Sinne der Chancengleichheit - immerhin habe sich die aktuelle Regierung den Kampf dafür auf die Fahne (beziehungsweise ins Regierungsprogramm) geschrieben - möchten Lorsché und Adam eine Reihe diesbezüglicher Fragen von Kulturminister Bettel beantwortet haben. Dieser, oder vielmehr der Staatssekretär im Kulturministerium, Guy Arendt, kontert gleich eingangs seiner Antwort mit einer rezenten Statec-Studie. Das statistische Amt bezieht sich in seiner Studie, die im Juni 2016 veröffentlicht wurde, auf eine Umfrage aus dem Jahr 2014. Diese Studie sei auch während der „Assises culturelles“ vorgestellt worden, schreibt Arendt. Laut Statec ist der Anteil erwerbstätiger Frauen im Kulturbereich, gemessen an der Gesamtbeschäftigung, höher als jener der Männer: 6,3 Prozent Frauen - Schriftstellerinnen, Designerinnen, Schauspielerinnen, Musikerinnen und so weiter - stehen 5,3 Prozent Männern gegenüber. Bereits 2011 gab es einen Unterschied: 4,4 Prozent Männer, 5 Prozent Frauen. Insgesamt hatten 2014 8.500 Einwohner einen Job in diesem Sektor, etwas mehr als die Hälfte (50,2 Prozent) waren Frauen. Auch bei der hinsichtlich der „Assises culturelles“ bei TNS Ilres in Auftrag gegebenen Umfrage zum Thema „Stellewäert vun der Kultur am Alldag“ habe man Wert darauf gelegt, Ergebnisse nach Geschlecht zu erhalten, bemerkt der Staatssekretär. Zahlen und Erkenntnisse gibt es demnach durchaus.

Die Arbeitsgruppen, die sich im Vorfeld der „Assises culturelles“ ausgiebig mit den einzelnen Themenblöcken beschäftigt hatten, waren indes nicht paritätisch besetzt: 41 Prozent Frauen und 59 Prozent Männer. Diese Kulturschaffenden waren der Einladung des Kulturministeriums gefolgt. Ob das Interesse der Frauen geringer war als jenes der Männer, lässt sich jedoch nicht aus der Antwort erschließen. Im Endeffekt sei es aber darum gegangen, so Arendt weiter, die Erwartungen und Herausforderungen im Sektor zu dokumentieren, und zwar auf neutrale Art und Weise, demnach nicht unbedingt geschlechterspezifisch. Das Kulturministerium werde jedoch jeder großen Forderung die nötige Aufmerksamkeit schenken und sie in den „Plan National de Développement Culturel“ einfließen lassen, bemerkt Arendt.

Qualität steht an oberster Stelle

Inwiefern das Kulturministerium die „création culturelle des femmes“ fördere, wollten Lorsché und Adam abschließend auch noch wissen. In diesem Kontext geht es in erster Linie um die Qualität, wie aus der Antwort von Arendt hervorgeht. Ob ein künstlerisches Projekt bezuschusst wird oder nicht, darüber entscheide eine Subsidien-Kommission. Es seien aber nicht wenige Projekte von Frauen subventioniert worden, wie Arendt auflistet: „48,5% de créatrices ont reçu une bourse d’aide à la création ou un subside aux particuliers en 2015, contre 51,5% de créateurs. Le pourcentage des bourses et subsides aux particuliers accordés aux femmes en 2015 s’élève à 51,3%“.