:LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Zu Hause bleiben und trotzdem von seinem Arzt untersucht werden – Zahl der Coronavirus-Toten steigt auf 9 – 1.453 Infizierte

Neun Tote und 1.453 Infizierte, das sind die neuesten Zahlen in der Corona-Krise, die am Spätnachmittag mitgeteilt wurden. Damit gab es heute einen weiteren Corona-bedingten Todesfall zu vermelden - in einem Bartringer Seniorenheim, in dem laut Medienberichten 15 Infektionen gezählt werden.

Die Gesamtzahl der bestätigten Infektionen ist indes weiter angestiegen und liegt inzwischen bei 1.453 - 120 mehr als am Vortag.

Ebola-, HIV- und Malaria-Medikamente im Einsatz

Am Vormittag hatte Gesundheitsministerin Paulette Lenert aber bereits zu einer weiteren Pressekonferenz via Videoschalte eingeladen, auf der sie allerdings nur einige einleitenden Worte sprach, um anschließend eine Reihe von in diesen Tagen besonders geforderten Gesundheitsexperten zu Wort kommen zu lassen.

Dr. Romain Nati, Direktor des hauptstädtischen „Centre Hospitalier“ (CHL), und Dr. Thérèse Staub, leitende Ärztin der Abteilung der „maladies infectieuses“ am CHL, gingen dabei auf die von Frankreich koordinierte, und in sieben europäischen Ländern (neben Frankreich sind das die Benelux-Staaten, Deutschland, Spanien und Großbritannien) an rund 3.200 Patienten durchgeführte Studie „Discovery“ ein, bei der die Wirksamkeit von vier Medikamenten bei der Behandlung gegen das Coronavirus untersucht werden.

Getestet werden die Medikamente Remdesivir (ursprünglich gegen Ebola entwickelt), die HIV-Medikamente Lopinavir und Ritonavir und Hydroxychloroquin (ein Malariamittel ähnlich wie Chloroquin) - in unterschiedlichen Kombinationen.

Wie Dr. Nati unterstrich, würden diese Medikamente aber nur bei schweren Fällen angewandt werden, das heißt bei Patienten die Atemwegsbeschwerden hätten und bereits hospitalisiert seien, wobei die Patienten aber auch eine Einverständniserklärung unterschreiben müssten.

Resultate der Studie würden noch keine vorliegen, aber schwere Fälle seien auch hierzulande bereits mit Hydroxychloroquin behandelt worden, wie auch schon das Ebola-Medikament eingesetzt worden sei. Es gehe hier darum, so Nati, den Patienten schnellstmöglich eine bestmögliche Behandlung zu geben. Christian Oberlé, Präsident der Gesundheitskasse, beleuchtete anschließend den Aspekt der sogenannten Telekonsultation, will heißen der medizinischen Beratung über Internet, die seit heute auf der Webseite econsult.esante.lu freigeschaltet ist.

„eConsult“: Medizinische Beratung aus der Ferne

„eConsult“ gebe dem Patienten die Möglichkeit, online eine Konsultation mit seinem Arzt, Zahnarzt oder seiner Hebamme zu vereinbaren. Diese telemedizinische Konsultation, die in einem gesicherten Bereich stattfinden würden, werde dann über Internet stattfinden. Leute, die keinen Internetzugang hätten, in der Regel ältere Personen, könnten sich aber auch über Telefon an ihren Arzt wenden.

In erster Linie gehe es darum, das Ansteckungsrisiko sowohl für Patienten als auch für Ärzte zu verringern, wenn diese über Videokonsultation miteinander reden würden. Es obliege dann dem Arzt, darüber zu entscheiden, wie es mit dem Patienten weitergehe, das heißt ob dieser zu Hause bleiben soll oder aber ein „Centre de soins avancé“ besuchen soll. Die Medikamentenverschreibung erfolge über E-Mail, die umgehend nach der Telekonsultation an die gewünschte Apotheke geschickt werde, wo der Patient, der ebenfalls eine Kopie erhält, sein Medikament einfach abholen könne. Das gleiche Prozedere gelte beispielsweise auch für Blutuntersuchungen, wo nach der Telekonsultation die nötigen Unterlagen an das gewünschte Labor geschickt würden. Belege für Krankschreibungen werden indes automatisch an die Gesundheitskasse geschickt. Die zu bezahlenden Tarife seien indes die gleichen wie bei einem normalen Arztbesuch.

„Centres de soins avancés“: festgelegter Ablauf

Als Koordinator der „Centres de soins avancés“ erklärte Dr. Pierre Hertz hierauf den genauen Ablauf, wenn man ein solches Zentrum – am besten erst nach Rücksprache mit seinem Hausarzt – besucht. Ein erstes Versorgungszentrum wurde Anfang der Woche in der LuxExpo auf Kirchberg eröffnet, gefolgt von einem Zentrum in der Rockhal in Esch und einer solchen Einrichtung in der Ettelbrücker Deichhalle, ehe morgen Nachmittag um 14.00 das vierte und letzte Zentrum im Kulturzentrum von Grevenmacher seine Türen öffnen wird. Alle Mitarbeiter, die hier tätig sind – bislang über 70 - machen das übrigens auf freiwilliger Basis.

Wer in einem solchen „Centre de soins avancés“ ankommt, wird zuerst orientiert und bei Verdacht auf eine Ansteckung mit dem Coronavirus erst einmal von den anderen Patienten getrennt, wobei aber sämtliche Patienten und Mitarbeiter direkt mit Schutzmasken ausgestattet werden und auch jeder eine Maske tragen muss.

In einer zweiten Etappe werden die Patienten dann von einer Krankenschwester oder einem Krankenpfleger auf Fieber untersucht, ehe sie zu einem Arzt weitergeleitet werden, der dann einen Coronatest verschreiben kann (der an Ort und Stelle durchgeführt wird) und entscheidet, ob die Patienten nach Hause geschickt werden können oder in ein Krankenhaus müssen.

Zahnarztpraxen bis auf weiteres geschlossen

Als Vertreterin der Allgemeinmediziner rief dann auch noch einmal deren Vorsitzende, Stéphanie Obertin, dazu auf, den Arztpraxen fern zu bleiben und sich erst einmal telefonisch an seinen Arzt zu richten, ehe der Zahnarzt und Vizepräsident der AMMD, Dr. Carlo Ahlborn, auf den Notdienst der Zahnärzte einging. Zahnarztpraxen bleiben nämlich bis auf weiteres geschlossen, dies wegen der hohen Ansteckungsgefahr durch desinfizierende Aerosol-Sprays, die in Zahnarztpraxen zum Einsatz kommen würden.

Die zahnmedizinische Versorgung bleibt jedoch in dringenden Notfällen bestehen und wird in drei Zahnarztpraxen im Zentrum, im Norden und im Süden des Landes weiter angeboten, wo jeweils zwei Zahnärzte im Einsatz sind. Patienten, die dringend einen Zahnarzt brauchen, sollten sich unter der Corona-Hotline 8002-8080 melden.