CLAUDE KARGER

Seit einiger Zeit packen sie es meist nur noch als Randnotiz in die Zeitungsspalten: Die Statistiken über die Arbeitlosigkeit. Gestern meldete die Arbeitsagentur, dass die Quote im Juni bei 5,5 Prozent lag, ein Niveau, das zuletzt im Juni 2011 erreicht wurde. Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass diese Quote vor zehn Jahren, bevor die Finanz- und Wirtschaftskrise aus den USA auch in Luxemburg voll einschlug, bei 4,1 Prozent lag. Im Mai 2014 erreichte sie übrigens einen historischen Höchststand mit 7,2 Prozent. Gestern gab es also durch die Bank gute Nachrichten von der Front des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit - die aber immer noch über 14.000 Mitbürger trifft und mit ihnen ihre Angehörigen. Der kontinuierliche Rückgang der Arbeitslosenquote ist einerseits durch die gute Konjunktur zu erklären, die den Arbeitsmarkt zieht, aber sicherlich auch durch die Mittel und die Vielzahl von Begleitungsprogrammen für die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, die in den vergangenen Jahren aufgelegt wurden.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass aus der „Administration de l‘Emploi“ die „Agence pour le Développement de l‘Emploi“ wurde. Anfang 2012 war das, nach mehr als zwei Jahren Arbeit an einer grundlegenden Reform, die angesichts der explodierenden Arbeitslosenzahlen alternativlos war. Die Namensänderung war Programm, aus der Verwaltung sollte eine proaktive Agentur werden mit mehr Mitteln, optimierten internen Abläufen und vor allem viel mehr Partnerschaften etwa mit Wirtschaftsakteuren, anderen staatlichen Behörden oder auch Gemeinden, mit dem Ziel, so vielen Jobsuchenden wie möglich zu einer Stelle zu verhelfen. Das geht nur, wenn Arbeitssuchende wie Arbeitgeber als „Kunden“ und Partner auf dem Weg zu diesem Ziel betrachtet werden.

Der Mentalitätswechsel, die Reorganisation, sie sind gemeistert. Aber die Baustelle ADEM ist längst nicht abgeschlossen. Sie wird es wohl auch nie sein. Denn der Arbeitsmarkt ändert sich dauernd. Das fetteste Stichwort in diesem Zusammenhang: Digitalisierung. Sie findet in allen Bereichen statt und das rasant. Eine Rasanz, die manchmal überfordert und Angst macht. Angst macht bekanntlich blind und so werden Chancen oft nicht erkannt, die ergriffen werden könnten, wenn der richtige Anstoß zum richtigen Moment kommt. Solche Anstöße soll etwa das Programm „Digital Skills Bridge“ geben, das Unternehmen und ihre Mitarbeiter beim technologischen Wandel unterstützen soll. Während die Aus- und Weiterbildung allgemein das A und O im Berufsleben sind, gibt es sicher auch noch „Luft nach oben“ bei Maßnahmen, um Arbeitssuchende mit speziellen Bedürfnissen zu vermitteln. Mit dem REVIS bekommt die ADEM in dieser Hinsicht noch zusätzliche Arbeit. Die Agentur sieht zudem gemäß einer neuen EU-Regelung auch der Perspektive entgegen, sich in wenigen Jahren voll um die Arbeitsvermittlung von Grenzgängern kümmern zu müssen, die bislang bei Jobverlust von den Arbeitsämtern in ihrem Heimatland betreut werden. Das wird der ADEM spätestens in sieben Jahren tausende Dossiers mehr bescheren. Egal wer der nächste Arbeitsminister wird: sie oder er wird trotz rückläufiger Arbeitslosenzahlen keine Sekunde ruhen können.