LUXEMBURG
JK

Ein Gespräch mit der Präsidentin der „Blëtz asbl“, Chantal Keller, im Vorfeld des Welttags gegen den Schlaganfall

Am 29. Oktober wird der Welttag gegen den Schlaganfall begangen. Aus diesem Anlass lädt die „Blëtz asbl“ am Sonntag, dem 28. Oktober von 16.00 bis 19.00 zu einer Konferenz ins Bettemburger Schloss. Als Gastredner konnte Professor Dr. Jürg Kesselring, Senior Botschafter und Neuroexperte, ehemaliger Chefarzt der Neurologie im Rehabilitationszentrum Valens (Schweiz) und Mitglied des Internationalen Rot Kreuz-Komitees (IRKK), der zum Thema „Neurorehabilitation - Lernen, die (eigenen) aufbauenden Kräfte zu nutzen?“ sprechen wird. Musikalisch umrahmt wird die Feierstunde von André Mergenthaler. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Erbgroßherzogin Stéphanie, des Bettemburger Bürgermeisters Laurent Zeimet, der Ministerinnen Lydia Mutsch und Corinne Cahen sowie von Dr. Carlo Schmit, Direktor der „Santé“. Die ganze Woche über kann man sich in verschiedenen Apotheken den Blutdruck gratis messen lassen (siehe LJ vom Freitag, 19. Oktober 2018) und am kommenden Freitag werden auf Initiative der „Blëtz asbl“ sogenannte „Blëtz-Eclairs“ in ausgewählten Bäckereien (siehe Kasten) angeboten.

Die unter der Schirmherrschaft von Erbgroßherzogin Stéphanie stehende „Blëtz asbl - Lëtzebuerger Associatioun fir Betraffener vun engem Hireschlag“ wurde 2013 von der Gründungspräsidentin Chantal Keller ins Leben gerufen und kann demnach im laufenden Jahr ihr fünfjähriges Bestehen feiern. Ziel der Vereinigung ist es, Personen mit einem Schlaganfall zu helfen. „Blëtz asbl“ bietet den Betroffenen, ihren Familien und Freunden Hilfe und Unterstützung an. Die Vereinigung fördert des Weiteren die Integration der Betroffenen in die Gesellschaft, dazu unterstützt sie die Verbesserung des Lebensbedingungen der Betroffenen und ihres Umfeldes.

Die in Bettemburg (18, rue Michel Hack) ansässige Vereinigung achtet auf strikte ideologische, politische und religiöse Neutralität. Die „Blëtz asbl“ ist in folgenden Bereichen tätig: Unterstützung, Prävention, Nachsorgezentrum (ambulante und stationäre neurologische Therapie) und Forschung.

Vier Schlaganfälle pro Tag in Luxemburg

Dass Schlaganfall auch hierzulande ein Thema ist, dürfte folgende Zahl einwandfrei beweisen: Im Großherzogtum treten vier Schlaganfälle pro Tag auf. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das Erkennen der Symptome eines Schlaganfalls sowie das richtige Handeln in der Akutsituation, wie Chantal Keller in einem Gespräch erklärt. Unverzüglich ist der Notruf 112 zu verständigen, denn „die Zeit zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und den ersten Behandlungsmaßnahmen spielt eine erhebliche Rolle, dies getreu dem Motto ‚time is brain‘“, meint Keller.

Wie die Präsidentin der „Blëtz asbl“ weiter festhält, steht Luxemburg „in Europa in der Schlaganfallversorgung sicherlich nicht als Schlusslicht dar“. Schwer tragbar ist ihrer Meinung nach die „aktuelle Situation, dass keines der luxemburgischen Krankenhäuser über eine Stroke-Unit verfügt, die den ESO-Zertifizierungskriterien nur annähernd entspricht“. Darüber hinaus ist es im Großherzogtum nicht möglich, rund um die Uhr eine Thrombektomie anzubieten. Ein weiteres Problem in der akuten Schlaganfallversorgung stellt nach Kellers Worten auch die Tatsache dar, dass in den einheimischen Krankenhäusern keine Kernspintomographie rund um die Uhr zur Verfügung steht. Dies liegt ihrer Meinung nach „größtenteils an dem luxemburgischen Finanzierungsmodell der Krankenhäuser und auch an der Notdienstverteilung zwischen den Krankenhäusern“. Hier ist „die Regierung gefordert“, sagt Keller.

Längerfristige Behandlung tut Not

Ein Punkt, der Chantal Keller, als Überlebende eines Schlaganfalls, besonders am Herzen liegt, ist die längerfristige Behandlung der Schlaganfallpatienten, die unter einer Behinderung leiden. „Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist gewiss nicht nach sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen. In Anbetracht der großen Plastizität des Gehirns können auch noch Jahre nach dem Schlaganfall durch eine intensive Weiterbehandlung - Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädagogik mehrmals die Woche - erzielt werden“, hält Keller fest. In diesem Bereich sieht die Präsidentin der „Blëtz asbl“ noch „sehr viel Arbeit“ - zum Beispiel „ein ambulantes und stationäres Nachsorgezentrum“.

In Europa ist der Schlaganfall die erste Ursache einer „erworbenen Behinderung“, die zweite Ursache der Demenz und die dritte Todesursache. Als Risikofaktoren für einen Schlaganfall nennt die Präsidentin der „Blëtz asbl“ unter anderem: Das Alter, das Geschlecht, die genetische Veranlagung (ersten Grades), Bluthochdruck, Vorhofflimmern (wenn keine Gerinnungshemmung durchgeführt wird), Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, das Rauchen, Alkoholmissbrauch und Bewegungsmangel.

Ausführliche Informationen in Sachen Schlaganfall bietet das Buch von Chantal Keller „Man muss ein Kämpfer sein! Das Leben nach einem Schlaganfall“, das in den Sprachen Deutsch, Französisch, Englisch und Portugiesisch vorliegt. www.bletz.lu