LUXEMBURG
MARCO MENG

Noch ist der Euro eine stabile Währung - droht eine negative Sogwirkung durch Griechenland?

Die Krise um das Euroland Griechenland hat einen neuen Eskalationshöhepunkt erreicht, da meldet die Europäischen Zentralbank (EZB ), dass die Gemeinschaftswährung international an Bedeutung gewonnen hat. Wie die gestern vorgelegten Daten zeigen, ist der weltweite Anteil der in Euro abgeschlossenen Kreditgeschäfte im ersten Quartal 2015 auf etwa 30 Prozent gestiegen. Das sind laut EZB neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum.

Auch als Devisenreserve genießt der Euro nach wie vor international Vertrauen: Zwar ging laut EZB der Anteil der Gemeinschaftswährung an den weltweiten Devisenreserven im letzten Jahr um 2,2 Prozentpunkte auf 22,2 Prozent zurück. Doch wenn man die Wechselkursschwankungen herausrechnet, blieb der Anteil des Euro den Angaben zufolge nahezu stabil.

Auch die unterschiedliche Geldpolitik in den USA und der Eurozone hätten nach Ansicht der EZB kaum spürbare Auswirkungen für die Bedeutung der Gemeinschaftswährung an den Finanzmärkten. „Trotz der unterschiedlichen Geldpolitik verlagern Devisenhändler derzeit ihre Portfolios im Schnitt nicht aus der Eurozone“, wird EZB-Direktor Benoît Coeuré in der EZB-Pressemitteilung zitiert. Während der Leitzins im Euroraum auf lange Zeit extrem niedrig bleiben dürfte, zeichnet sich in den USA die erste Zinserhöhung seit der schweren Wirtschaftskrise ab.

Viele Unsicherheiten

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt Griechenland, wenngleich die meisten Wirtschaftswissenschaftler auch im Falle eines Grexit keine signifikanten negativen Auswirkungen für den Euro als Währung befürchten: Die Wirtschaftskraft Griechenlands sei zu unbedeutend. Dem Land derweil geht das Geld aus. Während die Warteschlangen vor den Geldautomaten länger werden, hatte Athen Kapitalverkehrskontrollen eingeführt - nachdem etliche Milliarden längst aus dem Land abgezogen worden waren. Mit „Bankferien“ versucht nun Athen, den Kollaps der Finanzinstitute zu verhindern. Eigentlich müssten sie am heutigen Tag wieder ihre Türen öffnen, doch das wird sicherlich ein neuer Rechtsakt der Regierung verhindern, denn die griechischen Banken haben kein Geld mehr: Wie die Zahlen der EZB aussagen, sind die sogenannten Target-Verpflichtungen griechischer Banken durch Geldabzug ins Ausland, die die EZB mit Notfall-Liquiditätshilfen (ELA-Krediten) auszugleichen versucht, um die Geldhäuser flüssig zu halten, auf mehr als 90 Milliarden Euro gestiegen.

Der nahe am Zusammenbruch stehende Geldverkehr hat natürlich auch zur Folge, dass die Gesamtwirtschaft kurz vor dem Kollabieren steht, denn ohne Geld läuft keine Wirtschaft rund.

Die Unsicherheit um Griechenland hatte zuletzt auch den Euro belastet, dessen Kurs am Dienstag unter die Marke von 1,10 US-Dollar fiel. Da eine schnelle und vor allem endgültige Lösung unwahrscheinlich ist, stellt sich die Frage, ob ein Grexit keine negative Sogwirkung haben würde: Alle Euroländer würden im Falle einer Totalinsolvenz jeweils bis zu mehrere hundert Milliarden Euro verlieren. Im ersten Rettungspaket 2010-2013 waren 73 Milliarden Euro an Athen ausgezahlt worden, im zweiten von 2012-2014 immerhin 142,7 Milliarden Euro. Dass Europas Banken ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro gut verkraften würden, wird von den Branchenverbänden bekräftigt, allerdings muss heute noch beispielsweise der deutsche Rettungsfonds Soffin die dortigen Banken noch immer mit 15,8 Milliarden Euro stützen - sieben Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise, so die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) in Frankfurt. Direktes Engagement wurde aber deutlich heruntergefahren. So haben die Banken in Luxemburg zum Beispiel keine griechischen Staatsanleihen mehr, wie die Commission de Surveillance du Secteur Financier mitteilt. Auch in den Portfolios der Investmentfonds stellten griechische Papiere nur noch einen verschwindend kleinen Anteil dar. Luxemburgische Geldhäuser haben laut Zentralbankstatistik im Mai noch insgesamt griechische Papiere im Volumen von einer Million Euro in ihrem Portfolio gehabt; Ende 2013 betrug die Summe noch 98 Millionen. 2008 waren es sogar noch mehr als drei Milliarden Euro gewesen.