LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Lehrergewerkschaft SNE/CGFP nimmt Koalitionsabkommen unter die Lupe

Auch wenn das der CGFP angegliederte „Syndicat national des
enseignants“ (SNE) eine Reihe von positiven Punkten im bildungspolitischen Teil des Koalitionsabkommens erkennen kann, so bleibe - das Regierungsprogramm biete viel Interpretationsspielraum - doch noch so einiges durchzudiskutieren und zu klären, wie die Gewerkschaftsverantwortlichen Patrick Remakel und Gilles Glesener auf einer gestrigen Pressekonferenz hervorhoben.

„Die Schule braucht Ruhe“

Was die Schule die nächsten Jahre brauche, sei vor allem Ruhe, seien im Laufe der letzten Legislaturperiode doch in der Grundschule zu viele Reformen durchgeboxt worden. Vieles sei einfach überstürzt eingeführt worden, ohne dass die Reform bis ins letzte Detail durchdacht gewesen sei, wobei der Teufel aber bekanntlich im Detail stecke, wie SNE-Präsident Remakel anführte. Und dieses Detail bestehe hauptsächlich darin, die theoretischen Reformen auch in die Praxis umzusetzen.

Der Minister habe jetzt fünf weitere Jahre Zeit, um seine Reformen greifen zu lassen. Sollten diese keinen Mehrwert bringen oder gar kontraproduktiv sein, so müssten sie dringend nachgebessert oder, wenn nötig, zurückgezogen werden. Remakel wünschte sich aber auch, dass die Politik, aber auch die Gesellschaft wieder mehr Vertrauen in die Arbeit des Lehrers bekommen würden, die wieder aufgewertet werden müsse.

Die Schaffung eines Bildungstischs sieht die Lehrergewerkschaft eher skeptisch, wo fast jeder zu einem Schulexperten mutiere, und der Lehrer riskiere, zu einer Marionette degradiert zu werden, wie SNE-Sekretär Gilles Glesener sich ausdrückte. Gefragt wird sich auch, ob der Minister jetzt tatsächlich auch die Schüler und Eltern mitentscheiden lassen will, wie die Grundausbildung der Lehrer aussehen soll.

Gegen flächendeckende Ganztagsschulen

Was nun die Betreuung in den „Maisons relais“ anbelangt, die ja während den Schulwochen kostenlos werden soll, so fragt sich der SNE, warum dies nicht auch außerhalb der Schulzeit der Fall sei.

Hier befürchtet die Gewerkschaft, dass der längerfristige Plan der Regierung darin bestehen könnte, flächendeckend Ganztagsschulen einzuführen. „Mir wäerten eis ganz sécher mat alle Mëttele géint eng flächendeckend Ganzdagsschoul wieren“, warnte der SNE-Präsident die Regierung.

Wenig begeistert zeigt sich die Gewerkschaft auch über die Hausaufgabenhilfe; hier dürfe kein Lehrer zur Hausaufgabenhilfe gezwungen werden: „D‘Fanger ewech vun der Tâche vum Schoulmeeschter a vun der Grille horaire“, so Gilles Glesener.

Begrüßt wurde derweil die geplante Einführung von spezialisierten Lehrer im digitalen Bereich, wobei diese aber in den Schulen statt im Bildungsministerium (Script) angesiedelt werden müssten.