LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Nur 1,85 Prozent aller Flugbewegungen auf dem Findel sind Nachtflüge

Nachtflüge von und zum Findel bleiben ein Aufregerthema. Besonders bei einigen Anliegergemeinden und Vierteln der Hauptstadt, die am Flughafen oder in der Einflugschneise liegen. Um die Diskussionen und Debatten rund um dieses Thema wieder auf den Boden der Ratio zu bringen, hat Nachhaltigkeits-und Infrastrukturminister François Bausch gestern eine Reihe von Zahlen vorgelegt, die zum Teil überraschende Ergebnisse zeigen.

So ist die Zahl der Flüge in den letzten Jahren drastisch angestiegen, aber der Frachtsektor hat jetzt erst wieder das Niveau erreicht, dass er vor dem Krisenjahr 2008 hatte. Bausch nimmt für sich in Anspruch das Begleitkomitee, in dem die Fluglärm- und Nachtflugproblematik mit den Anrainern diskutiert wird, erstens wiederbelebt und zweitens den Stadtteilvereinen eine größere Repräsentanz eingeräumt zu haben. Um die Unabhängigkeit in Sachen Fluglärm zu sichern, läge die Federführung beim Umweltministerium und nicht, beim -kommerziell orientierten- Transportministerium, so Bausch.

Ein lärmendes Flugzeug wird teuer

Besonders stolz ist Bausch darauf, dass Luxemburg als einziger Flughafen in Europa die Lärmemissionen der einzelnen Maschinen in der Berechnung der Landegebühren berücksichtigt. Wer Krach macht, zahlt mehr. Sowieso erhöhen sich die Landegebühren in der Zeit zwischen 23.00 und 06.00 vor Mitternacht um den Faktor 1,5 und nach Null Uhr um den Faktor zwei.

Von 2013 bis 2014 sind die Flugbewegungen auf dem Findel in absoluten Zahlen von 80.397 auf 84.222 angestiegen - ein Plus von 4,76 Prozent. Den stärksten Zuwachs, von 12,31 Prozent, hatte übrigens der Passagiersektor (auf 2,5 Mio. Personen) und nicht wie oft vermutet die Fracht. Hier waren es nur 5,13 Prozent. Die Nachtflüge sind in derselben Zeit um 4,16 Prozent angestiegen, was sich schlimmer anhört als es ist. In absoluten Zahlen waren es 2014 nur 62 zusätzliche Flüge.

Die Zahl der Nachtflüge lag 2014 bei absolut 1.554, etwas mehr als vier pro Nacht. Die meisten dieser Flüge waren nicht extra genehmigungspflichtig, da es sich um verspätete Landungen einheimischer, also am Findel ansässiger, Fluggesellschaften handelte. Nachtflüge machen nur 1,85 Prozent aller Flugbewegungen auf dem Luxemburger Flughafen aus. Das europäische Mittel liegt bei rund zehn Prozent. Vier Fünftel der Luxemburger Nachtflüge konzentrieren sich außerdem auf die Zeit zwischen 23.00 und 01.00.

Nachtstarts nur mit Einzelfallgenehmigung

Noch interessanter wird es, wenn es um nächtliche Starts nach 23.00 Uhr geht. Diese müssen alle eine Einzelfallprüfung durchlaufen und vom Chef der Flughafenverwaltung mit einer dokumentierten Begründung genehmigt werden. Dies waren im letzten Jahr ganze 89 Starts in den Nachtstunden.

Minister Bausch wies noch einmal darauf hin, dass niemand den Flughafen zur Disposition stellen könne oder wolle, da bis zu 26.000 Arbeitsplätze mehr oder minder direkt vom Findel abhängen.

Trotz der Zunahmen an Flugbewegungen hat sich Bausch das Ziel gesetzt die Zahl der Nachtflüge um rund fünf Prozent pro Jahr zu senken.


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