LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

OECD legt Ranking über Steuern und Abgaben vor - Luxemburgs Familien stark bevorteilt

Luxemburgs Arbeitnehmer können sich eigentlich nicht beklagen. Die Belastung der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben hält sich in Grenzen. Das ergibt sich aus dem neuesten OECD-Ranking für das Jahr 2016: Ein alleinstehender Arbeitnehmer ohne Kinder hält sich mit im Schnitt 38,4 Prozent im Mittelfeld auf dem 17. Platz. Der Schnitt der 35 OECD-Länder liegt bei 36 Prozent. Ganz gut kommen die verheirateten Alleinverdiener mit zwei Kindern in Luxemburg weg. Sie bezahlen 16,1 Prozent an den Staat, 26,6 Prozent sind es im OECD-Schnitt. Damit belegt Luxemburg Platz 30 - nur Kanada, die Schweiz, Irland, Chile und Neuseeland lagen hier noch besser.

Gemessen wird in der Studie der „tax wedge“. Der ergibt sich aus der Differenz zwischen den Lohnkosten des Arbeitgebers pro Mitarbeiter (Lohn plus Sozialabgaben) und dem Lohn, der dem Arbeitnehmer nach Steuern und seinen Sozialabgaben sowie sozialen Transferleistungen verbleibt. Es ist somit ein Indikator für die Belastung des Faktors Arbeit und zeigt, wie viel Kaufkraft der Staat einem Arbeitnehmer durch Steuern und Abgaben nimmt.

Große Unterschiede: Zwischen 54 Prozent Abgabenlast und sieben Prozent

Die Unterschiede unter den OECD-Ländern sind sehr groß. Für Alleinstehende ohne Kinder etwa reicht der „tax wedge“ von 54 Prozent der Arbeitskosten in Belgien bis sieben Prozent in Chile. Deutschland liegt mit 49,4 Prozent, die im Schnitt an den Staat abzuliefern waren, auf Platz zwei. Frankreich belegt mit 48,1 Prozent Platz vier. Für die Familien mit einem Alleinverdiener und zwei Kindern liegt die Spanne zwischen 40 Prozent in Frankreich und 6,2 Prozent in Neuseeland.

Im OECD-Schnitt zahlen die Verheirateten mit Kindern im Vergleich zu den Singles ohne Kinder 9,5 Prozent weniger Steuern und Abgaben. In Luxemburg sind es 22,3 Prozent.

Familien zahlen 22,3 Prozent weniger Abgaben als Singles

Warum ist die Differenz zu den Alleinstehenden so groß? Hier wirkt sich das in Luxemburg gültige Ehegattensplitting zugunsten verheirateter Paare aus, das es in den meisten anderen OECD-Staaten nicht gibt. Zwar werden in fast allen OECD-Ländern Familien mit Kindern steuerlich gefördert. In Luxemburg, wie auch in Deutschland, ist diese Subvention aber, bedingt durch Ehegattensplitting und die beitragsfreie Mitversicherung von nicht-erwerbstätigen Ehepartnern, besonders ausgeprägt.

Der Unterschied ist noch krasser, wenn man sich nur die Steuerbelastung anschaut. Sie liegt in Luxemburg bei einem ledigen Alleinverdiener im Schnitt bei 31 Prozent. Mit anderen Worten: Der Staat lässt ihm 69 Prozent seines Bruttolohns, während es im OECD-Schnitt 74,5 Prozent sind. Einer Familie mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener bleiben im Schnitt in Luxemburg 94,1 Prozent ihres Bruttolohns. In der OECD sind es 85,7 Prozent.

Die OECD-Experten kritisieren schon länger, dass diese Steuerregeln die Anreize zur Jobaufnahme verringerten: Hohe Steuern und Abgaben für Zweitverdiener entmutigen vor allem Frauen, erwerbstätig zu werden.