LUXEMBURG
MARCO MENG

Chinalux-Handelskammer startet zufrieden ins Jahr der Ziege - oder des Schafs

Die China-Luxembourg Chamber of Commerce (Chinalux), im Mai 2013 gegründet, lud gestern zur Feier des neuen Jahresbeginns nach chinesischem Kalender: Das Jahr des Pferdes wird am 19. Januar vom Jahr der Ziege - oder des Schafes, die Chinesen unterscheiden da nicht genau - abgelöst.

Finanzminister Pierre Gramegna veranlasste das bei seiner Ansprache zu dem Scherz, die EU würde dem sicher viel Aufmerksamkeit schenken, denn Käse aus Schafs- oder Ziegenmilch seien ja nicht dasselbe. Gramegna, der erst kürzlich in Hong Kong gewesen war, ist zuversichtlich, dass 2015 das europäische Wachstum, auch dank China, am Ende höher liegen werde als die momentan prognostizierten ein Prozent.

Im Beisein von etwa 500 geladener Gäste aus Politik und Wirtschaft wies der Direktor der luxemburgischen Handelskammer, Carlo Thelen, bei seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass das Handelsvolumen zwischen Luxemburg und China sich in den letzten zehn Jahren vervielfacht hat. Luxemburgische Firmen verstärkten stetig ihre Präsenz in China, und auch die Kooperation intensiviere sich. Beispiel Ceratizit, die dort inzwischen 2.000 Mitarbeiter beschäftigen und rund 20 Prozent ihres Umsatzes in China erwirtschaften, oder auch die gemeinsame Satellitenmission zum Mond, die China mit LuxSpace durchführte.

Durch Zusammenarbeit profitieren

Chinas Botschafter in Luxemburg, Zeng Xianqi, der auch Ehrenpräsident der Chinalux ist, erklärte, 2014 sei für China auch darum ein erfolgreiches Jahr gewesen, weil China den Kampf gegen Korruption verstärkt und zahlreiche Reformen angestoßen habe. China will die Kooperation mit Europa und Luxemburg ausbauen. Das mit Cargolux erreichte Vorhaben, von weiteren chinesischen Flugplätzen aus den asiatischen Raum anzufliegen, sei eine strategische Kooperation, die eine Luftbrücke zwischen Europa und China werden könne. Wegen der guten Beziehungen will China nach Aussage des Botschafters in diesem Jahr in Luxemburg auch ein chinesisches Kulturzentrum eröffnen.

Linda Lai, von der Hong Kong Wirtschafts- und Handelsdelegation in der EU, erklärt, dass das achte der zwölf Tiere im chinesischen Tierkreis, sei es Schaf oder Ziege, als Symbol für Frieden und harmonische Koexistenz stehe. Das Hong Kong Financial Forum, das dieses Jahr von Finanzminister Gramegna eröffnet worden war, entwickele sich, so Lai, zu einem Bindeglied zwischen China und dem Rest der Welt, auch zu Luxemburg. Zuletzt war im November das Programm gestartet, das die Börsen Shanghai und Hong Kong verbindet und wo dank der Verknüpfung dieser Handelsplattformen seitdem der erste Luxemburger UCITS-Fonds vertrieben wird. Andere Fonds hätten bereits Interesse bekundet, sagt Lai, die erklärt, dass im März in Hong Kong Chinas zweite Freihandelszone eröffnet wird. Hong Kong möchte damit ausländische Unternehmer anziehen.

Letztes Jahr hatte sich Chinas Wachstum auf 7,4 Prozent verlangsamt, so „schwach“ wie seit 24 Jahren nicht mehr. Peking betont indes, dass das abgeschwächte Wachstum durchaus beabsichtigt sei, um eine Überhitzung zu vermeiden. Dass der Handel der Europäischen Union letztes Jahr (von Januar-Oktober 2014) laut Eurostat vor Südkorea und den USA am höchsten mit dem Reich der Mitte angestiegen ist, und zwar um elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, spricht eine deutliche Sprache. Auch die Warenimporte aus China nahmen um acht Prozent zu. Nach den USA bleibt das Land deutlich der zweitgrößte Handelspartner der EU, und Chinas Position als Wirtschaftsnation hat sich gefestigt, nicht zuletzt deswegen ist auch der Renminbi (RMB) mittlerweile die fünftwichtigste Währungen im globalen Zahlungsverkehr.

ChinaLux, die inzwischen 100 Mitglieder hat, wird in diesem März eine Konferenz „Doing Business in China“ ausrichten, und die Agentur Luxembourg For Finance im Juni 2015 ein zweites RMB-Forum