LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Die neuen Konventionen geben den Kulturakteuren Planungssicherheit bis 2018

Würde das Ministerium für Kultur intern sein Wort des Jahres küren, müsste man dem Terminus „Transparenz“ die größten Siegchancen einräumen. Transparenter sollten die Subventionierungsmechanismen werden; aus diesem Grunde war auch ein Neustart notwendig geworden: Alle Konventionen zwischen dem Ministerium und den verschiedenen Akteuren wurden aufgekündigt, um dann in Gesprächen mit der Ministerin und ihren engsten Mitarbeitern wieder neu ausgehandelt zu werden.

„Ein Novum“, meinte Maggy Nagel. Noch nie vorher hat ein Kulturminister jeden einzelnen Konventionspartner ins Ministerium eingeladen, um mit ihm über die Philosophie seines Hauses oder seiner Vereinigung auf Augenhöhe zu diskutieren.

Mehr Geld in die Projekte

Bei dem Aushandeln der neuen Konventionen ging es keinesfalls darum, sich als Ministerium in die Programmgestaltung der einzelnen Partner einzumischen, sondern gemeinsam mit den Partnern die Kriterien zu besprechen, die als Leitlinien für die Programme gelten sollen.

Kulturvereinigungen, die beispielsweise Projekte für Jugendliche oder Schüler ausarbeiten, hatten gute Karten bei der Erneuerung der Konventionen: Die Escher Kulturfabrik und das Kulturhaus Niederanven zählen zu den prominentesten Beispielen. Es soll wieder mehr Geld in die Projekte fließen und weniger in die Gehälter oder in die Unterhaltskosten der einzelnen Gebäude. Wenn, wie in der Vergangenheit, in einigen Häusern rund 70 Prozent des per Konvention festgelegten Betrags in den Unterhalt des Gebäudes flossen, blieb nicht mehr viel für die Kunstproduktion übrig.

Bis 2018 haben alle jene Akteure, die ihre Konvention erneuert bekamen, Planungssicherheit. Allerdings, hieß es gestern im Ministerium, werde man die Arbeit der einzelnen Akteure im Auge behalten. 90 Prozent des Geldbetrags wird Anfang des Jahres überweisen, die restlichen zehn folgen, wenn die konventionierten Häuser und Vereinigungen dem Ministerium ihren Jahresbericht und Budget des Vorjahres vorgelegt haben. Bis heute wurden 41 Konventionen schon ausgezahlt. In Nagels Ministerium setzt man neuerdings vermehrt auf Subsidien. Insbesondere Vereinigungen, die nur einmal im Jahre ein Kulturevent auf die Beine stellen, bekamen ihre Konvention nicht erneuert, sondern kommen über einen Zuschuss in den Genuss von öffentlichen Geldern. Mit den betroffenen Akteuren habe man aber gute Gespräche geführt, merkte die Ministerin an.

Ansprechpartner gesucht

Neben den Akteuren, die ihre Konventionen erneuert bekamen, gibt es ein paar, die weniger ins Sparschwein bekommen - das Echternacher Trifolion - sowie das eine oder andere Problemkind, wie die Vereinigung der luxemburgischen Buchverleger, das keine Konvention bekommen hat . 30.000 Euro weniger fließen ins Echternacher Kulturzentrum, weil das Haus neuerdings massiver auf den Tourismus setze, hieß es gestern im Ministerium.

Mit den Buchverlegern setzt man sich demnächst wieder an einen Tisch. „Wir hatten in diesem Dossier das Problem, dass unser Ansprechpartner nicht mehr klar definiert war“, betonte Maggy Nagel. Die Buchszene darf aber weiterhin auf eine öffentliche Unterstützung hoffen: Die einzelnen Verlagshäuser sollen individuell vom Ministerium unterstützt werden, wenn sie an einer internationalen Buchmesse mit einem Stand teilnehmen wollen. Am Kulturentwicklungsplan wird auch im Ministerium gearbeitet, „tagtäglich“, erklärte die Ministerin mit einem Schmunzeln. 2016 ist er startklar.