LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Neuer EU-Bildungsbericht: positive Entwicklungen und Dauerbaustellen

Der neue Länderbericht zum luxemburgischen Bildungssystem der EU-Kommission bestätigt bekannte Schwächen, sieht das Land aber bei der Beschäftigung von Uni- und Hochschulabsolventen oder dem Anteil der Erwachsenen in Weiterbildungsprogrammen über dem EU-Durchschnitt und konform zu den europäischen Zielsetzungen. Yuriko Backes, Chefin der Vertretung der EU-Kommission in Luxemburg und die Analystin der EU-Kommission, Lívia Ruszthy, stellten zum vierten Mal den Bericht vor, der vom Kleinkindbereich bis zu Erwachsenenbildung wichtige Entwicklungen festhält. Eine Herausforderung bleibt die Schulabbruchsrate, die in den EU-Statistiken mit 6,3 Prozent (2018) gut aussieht, laut luxemburgischer Datenlage aber wohl eher doppelt so hoch ausfallen dürfte. Auch die unterdurchschnittlichen und sich zwischen 2006 und 2016 verschlechterten PISA-Ergebnisse gehören dazu. Pauline Givord, PISA-Analystin bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), erklärte in einer Audioaufnahme (aufgrund der Streiks in Frankreich konnte sie nicht persönlich anwesend sein), dass 2018 mehr als die Hälfte der Schüler einen Migrationshintergrund aufwiesen und dieser Anteil seit 2009 um 15 Prozent gestiegen sei.

Diese Spezifizität könne allerdings nicht als Ausrede für die Ergebnisse herangezogen werden, da zugewanderte Schüler besser abschneiden als ihre Altersgenossen, die in der zweiten Generation im Großherzogtum aufwachsen. Sie plädierte dafür, mehr Ressourcen zugunsten benachteiligter Schüler zu orientieren. Die PISA-Studie zeigte, dass der sozio-ökonomische Hintergrund die Ergebnisse maßgeblich beeinflusst, mehr noch als die Muttersprache oder der Migrationshintergrund.

Sich an anderen inspirieren

Als Anregung für die luxemburgischen Bildungsverantwortlichen nannte Lívia Ruszthy die Anstrengungen in Irland, Estland und Polen, um bessere Ergebnisse im PISA-Test zu erzielen, gleichzeitig aber auch Ungleichheiten zu reduzieren. Nachdem Irland 2009 einen „PISA-Schock“ erlebte, sei eine Strategie ausgearbeitet worden. Die standardisierten Tests seien überarbeitet, die Schulen zu einer Autoevaluierung verpflichtet, viel in die Lehrerweiterbildung interessiert und die PISA-Kompetenzen ( Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften) intensiver vermittelt worden. Mit vergleichsweise begrenzten Mitteln habe sich Irland so unter die besten zehn hocharbeiten können. Der EU-Folgebericht hält allgemein fest, dass „die Ergebnisse der Schüler stark von ihrer Fähigkeit beeinflusst sind, sich an das dreisprachige System anzupassen“. Besonders schwierig sei das zunächst deutschsprachig, dann französischsprachig ausgerichtete System „besonders für die Schüler, die zuhause eine andere Sprache als Luxemburgisch sprechen, also 59 Prozent der Schüler.“

Wo sich der Länderbericht im vergangenen Jahr noch skeptisch äußerte, sieht er in der jüngsten Ausgabe möglicherweise einen Lichtblick: Es sei möglich, dass die Reform der Orientierungsprozedur von der Grund- in die Sekundarschule eine Trendumkehr bewirkt habe, heißt es vorsichtig formuliert. Demzufolge werden seit der Reform 2017 weniger Schüler auf „Préparatoire“-Klassen orientiert. Einen Schwerpunkt legt die bildungspolitische EU-Analyse diesmal auf die Lehrer. Yuriko Backes sagte dazu, dass Luxemburg wie auch viele andere EU-Länder mit einem Lehrermangel konfrontiert sei. Es sei daher wichtig, den Beruf attraktiv zu gestalten und den Lehrern gute Arbeitsbedingungen anzubieten.


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