LUXEMBURG
MARCO MENG

Der Bau von Windkraftanlagen boomt - doch vielfach stößt man auch auf Probleme

Auch wenn in Küstenregionen und auf dem Meer der Windstromertrag bedeutend höher ist, so könne auch im Binnenland eine Windanlage bei einem 100 m hohen Turm Energie produzieren, die reicht, um durchschnittlich 900 Haushalte zu versorgen, erklärt der Luxemburger Energielieferant Enovos. Auch der schwedische Energieriese Vattenfall gibt zu: „Die Zeichen stehen auf Windenergie“. Eigenen Angaben nach produziert der Konzern schon heute mit fast 900 Turbinen etwa vier Terawattstunden (TWh) Strom aus Windenergie - versorgt damit etwa eine Million Haushalte in Europa.

Ein gutes Geschäft für die Anlagenbauer: Letztes Jahr hat General Electric mit dem Verkauf von rund 3.000 Windrädern den konkurrierenden Windanlagenbauer Vestas auf Platz zwei im Hersteller-Ranking verwiesen. Gleichzeitig hat der dänische Windradbauer Vestas aus Kostengründen letztes Jahr fast 5.000 Stellen abgebaut, während Enercon kräftig in Frankreich und Österreich investierte und besonders beim Ausbau in Osteuopa engagiert ist. Siemens hingegen macht gute Geschäfte mit gigantischen Offshore-Projekten vor der britischen Küste. Am Effektivsten sind Windräder nämlich auf dem Meer, wo sich die Rotorblätter rund um die Uhr drehen.

Offshore-Anbindungen fehlen

Wenn auch das Einsatzgebiet Offshore die besten Perspektiven für die Stromerzeugung bietet, sind Anlagen auf dem Meer technisch und logistisch eine enorme Herausforderung - hinzu kommt das Problem mit der Netzanbindung. Der Bau von Offshore-Windparks in der Nordsee hält beispielsweise nach Einschätzung des deutschen Netzbetreibers Tennet mit dem Ausbau des Stromnetzes auf mittlere Sicht nicht Schritt. Es drohen Leerstandskosten im hohen dreistelligen Millionenbereich, denn bislang verläuft der Ausbau der Windparks und der Netze kaum synchron. Die Investitionen in neue Offshore-Windparks sind deswegen ins Stocken geraten.

Die Folge von starkem Boom bei gleichzeitiger Unsicherheit: Der Windturbinenhersteller Nordex, dessen Aktien gestern einen Absturz erlebten, will seine Produktionskosten reduzieren und strebt Einsparungen um vier Prozent im Jahr 2013 an. Sowohl Nordex wie auch der Marktführer aus Dänemark, Vestas, haben seit Anfang des Jahres Kursverluste hinnehmen müssen - deutlicher Hinweis auf den wachsenden Konkurrenzdruck. Zudem erwägt - während Frankreich über eine stärkere Förderung erneuerbarer Energieformen nachdenkt - Deutschland eine Drosselung der Förderung von Windkraft. Für die Energiekonzerne selbst bedeutet die Energiewende hohe Investitionskosten: Bei Deutschlands drittgrößtem Stromkonzern EnBW brach der Konzernüberschuss jüngst um 65 Prozent ein auf 190,5 Millionen Euro. Für die strategische Neuausrichtung und den Ausbau von Wind- und Wasserkraft braucht man Milliarden. Rund 1.300 Stellen fallen dem Sparkurs zum Opfer.

Der Energiemix bedeutet darüber hinaus nicht nur den Mix verschiedener Stromquellen, sondern auch die Umwandlung von Strom in bestimmte speicherbare Stoffe, weshalb von Windrädern erzeugte überschüssige Energie zum Beispiel in Gas umgewandelt und somit transportierfähig und speicherbar gemacht werden muss. Auch das nicht ganz einfach.