ROM
AP

Nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf mindestens 247 gestiegen. Mindestens 368 weitere seien verletzt worden, teilte die Zivilschutzbehörde am Donnerstag mit. Wie viele Menschen noch vermisst werden, war jedoch unklar. Daher wird ein weiterer Anstieg der Opferzahlen befürchtet. Einen Tag nach dem verheerenden Erdstoß gab es in der gleichen Region am frühen Morgen ein Nachbeben der Stärke 4,7, wie die US-Erdbebenwarte mitteilte.

Der schwere Erdstoß vom Vortag hatte die drei Ortschaften Amatrice, Accumoli in Umbrien und Pescara del Tronto in der Adriaregion nahezu komplett zerstört. In den Regionen stürzten Häuser ein, in denen viele Einwohner zum Zeitpunkt des Bebens schliefen.

Ministerpräsident Matteo Renzi besuchte das Unglücksgebiet, wo er mit Rettungsteams und Überlebenden sprach. Die Suche nach weiteren Überlebenden habe in den kommenden Tagen Priorität, sagte er. Das Land zeige in schweren Zeiten sein wahres Gesicht: „Keine Familie, keine Stadt, kein Weiler werden alleine gelassen“, versprach Renzi zudem. Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin, die ebenfalls vor Ort war, sagte, unter den Opfern gebe es viele Kinder. Das Unglücksgebiet ist auch bei viele Familien mit Wohnsitz in Rom beliebt.

Von den Rettungsteams und Freiwilligen wurden Dutzende Menschen lebend aus den Trümmern gezogen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wurde in Pesara del Tronto beispielsweise ein achtjähriges Mädchen gerettet. Der Helfer Christian Bianchetti sagte jedoch: „Leider sind 90 Prozent derjenigen, die wir herausziehen, tot. Einige jedoch leben, und das ist der Grund, warum wir hier sind.“

Der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, beschrieb die Lage kurz nach dem Beben mit den Worten: „Den Ort gibt es nicht mehr.“ Zu Amatrice, rund 100 Kilometer nordöstlich von Rom, gehören 69 kleine Ortschaften, die von den Rettungskräften teils schwer zu erreichen waren.

Am Abend mussten Rettungskräfte in Amatrice ihren Sucheinsatz an einem stark beschädigten Hotel unterbrechen, da es zu dunkel und gefährlich sei, sagte ein Behördenvertreter. Demnach hatten rund 70 Gäste dort die Nacht verbracht, als sich das Beben ereignet habe. Bisher wurden fünf Leichen aus dem Schutt geborgen.

Auch die wichtigste Straße nach Pescara del Tronto war von Trümmern übersät, was den Rettungseinsatz erschwerte. Auf Luftbildern der Feuerwehr war zu sehen, dass der kleine Ort praktisch dem Erdboden gleichgemacht war.

Aus dem Ausland trafen Beileidsbekundungen und Hilfsangebote ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte Renzi in einem Kondolenztelegramm „das tiefe Mitgefühl des deutschen Volkes“ aus. Der französische Staatspräsident François Hollande bot Italien Hilfe an. US-Präsident Barack Obama sagte, die USA schickten Gebete an die Opfer.

Im Jahr 2009 hatte in L’Aquila ein Erdbeben der Stärke 6,3 in derselben Region mehr als 300 Menschen in den Tod gerissen. L’Aquila befindet sich 90 Kilometer südlich von Norcia.

Die Animation von RaiNews.it zeigt, welche Orte wie schwer getroffen wurden.