LUXEMBURG
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2010 bis 2016: 1.048 Verfahren wegen sexuellem Missbrauch eröffnet

Sexueller Missbrauch kommt in allen Gesellschaftsschichten vor, dies ist mittlerweile belegt. Die Skala reicht von Vergewaltigungen und dem Eindringen in den Körper über sexuelle Nötigungen und missbräuchliche Berührungen bis hin zur bildlichen Dokumentation und Verbreitung sexueller Missbrauchshandlungen oder zum Zeigen von Pornos, führen die Ordnungsbehörden aus.

95 Prozent der Täter entkommen ungestraft

In Deutschland beispielsweise werden jährlich rund knapp 15.000 Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder gemeldete. Die Dunkelziffer ist dabei weitaus höher. Nationale und internationale Dunkelfeldstudien berichten, dass 15 bis 30 Prozent der Mädchen und fünf bis 15 Prozent der Jungen in ihrer Kindheit Opfer von sexuellem Missbrauch werden. Mädchen sind bis zu dreimal häufiger betroffen. 95 Prozent der Täter entkommen ungestraft.

Ein Thema, dem sich nun auch die CSV-Abgeordnete Nancy Arendt widmete und die beim Justizministerium entsprechende Zahlen anfragte. In Luxemburg sei die Verjährungsfrist für sexuelle Straftaten zehn Jahre, führt Arendt aus. Doch oft sei diese Frist zu kurz, um entsprechend reagieren zu können, da viele sich erst im Erwachsenenalter zu einer Anzeige entscheiden könnten. Die Hemmschwelle zur Strafanzeige gegen Täter aus dem sozialen Umfeld ist bekanntlich hoch. Aber durch eine Anzeige wird der sexuelle Missbrauch aufgedeckt und beendet, weiterer Missbrauch verhindert und der Täter zur Rechenschaft gezogen, sagt die Polizei. In Frankreich und in Kanada wurde daher die Verjährungsfrist auf zwanzig bis dreißig Jahren angehoben. In einigen Ländern wie Großbritannien oder der Schweiz oder auch Kalifornien ist solche sexuelle Gewalt unverjährbar.

In 202 Fällen Opfer jünger als 16 Jahre

Das Justizministerium, das der Abgeordneten umfangreiche Tabellen zu dieser Thematik vorlegte, präzisierte aber auch, dass aktuell nicht angedacht sei, die Verjährungsfrist im luxemburgischen Strafrecht zu reformieren. In den letzten sieben Jahren wurden im Großherzogtum 1.048 Verfahren wegen sexuellem Missbrauchs eröffnet, wie Minister Braz ausführt. In 202 Fällen waren die Opfer jünger als 16 Jahre.