LUXEMBURG
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„Actioun öffentlechen Transport“: Gute Mobilitätsideen müssen auch verkehrstauglich bleiben

Der Verkehr ist und bleibt wohl auch in naher Zukunft ein Thema, das quasi jeden in Luxemburg betrifft, sei es der öffentliche oder der Individualverkehr. Ist der Pkw doch in Luxemburg immer noch ein Statussymbol und Garant für eine große Bewegungsfreiheit. Doch ein gewisser Mentalitätswandel sei immer noch erforderlich, wie die AÖT, die „Actioun öffentlechen Transport“, resümiert, und diese Notwendigkeit bereits seit 35 Jahren immer wieder untermauert. Am Montagabend fand die AÖT-Generalversammlung statt.

„Dass die Lösung darin besteht, den Anteil des motorisierten Individualverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen zu reduzieren und mehr Menschen auf die Schiene, den Bus und das Fahrrad zu bekommen, ist ebenfalls hinlänglich bekannt“, sagte AÖT-Präsident Roland Schreiner bei einer gestern abgehaltenen Pressekonferenz. Viel zu lange sei nur in den Straßenbau investiert, während der öffentliche Transport eher stiefmütterlich behandelt worden sei.

19 Organisationen

Schreiner, mit den 19 verbundenen Organisationen, lobte den „Stellenwert des öffentlichen Transport in der aktuellen Gesellschaft“, betonte aber, dass hier auch der Druck der Vereinigung mit dazu beigetragen habe, diesen Stellenwert zu erreichen. „Eine erfreuliche Entwicklung, doch es geht auch noch besser“, sagte Schreiner. Vier Milliarden Euro Investitionen bei der Bahn seien notwendig und begrüßenswert, „gehen doch auch hier Arbeitsplätze mit einher“, sagte Schreiner beispielsweise.

Und doch: Viele Maßnahmen, die von der letzten und der aktuellen Regierung angegangen worden seien, „waren und sind sicherlich unterstützenswürdig. Und doch gehen sehr viele dieser Maßnahmen nicht weit genug, da sie der Verkehrsentwicklung nicht hinterherkommen.“

So begrüßte die AÖT natürlich die Installation der Tram. „Doch das System darf sich nicht auf die Stadt Luxemburg begrenzen – es muss über die Grenzen der Stadt hinaus“, sagte Schreiner und bedauerte, dass man sich nicht auf das „Hybridsystem Bus-Bahn-Tram“ verständigen konnte. Somit stelle sich die Frage, was im Süden des Landes passieren werde. „Auch hier sind wir für die Tram, die Süd-Tram“, im Gegensatz zur Regierung, die ja bekanntlich „Bus à haut niveau de service“ favorisiert.

Hinterfragen will die AÖT die Idee der „schnellen Tram zwischen Luxemburg und Esch. Hier ist eine Studie notwendig, um alles Für und Wider abzuwägen. Und die Zeitschiene bis ins Jahr 2035 stellt wieder das Problem dar, dass eine Lösung der Verkehrssituation oft hinterherläuft“, sagte Schreiner.

Ein weiteres Projekt, in dem sich die AÖT stark gemacht hat, war die Zugstrecke Ettelbrück-Diekirch, „doch diese Linie scheint ja nun gesichert zu sein“, wie Schreiner ausführte.

Die schlechten Zugverbindungen beispielsweise mit der Schweiz, die schlechte Kommunikation in Bezug auf die Zugverbindungen waren weitere Arbeitsfelder, wo sich die AÖT einmischte.

Schreiner betonte, dass die AÖT guter Hoffnung sei, dass „auch die Parteien in ihrem Wahlprogramm weiterhin Schwerpunkte auf den öffentlichen Transport setzen. Daher werden wir diese Programme natürlich genauestens betrachten“, erklärte der Präsident.

AÖT-Sekretär René Birgen ging auf weitere Probleme ein, deren sich die Vereinigung annahm. „Wie die angedachte Verkürzung der Verbindung in Diekirch um 200 Meter, wo man auch wiederum zwei weitere Haltestellen einrichten müsste“, nämlich in „Walebroich“ und auch in Ingeldorf beim Einkaufszentrum.

Ein besserer Service in Direktion Vielsalm und auch Trois-Ponts wäre wünschenswert, wobei der zuständige Minister Bausch gegenüber der AÖT ausführte, dass hier Diskussionen mit der SNCB und auch Infrabel nicht einfach wären.

Ticketverkauf überdenken

Die Verbindung der Linie 30 über Wasserbillig nach Trier sei auch verbesserungswürdig, wobei die CFL der Vereinigung zugesagt hatte, dass hier ein besserer Takt ab Ostern 2019 mit der Öffnung des Viadukts Pulvermühle möglich ist, „dies durch den Einsatz eines sogenannten ‚Bummelzuges‘, womit quasi eine 30-Minuten-Taktung erreicht werden würde“, sagte Birgen. Das Infosystem für die Nutzer werde durch das neue „Auris-System“ ergänzt, was sicherlich eine Zeitersparnis für die Fahrgäste darstelle.

Der Ticketverkauf soll nach AÖT-Ansicht etwas modernisiert werden. Bisher war es nur so, dass der Kauf eines Tickets am Automaten zur sofortigen Nutzung verpflichtete. Was die nationalen Verbindungen anbelange, so werde es hier wohl keine Änderungen geben. „Allerdings werde sich die Bahn Gedanken machen, was den internationalen Bahnverkehr anbelange, dass der Kunde hier eine Datumswahl haben kann.“

Gratis-ÖPNV sei grundsätzlich begrüßenswert, „allerdings dürfte dies nicht zum Personalabbau führen“, wie Schreiner ausführte.