LUXEMBURG
JEFF KARIER

Am Wochenende fand die sechste Auflage der Messe „Luxcon“ statt

Ob Anime-Liebhaber, Star Wars-Fans oder Freunde von Brettspielen: Die Messe „Luxcon“ ist seit nunmehr sechs Jahren ein Treffpunkt für alles aus den Bereichen Fantasy und  Science-Fiction sowie ein fester Termin im luxemburgischen Kulturkalender. So dauerte es auch nicht lange, bis einem auf der Messe Darth Vader über den Weg lief oder man den Dude aus dem Film „The Big Lebowski“ am Tresen stehen sah, zwar ohne „White Russian“, dafür aber mit einem Bier. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Man sah sowohl Gruppen von jungen Leuten als auch viele Eltern mit ihren Kindern. Allgemein war der Altersschnitt höher, als mancher sich beim Gedanken an seine solche Convention es sich vorstellen würde. Schließlich richtet sich der Großteil von Fantasy- und Science-Fiction-Universen an ein erwachsenes Publikum. Aber auch ansonsten sollte man sein Klischee-Denken beim Betreten der „Luxcon“ an der Tür abgeben, um sich unvoreingenommen an der Vielfalt und Positivität der Besucher, Aussteller und Organisatoren zu erfreuen.

Lëtzebuerger Journal

Was das Fan-Herz begehrt

Die diesjährige „Luxcon“ hatte erneut viel zu bieten, auch wenn es gefühlt einige Stände weniger als im Jahr zuvor waren. In der Haupthalle des „Forum Geesseknäppchen“, wo die Messe nun zum dritten Mal stattfand, hatte etwa das Geschäft „Inked Geek“ aus Esch/Alzette seinen Stand und bot unter anderem Figuren, Brettspiele sowie „Warhammer 40.000“-Sets an. Andere Stände hatten unter anderem Stofftiere, Poster oder auch aktuelle sowie Retro-Videospiele im Angebot. Hier fand man auch einige Autoren, die ihre Werke verkauften oder signierten, sowie Zeichner und Künstler, wie die luxemburgische Mangaka Sabrina Kaufmann. Immer einen Besuch wert ist der Stand von Leuengold, die besonders für Mittelalter-Fans auch dieses Jahr einiges zu bieten hatten. Gewänder, Waffen und Accessoires oder sogar ganze Rüstungen wurden hier angeboten. Ein Geheimtipp sind die  verfeinerten Weine beziehungsweise Weingetränke, die man auch dieses Jahr wieder am Stand verkosten und kaufen konnte.

Wer keine Lust auf Wein hatte, konnte an der Bar aus vier verschiedenen „Luxcon“-Cocktails wählen, oder aber Bier, Radler oder Softgetränk sowie Kaffee und Tee bestellen. Im Außenbereich gab es mehrere Stände, an denen man neben Burger und Mettwurst auch Muffels bekam. Hier befand sich auch der Stand des „Outdoor Escape Games“, das von „216k Escape Room“ organisiert wurde: Die Teams wurden mit einem iPad losgeschickt und mussten ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd Rätsel lösen und Hinweisen nachgehen. Die wurde zeitweise durch das Wetter erschwert. Denn am Wochenende machte der April seinem Ruf alle Ehre. So wechselte es am Sonntag zwischen blauem Himmel mit Sonnenschein und dunklen Wolken samt Schneeschauer und  eisigem Wind.

Im warmen Inneren des Forums erwartete die Besucher auf dem zweiten Stock unter anderem eine breite Auswahl an Brettspielen, die man gemeinsam mit Freunden oder neuen Bekanntschaften ausprobieren konnte. Diese wurden vom Brettspielverein „Social Gaming Luxembourg“ zur Verfügung gestellt. Der Verein organisiert wöchentlich Brettspielabende und am kommenden Wochenende in Kopstal die „Pegasus Spieletage“ mit weiteren Neuheiten.

Einige Meter weiter konnte man Leuten beim Tabletopspielen zuschauen. Dabei handelt es sich um eine Art von Strategiespielen, die auf einem Tisch mit Armeen aus kleinen Figuren gespielt wird. Als Grundlage dient ein recht komplexes Regelwerk. Bei Angriffen werden Würfel ausgerollt, die etwa ermitteln, ob ein Schuss gesessen hat und wie groß der Schaden ist. Auch wenn diese Schlachten für Außenstehende nicht leicht nachzuvollziehen sind, sind sie aufgrund der aufwendigen Gestaltung des Spielfelds und vor allem der Figuren einen Blick wert. Denn meistens bemalt jeder Spieler seine Armeen selber. Außerdem gab es einen Bereich, in dem Videospielfans auf ihre Kosten kamen. Hier gab es neben einer ganzen Reihe an Klassikern auch neue Titel und Technologien wie VR-Brillen.

Gemeinsame Interessen und Neues

Daniel Dubois war bislang auf jeder „Luxcon“ mit dabei. „Es macht einfach Spaß, hier Leute zu treffen, die dieselben Interessen haben wie man selbst und sich über diese auszutauschen“, meint Dubois. So empfindet er die „Fanzones“, in der sich  Gleichgesinnte zu einem spezifischen Thema treffen können als eine tolle Bereicherung. „Die ‚Luxcon’ ist aber auch deswegen toll, weil man neue Leute sowie neue Dinge kennenlernt und somit seinen eigenen Horizont erweitert“, betont er.

Ein wichtiger Teil der Messe sind dann auch die verschiedenen Workshops, Lesungen und Diskussionsrunden. Im „Kid’s Corner“ konnten die Kleinen etwa Dracheneier, Zauberstäbe oder Lichtschwerter basteln. Zu den Autoren, die aus ihren Werken vorgelesen haben, gehörten dieses Jahr unter anderem Tom Hillenbrand (Hologrammatica) oder auch Tobias Meißner (Dungeon Planet). Und bei den Diskussionsrunden beziehungsweise Panels wurden Themen wie „Vampires in Pop culture“ und „Alternate History & Industrial Revolution“ thematisiert. Für Morgan Shaw gehören diese Treffen zu ihren diesjährigen Highlights. „Besonders Scott Lynch, der aus einem One-Shot, der Teil einer Anthologie ist, vorgelesen hat, war großartig“, betont die 33-Jährige. Shaw ließ sich dann auch die Chance nicht entgehen, um sich Lynchs Erstlingswerk „The Lies of Locke Lamora“ signieren zu lassen. Die Möglichkeit der direkten Interaktion mit Autoren und anderen Kreativen mache für Shaw einen Teil des Reizes der „Luxcon“ aus.

Daher wünscht sie sich für die Zukunft, mal wieder Akteure aus der Filmbranche auf der „Luxcon“ zu sehen. Denn mit Miltos Yerolemou (Game of Thrones) und Tommy Krappweis (Bernd das Brot/Mara und der Feuerbringer) konnte die „Luxcon“ in der Vergangenheit bereits interessante und hochkarätige Vertreter aus diesem Bereich willkommen heißen. Krappweis zeigte damals sogar seinen Film „Mara und der Feuerbringer“ und stand anschließend für Fragen und Kommentare zu Verfügung. „Besonders solche Filmvorführungen zusammen mit dem Regisseur wären eine Bereicherung. Schließlich werden in Luxemburg und im nahen Ausland viele Genrefilme sowie Kurzfilme gedreht.“ Auch etwas genauer ausgearbeitete Panels würde Shaw sich wünschen.

Für Phillipe Reiser war es die erste „Luxcon“. „Ich bin beeindruckt, mit welcher Leidenschaft sich die Leute mit ihrem Fan-Sein beschäftigen, sich als Charaktere verkleiden und ihr Hobby ausleben“, meint der 41-Jährige. Er habe es toll gefunden, sich die verschiedenen Dinge, die es hier gibt, anzuschauen und auch einige Brettspiele gemeinsam mit Freunden anzutesten. „Ich hatte hier eine schöne Zeit, obwohl ich keinen direkten Bezug dazu habe. Ich denke daher, dass ich kommendes Jahr wieder auf die ,Luxcon‘ kommen werde.“

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„Je größer das Team ist, umso einfacher ist es“

Ein solches Event ist mit viel Arbeit verbunden, die bereits lange vor der eigentlichen Veranstaltung beginnt. Entsprechend ist es wichtig, auch genügend Hände zu haben, die mit anpacken. Gérard Kraus, einer der Hauptverantwortlichen der „Science-Fiction & Fantasy Society“, die die Luxcon organisiert, hofft daher, dass sich nächstes Jahr mehr Freiwillige melden, die helfen möchten.

„Je größer das Team ist, umso einfacher ist es“, sagte Kraus uns gegenüber dazu. Dann müssen die Helfer jeweils weniger Arbeit verrichten und weniger lange Schichten geschoben werden. „Wer Lust hat, zu helfen, kann sich gerne bei uns melden.“

Am Samstagabend zeigte sich Kraus recht zufrieden mit dem Ablauf der Messe und auch Besucherandrang. Die Besucherzahlen könnten jedoch aufgrund des mäßigen Wetters geringer ausfallen als im Jahr zuvor, als mehr als 4.800 Neugierige den Weg ins Forum fanden. „Als Organisator eines Events, das im April stattfindet, musst du mit solchem Wetter rechnen“, meinte er. Für die Zukunft der „Luxcon“ haben Kraus und das restliche Team jedoch schon einige Ideen und Pläne. „Im Rahmen von ‚Esch 2022’ wollen wir eine ‚Luxcon‘ mit ,Eurocon‘-Charakter machen. Dazu haben wir schon mit den Verantwortlichen gesprochen“, verrät er. Bei einer „Eurocon“ handelt es sich um eine Messe, die jährlich im Rahmen einer anderen Messe stattfindet. Falls alles klappt, wird die „Luxcon“ 2022 als „Eurocon“ im Süden Luxemburgs stattfinden. Dadurch würde das Programm auch größer ausfallen und sich über mehr als zwei Tage ziehen. „Wir werden von anderen Messen um unsere Mehrsprachigkeit sowie unsere natürliche europäische Orientierung beneidet“, führt Kraus aus. Entsprechend wäre die „Luxcon“ prädestiniert als „Eurocon“.