LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

Kurzfilm-Abend im „Utopia“

Kurzfilme werden oft als Talent-Messer für junge Filmemacher angesehen. In Luxemburg gelingt es kaum einem jungen Regisseur oder Regisseurin, einen abendfüllenden Spielfilm zu realisieren, ohne zuvor wenigstens einen Kurzfilm gedreht zu haben. Am Montagabend hatten vier luxemburgische Produktionsfirmen ins „Utopia“ eingeladen, um ihre neuen Filmchen zu präsentieren, die von unterschiedlicher Qualität waren, aber durch ihre Sprachenvielfalt überraschten, die daran erinnert, dass Luxemburg immer noch multikulturell ist.

„Mister Rocket (and his magnetic friends)“

Julie Schroell hat bereits die Dokumentarfilme „E stoarkt Steck Minett - 100 Joër Jeunesse Esch“ und „De Bauereblues“ gedreht. Ihr Kurzfilm „Mister Rocket (and his magnetic friends)“ wurde von Samsa Film produziert. Eric (Christophe Piette) träumt davon, an einer Mars-Mission im Jahr 2024 teilzunehmen. Er findet zufällig einen Amateurfilm von 1962, der in Bivange spielt. Sein Freund Vulcain (Max Thommes), ein überzeugter Ufologe, glaubt, dass der Hobbyfilmer von Außerirdischen entführt wurde. Zusammen mit Rita (Anne Metzler), einer Graffiti-Künstlerin, machen sie sich auf den Weg nach Bivange, einen Ort, den sie als Landeplatz von ETs ansehen. Der Film ist etwas holprig inszeniert und trotz, dass einige Szenen lustig sind, wirkt die ganze Geschichte nicht ausgereift.

„The Heat Wave“

Die Spanierin Lucia Valverde lebt in Luxemburg und überzeugte Jesus Gonzales (Calach Films), ihren Film zu produzieren. Der Deutsche Ingo (Luc Spada) lebt mit der Spanierin Cecilia (Laure Roldán) zusammen. Nur mit einer Schürze bekleidet, spaziert er durch die Wohnung, während sie Paella kocht. Sie muss ihren Vater (Juan Meseguer) vom Flughafen abholen und überlässt ihm das Kochen. Als er einen Müllbeutel hinaus bringen will, schlägt die Tür zu. Er versucht durch das Appartement seiner blinden Nachbarin (Annette Schlechter) wieder in seine Wohnung zu gelangen. Doch die nette Frau hat Besuch von sehenden Freundinnen (Monique Reuter, Christiane Rauchs, Denise Ruppert). Wenn man akzeptiert, dass jemand nackt durch ein Appartementhaus marschiert, um einen Müllbeutel zu entsorgen, kann man hier lachen. Ansonsten ist es lediglich ein handwerklich gut gemachter Film.

„La Misère“

… ist der erste Animationsfilm, den Red Lion produzierte. Die Regisseure Thierry Guitard und Philip Krieps erzählen wie Marcus (Stimme von François Baldassare) seine Frau Alice (Melyssa Michel) an den reichen und arroganten Fabrikbesitzer Richard (Serge Wolf) verliert.

Er wird von der Armseligkeit (Marie-Anne Lorgé) heimgesucht, die ihn an den Abgrund der Menschlichkeit treibt. Er kann sie aber begraben und wird berühmt. „La Misère“ ist ein extrem originelles Filmchen mit einem überraschenden Schluss - der beste Film des Abends.

„Livrées à leurs sens“

… wurde von „Arts Vivants asbl“ produziert und von Jules Fischer inszeniert. Alma (Dominique Pattuelli) und Sam (Cecilia Guichart) leben zusammen. Sam will ihre Freundin unbedingt vor einem Altar heiraten, was Alma ablehnt. Sam sucht nun nach Argumenten für eine kirchliche Hochzeit. Von der Idee her, ist dieser Film nicht uninteressant. Warum der Regisseur oft mit unscharfen Bildern die Geschichte voran treibt, ist unersichtlich, da er die Atmosphäre damit zerstört.