LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Mann muss sich wegen Mordes an seiner Frau vor Gericht verantworten

Vor dem Bezirksgericht Luxemburg hat ein Prozess begonnen, in dem sich ein 58-jähriger Mann, Jamek M., wegen Mordes an seiner Frau verantworten muss. Der Mann ist laut Staatsanwaltschaft bereits wegen einer Messerstecherei vorbestraft. Dem Angeklagten wird außerdem illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.

Bei einem gemeinsamen Treffen am 7. Januar 2015 in Esch/Alzette spitzte sich der Streit zwischen den Ehepartnern zu. Ein Streit, der schon Jahre lang andauerte. Der Mann war der Meinung, dass seine Frau fremdgehen würde. Er titulierte seine Frau als „Hure“, fühlte sich selbst schlecht behandelt. Zwischen den beiden war es immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen. Von der Polizei wurde er bereits Ausgang 2014 der Wohnung verwiesen. Die Familie bezeichnete ihn als possessiv und eifersüchtig.

Frau reichte die Scheidung ein

Der mutmaßliche Täter konnte seiner Frau nicht verzeihen, dass sie die Scheidung eingereicht hatte. Laut Staatsanwaltschaft hatte er ihr am Tag der Tat aufgelauert. Sein Neffe hatte ihn gesehen, als er nach der Tat aus dem Haus kam. Er hatte dem Neffen zugerufen: „Da hinten liegt Deine Tante.“

Die Frau wurde im Hinterhof des Hauses gefunden: Mit vier Kopfschüssen. Neben dem leblosen Körper lagen sechs leere Patronenhülsen. Die Tatwaffe stammt aus der ehemaligen Tschechoslowakei und wurde 1978 dort hergestellt.

M. schoss laut Staatsanwaltschaft am Tattag mindestens sechs Mal auf das Opfer. Lange versuchten die Ermittler, herauszufinden, was das Ziel des Treffens wirklich war. Doch bei seiner Vernehmung hatte der Mann zu Protokoll gegeben, dass er sich an nichts erinnern könnte. Erinnern konnte er sich nur, dass ihm Geld und Schmuck abhandengekommen war.

Der Mann war nach dem Mord geflüchtet. Noch am selben Abend wurde er am Bahnhof in Esch/Alzette festgenommen. Bei seiner Festnahme hielt er sich die Waffe gegen den Kopf und drohte, sich zu erschießen. Als eine Spezialeinheit anrückte und der Neffe ihm lange zugeredet hatte, legte er seine Waffe nieder.

Bei der Hausdurchsuchung wurden verschiedene Papiere und Kontoauszügen beschlagnahmt. Der Mann hatte einmal 85.000 und einmal 20.000 Euro nach Montenegro überwiesen. Aus Briefen, die beschlagnahmt wurden, konnte festgestellt werden, dass der mutmaßliche Täter seiner Frau gedroht hatte. Aus einem Brief zitierte der Polizist am Mittwoch: „Hör mir zu, Hure, ich schwöre bei Gott, dass ich dich zerstückeln werde.“

Angeklagter ist schuldfähig

Am Kontaktschlüssel seines Wagens fand die Polizei einen Schlüssel, mit dem man das Gitter zum Hinterhof aufschließen konnte. In seinem Auto wurden Kabelbinder, ein Paar Handschuhe, ein Klappmesser und ein Küchenmesser beschlagnahmt.

Laut psychiatrischer Gutachterin soll der Angeklagte zur Tatzeit zurechnungsfähig gewesen sein. Trotz massiver Einwände des Verteidigers hielt die psychiatrische Sachverständige weiter an der Schuldfähigkeit des Angeklagten fest. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.