LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Erneute Verfilmung von Louisa May Alcotts Roman „Little Women“

Im Jahr 1868 schrieb die amerikanische Schriftstellerin Louisa May Alcott den Roman „Little Women“. Ein zweiter Teil, „Good Wives“, erschien ein Jahr später. In der Geschichte verarbeitete sie viel Autobiografisches aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Bereits 1918 entstand ein Stummfilm von Harley Knoles nach dem Roman „Little Women“. Die bekanntesten Kinoadaptionen stammen von George Cukor (1933) mit Katharine Hepburn, von Mervyn LeRoy (1949) mit Elizabeth Taylor, und von Gillian Armstrong (1994) mit Winona Ryder. Nun adaptierte Greta Gerwig („Lady Bird“) die Geschichte neu. Der Film gewann einen Oscar in der Kategorie beste Kostüme (Jacqueline Durran).

Talentierte Schwestern

Jo March (Saoirse Ronan) verdient sich ihren knappen Lebensunterhalt als Lehrerin in New York. Sie ist eine talentierte Schriftstellerin und kann sogar eine Geschichte an einen Verleger verkaufen. Immer wieder erinnert sie sich an die Vergangenheit, in der ihre Mutter (Laura Dern), die Marmee genannt wird, es nicht leicht hat, ihre Töchter zu ernähren, da der Vater (Bob Odenkirk) im Krieg ist. Amy (Florence Pugh) ist eine begabte Malerin, Meg (Emma Watson) ist an der Schauspielerei interessiert, und Beth (Eliza Scanlen) liebt die Musik. Gegenüber wohnt der reiche, aber extrem gütige Mister Laurence (Chris Cooper) mit seinem Enkel Laurie (Timothée Chalamet), der ein Auge auf Meg geworfen hat. Die Rückblenden wechseln andauernd hin und her, und der Zuschauer kann schon verwirrt werden, da außer eines ersten Schriftzugs „7 Jahre früher“ nichts mehr, abgesehen von den etwas bräunlichen Tönen im Bild, auf die jeweilige Zeitepoche hinweist.

Jedenfalls lernt Jo in New York den angehenden Professor Friedrich Bhaer (Louis Garrel) kennen. Da dieser jedoch ihre Geschichten nicht gut findet, kehrt sie ihm den Rücken zu, obwohl sich auch andere Gefühle aufgebaut haben. Der Hauptstrang des Films dreht sich um Jos Rückkehr nach Hause, als Beth schwer krank ist. Auch hier vermischen sich die Rückblenden mit der Gegenwart.

Emotion auf Kosten der Zeitsprünge

Kamerachef Yorick Le Saux fängt stets schöne Bilder ein, zu denen Alexandre Desplat eine passende Musik komponierte, und doch packt der Film nicht wirklich. Hat man sich auf eine der vier Töchter fokussiert, dann wechselt wieder die Szenerie, sodass man sich nie vollends mit einer Figur auseinandersetzen kann. Immer wieder werden etwas gefühlvollere Momente durch das Hin und Her in der Zeit gebrochen.

Die jungen Schauspielerinnen können gefallen. Saoirse Ronan spielte bereits in Gerwigs „Lady Bird“, Emma Watson ist Hermione in der „Harry-Potter-Filmreihe, Florence Pugh war kürzlich in „Midsommar“ zu sehen, Eliza Scanlen spielt ihre erste Kinorolle, und man kann sie bald in „Babyteeth“ sehen, ein Film, der beim LuxFilmFest programmiert ist. Laura Dern gewann am Montag einen Oscar als beste Nebendarstellerin in „Marriage Story“. Meryl Streep spielt die Rolle der reichen Tante March. Somit ist „Little Women“ nicht der große Wurf geworden, sondern ein Film, den man sich allenfalls ansehen kann.