LUXEMBURG
PATRICK WELTER/DPA

Die Afrikanische Schweinepest hat Luxemburg noch nicht erreicht - Dank der belgischen N81

Man mag es kaum glauben, aber ausnahmsweise hat die Zerschneidung der Landschaft durch breite Verkehrsachsen auch einmal ihr Gutes für die -luxemburgische - Tierwelt. Einer der wichtigsten Faktoren, dass sich die im Süden Belgiens, genauer gesagt in den Wäldern südwestlich von Arlon, rund um den Truppenübungsplatz Lagland ausgebrochene Afrikanische Schweinepest nicht nach Osten und damit nach Luxemburg ausbreitet, ist eine Straße. Zwischen Arlon und Aubange ist die N81 vierspurig ausgebaut und viel befahren und bildet so eine Sperre gegen eine Wildschweinwanderung in Richtung Luxemburg. Teilweise wurden dort auch auf kürzeren Strecken elektrische Sperrzäune errichtet. Elektrozäune über größere Distanzen ziehen sich entlang der belgisch-französischen Grenze und westlich des Befallgebietes der Afrikanischen Schweinepest innerhalb Belgiens. In dieser Ecke des Nachbarlandes wurden bisher 380 an Afrikanischer Schweinepest eingegangene Tiere gefunden.

Einhundert negative Proben

Nach Auskunft von Dr. Felix Wildschütz, Direktor der Veterinärverwaltung, wurden seit September 2018 im Rahmen eines „passiven Monitorings“ rund einhundert Wildschweinkadaver in Luxemburg untersucht, die nicht erlegt, sondern durch natürliche Ursachen oder einen Unfall starben. Die toten Schweine und ihre Lage werden von den Findern, oft Jäger aber auch Wanderer, über eine Hotline an die Umwelt- und Naturverwaltung gemeldet. Angesichts der drohenden Gefahr für den heimischen Schweinebestand sei die Bereitschaft zur Mitarbeit groß. Die Kadaver oder Teile werden zur Untersuchung ins veterinärmedizinische Labor gebracht. Alle Befunde waren bisher negativ. „Bis jetzt befinden wir uns in der präventiven Phase,“ meinte Dr. Wildschütz.

Wenig Schweinezuchtbetriebe im Süden

Nach dem Ausbruch der Standardvariante der Schweinepest in den Jahren 2000/2001 ist die Zahl der Schweinezucht- oder Schweineaufzuchtbetriebe zurückgegangen. Insbesondere kleine Höfe haben nach Information der Veterinärverwaltung aufgegeben. Im Süden Luxemburgs, dem direkt von einer Einschleppung aus Westen bedrohten Gebiet, gibt es noch rund 20 Schweinezüchter, darunter zwei Großbetriebe. Insgesamt wird es in Luxemburg rund 80.000 bis 90.000 Schweine geben.

Dr. Wildschütz wies noch einmal darauf hin, dass auch der Virus, der die Afrikanische Schweinepest auslöst, für den Menschen völlig ungefährlich ist, ebenso wie der Verzehr von Fleisch eines befallenen Tieres. Das Problematische an diesem Virus ist, dass keine Tier-zu-Tier Übertragung notwendig ist. Der sehr stabile Virus kann auch in Essensresten überleben und das für Monate. So können sich Wildschweine, die an Rastplätzen Mülleimer plündern, mit der Schweinepest anstecken.

Rheinland-Pfalz zahlt Prämien für Kadaver

Im Nachbarland Rheinland-Pfalz geht man im Kampf gegen die Afrikanischen Schweinepest einen ganz ähnlichen Weg. Dort werden für einen Kadaverfund sogenannte „Fallwild“-Prämien gezahlt. Jäger erhalten seit dem Frühjahr 2018 50 Euro, wenn sie von tot aufgefundenen Wildschweinen, die nicht geschossen oder bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, Proben nehmen und diese auf Afrikanischen Schweinepest untersuchen lassen. Bislang wurden 122 Fallwild-Prämien gezahlt. Allerdings beantragten nicht alle Jäger die Prämie. Zudem schickten auch Kreisverwaltungen und Forstämter Proben ein. In Rheinland-Pfalz wurden im vergangenen Jahr mehr als 720 Wildschweine negativ auf die Afrikanische Schweinepest getestet - bei 232 Tieren handelte es sich um Fallwild.