DÜDELINGEN
CLAUDE MÜLLER

Vier Spitzenmusiker: Das „Reggie Washington 4tet“ spielte in Düdelingen

Die Vorfreude war groß. Erstens hatten wir die All-Star-Band um den Bassisten Reggie Washington schon im Mai letzten Jahres beim Düdelinger Festival „Like A Jazz Machine“ gehört, zweitens waren die Kritiken in der Fachpresse mehr als stimulierend und drittens wusste man, dass das Quartett, dessen Auftrittsdauer beim Festival auf ein Minimum beschränkt war, diesmal ein komplettes Release der neuen CD „Vintage New Acoustic“ präsentieren würde.

Unter dem Impuls von Danielle Igniti

Ein weiterer Garant für ein perfektes internationales Erfolgserlebnis war, dass die Musiker am Vortag im berühmten Pariser „New Morning“ engagiert waren. Aber das Beste kommt noch. Die All-Star-Band wurde letztes Jahr mithilfe der Kulturexpertin der Düdelinger Gemeinde Danielle Igniti zusammengestellt, wo sie erstmals in dieser Konstellation auftrat, anschließend, des überragenden Erfolgs wegen, diese Produktion einspielte und momentan das fulminante Resultat auf einer kurzen Europatournee präsentiert.

Stilistisch reiche Erfahrungen

Nicht nur Leader Reggie Washington blickt auf eine bewegte, stilistisch reich bestückte Karriere zurück, sämtliche Mitmusiker haben Erfahrungen sowohl in den Bereichen Modern, Latin und Rock Jazz, Soul, Gospel, Fusion, Funk oder Blues aufzuweisen. Es gibt fast kein Gebiet, in dem die vier Spitzenmusiker nicht schon aktiv waren. So ist es nicht verwunderlich dass die Band stellenweise nach einer aktuellen Version der legendären Fusionband „Weather Report“ klang, und dies nicht nur wegen der adäquat eingesetzten elektronischen Klangzaubereien des exzellenten Keyboarders Bobby Sparks, der allerdings am akustischen Grand Piano seine schönsten improvisatorischen Einfälle formulierte. Auch der Ausnahmesaxofonist Fabrice Alleman beeindruckte durch seine dynamischen Improvisationen - besonders seine Tenorsax/Drumsbattle à la Sonny Rollins war Weltklasse - und seinen fantastischen Sound.

Kaum vorstellbar, dass dieser Weltklassesaxofonist noch vor wenigen Jahren bei den sommerlichen Promenadenkonzerten auf der „Place d’Armes“ mit einer regionalen Jazzband auftrat.

Motto „Vintage New Acoustic“

Ihrem Motto „Vintage New Acoustic“ getreu hatte die vierköpfige Crew nicht nur Kompositionen von Pionieren wie Wayne Shorter oder Herbie Hancock im Gepäck, auch zahlreiche musikalische Zitate waren in den virtuosen Improvisationen der Solisten eingebaut, dies alles in einer selbstverständlichen und ungezwungenen Art und Weise, wie es fast schon in Vergessenheit geraten ist. Ein weiteres Faktum des noch neuen Konzepts der Band war die äquivalente Mixtur der beiden Facetten des Modern Jazz, nämlich die akustische und elektrische, die die Solisten perfekt, ohne Kopieren, unbeschwert und inspiriert auskosteten.

Höhepunkte des einzigartigen Konzerts waren neben einer wunderbaren Huldigung an den kürzlich verstorbenen Trompeter Roy Hargrove, eine intensiv konstruierte Ballade des Schlagzeugers E.J. Strickland sowie ein fesselndes Arrangement von Hancocks Evergreen „Chamaleon“, („die Musik, mit der ich aufgewachsen bin“/Zitat Washington).

Noch immer ein hochaktuelle Musik, die mit ihrem diskreten Charme, ihrer überzeugenden Spontaneität und den unerschöpflichen Perspektiven für ein zeitloses, resistentes Statement sowohl in der Jazzbranche wie auf dem Gebiet der gesamten U- und E-Musik, gewährleistet. Schon allein die Tatsache, heute den Mut aufzubringen, eine authentische, urige Ära ohne die sophistische, vermeintlich obligatorische Einbeziehung modischer Trends wieder aufleben zu lassen, lohnte den Besuch dieser auserlesenen Veranstaltung.

Ein letztes herzliches Dankeschön an Impresario Danielle Igniti, die mit diesem memorablen Konzert ihre fruchtbare Karriere als Organisatorin mannigfaltiger Kulturevents in Düdelingen beendete, mit besten Wünschen für ein weiterhin als Genussmensch der schönen Künste geprägtes Leben.