BETTEMBURG
CLAUDE KARGER

„Space Time“ vermag Bauten Schicht für Schicht zu digitalisieren

Schicht per Schicht der Mauer mit Fenstertür, die im Atrium des „Neobuild Innovation Living Lab“ in Bettemburg aufgebaut wurde, vermag Shahriar Agaajani auseinander zu nehmen. Auf einem Bildschirm sehen die Zuschauer, was sich unter dem Putz verbirgt, erkennen, dass an Stellen nicht ganz so sauber gearbeitet wurde, dass ein Kabelkanal eine Kurve macht, wo er eigentlich gerade verlaufen sollte und dass sich das vermeintlich gerade Stück Terrasse an dem Modell unter den Bohlen neigt.

„Space Time“ heißt das Produkt, das gestern bei Neobuild - dem Innovationszentrum für den Bausektor - vor zahlreichen gespannten Zuschauern aus der Branche vorgestellt wurde.

Präzise scannen

Die Idee: Ein Bauprojekt mithilfe von Laserscannern und hochauflösenden Fotos in verschiedenen Phasen genau zu dokumentieren, so dass der Bauverlauf später genau nachverfolgt werden kann. Und man auch das sieht, was vielleicht nicht so sauber ausgeführt wurde, wie auf den Plänen und zu Problemen führen kann. „Es geht vor allem darum zu wissen, wo wirklich was ist hinter den Mauern und hinter dem Putz“, sagt der Bauingenieur Shahriar Agaajani, der das Verfahren mit seiner Firma SpaceTime S.A.  entwickelt hat.

Wichtige Informationen also für Abänderungen oder Renovierungen etwa, die man nicht unbedingt auf Plänen wiederfindet. Und die verloren gehen, wenn Mitarbeiter, welche die Baustelle beaufsichtigt haben, die Firma verlassen.

Agaajani, der bereits einige Innovationen im Bauwesen entwickelt hat - Betonblöcke etwa, die ohne Mörtel zusammen gefügt werden können - streitet nicht ab, dass „Space Time“ aufwändig und somit teuer sein kann. Auf die Frage eines Gasts, ob sich das Invest also wirklich lohne, entgegnet er hingegen mit einem deutlichen „Ja“. Die Kosten riskierten nämlich viel höher zu sein, wenn man Mauern öffnen müsse, um zu schauen, was dahinter steckt um Probleme zu lösen. Der Ingenieur führt auch wesentliche Zeit- und Transportkostengewinne auf, wenn man vom Büro oder sonstwo aus jederzeit Zugriff auf die Daten einer Baustelle in Luxemburg oder woanders in der Welt hat. Für Agaajani müsste „Space Time“ sogar zu einem Standardverfahren werden und die Verwender mit einem Label ausgezeichnet werden. Auf jeden Fall schlägt „Space Time“ eine interessante Brücke zwischen dem Bauwesen - der immer mehr durch das „Building Information Modeling“ (BIM) - geprägt wird und der virtuellen Realität. „Space Time“, das in unterschiedlich datenintensiven Anwendungen eingesetzt werden kann, ist jedenfalls vielversprechend.

Mehr Infos: www.spacetime.lu