LUXEMBURG
JEFF KARIER

„Benoît Martiny Band & The Grand Cosmic Journey“ bieten mit „Moons of Uranus“ ein einmaliges Spektakel

Ob Jazz, Metal, Soul oder afrikanische Klänge: Benoît Martiny hat sich im Laufe seiner Karriere mit vielen Genres beschäftigt. Mit seiner Benoît Martiny Band vereint er seit 15 Jahren Jazz und Rock. World Music entdeckte er während seines Musikstudiums in Rotterdam. Und als Schlagzeuger der luxemburgischen Hip Hop-Formation „De Läb“ sorgt er für mitreißende Beats und Rhythmen. Er ist somit ein Mann vieler Welten.

All diese und noch viele andere werden dann auch Teil des anstehenden Projekts des luxemburgischen Perkussionisten sein. Denn am 2. März findet im „Espace Découverte“ der Philharmonie das besondere Konzert „Moons of Uranus“ von der „Benoît Martiny Band & The Grand Cosmic Journey“ statt. „Ich hatte mit Serge Schonckert, der sich bei der Philharmonie um ‚Fräiraim‘ bekümmert, vor Jahren über ein mögliches Projekt gesprochen. Das habe ich dann so bisschen vergessen. Dann bekam ich Anfang letzten Jahres einen Anruf von ihm, ob wir das nun angehen könnten“, erinnert sich Martiny. Er machte sich daraufhin ans Schreiben und holte einige begnadete Musiker mit ins Boot, mit denen er bereits vor rund fünf Jahren zusammengearbeitet hat.

Exklusive Kompositionen

Denn es ist nicht das erste Mal, dass Martiny ein solches Projekt für einen einzigen Abend auf die Beine stellt. 2014 hatte er Danielle Igniti, damalige Leiterin des Kulturzentrums „opderschmelz“, gefragt, ob er auf dem „Like A Jazz Machine“-Festival spielen könnte. „Sie meinte, dass mein damaliges Programm für ein Jazzfestival etwas zu rocklastig sei. Daraufhin schlug ich vor, ein exklusives Projekt speziell für das Festival zu schreiben, das wieder mehr Jazz ist“, erklärt Martiny. Er habe dann Jazzklarinettist Michel Pilz, Saxophonist Roby Glod und seinen Freund aus Studienzeiten, den Keyboarder Leon den Engelsen mit dazu geholt.

„Michel ist sozusagen eine europäische Jazzlegende. Ich hatte ihn lange vorher bereits auf dem Radar und hatten auch 2007 einen gemeinsamen Auftritt.“ Der Jazzklarinetten-Sound von Pilz habe ihn nicht mehr losgelassen, weshalb er 2015 auch im „Gudde Wëllen“ mit dem heute 73-Jährigen ein Konzert spielte, was auch als gleichnamiges Album erschien. Dass Martiny Glod für das Projekt gewinnen konnte, freute ihn sehr. „Wie er spielt sonst keiner auf der ganzen Welt.“ Und auch Leon den Engelsen war ein echter Gewinn für das Projekt. Dieser arbeitet aktuell mit der niederländisch-iranischen Sängerin Sevdaliza zusammen und ist recht erfolgreich unterwegs.

Teil des Projekts war eine Residenz im Kulturzentrum, während der die Band mehrere Tage die „The Grand Cosmic Journey“ getaufte Komposition proben konnte. Gemeinsam schufen sie fantastische Musik. Bereits damals erzeugten sie mystische und traumhafte Klangwelten, in denen sich zahlreiche Einflüsse und Stile wiederfanden. Das Ganze wurde nicht nur aufgenommen und 2016 als CD veröffentlicht, sondern auch gefilmt.

Fortführung einer Idee

Mit „Moons of Uranus“ macht Martiny dort weiter, wo die Band 2014 mit „The Grand Cosmic Journey“ aufgehört hatte. Auch bei diesem Projekt wird es eine Residenz geben, das Konzert wird aufgenommen und später veröffentlicht. „Dass wir im ‚Espace Découverte‘ auftreten, kommt uns sehr entgegen. Es ist der beste Saal der Philharmonie für verstärkte Musik und eignet sich auch für Videoprojektionen ausgesprochen gut.“ Denn Teil von „Moons of Uranus“ sind auch die VJs Laurent Cordier und Rémi Corsin. Diese werden die virtuose und abwechslungsreiche Musik zusätzlich unterstreichen.

Wie Martiny erklärt, wird es begleitend zum Konzert auch eine Broschüre geben, die in verschiedene Kapitel unterteilt ist. „Durch die Broschüre soll das Publikum die musikalische Reise durchs All besser verstehen können und somit mehr involviert werden.“ Diese Reise führt Musiker und Publikum zum Uranus mit seinen 27 Monden, die allesamt nach Shakespeare-Charakteren benannt sind. Hinzu kommt laut Martiny, dass der Uranus in der Astrologie der Planet des Wandels und der Revolution ist. Passend zu unserer aktuellen Zeit, meint der Perkussionist. „Außerdem steckt das Wort Anus im Namen“, meint Martiny mit einem lauten Lachen. Für ihn ist Humor in der Musik wichtig und er findet sich auch bei Größen wie Frank Zappa wieder.

Meister ihres Fachs

Zu insgesamt elf Musikern wird „Benoît Martiny Band & The Grand Cosmic Journey“ auf der Bühne der Philharmonie stehen. Neben den bereits erwähnten Musikern zählen noch Jasper van Damme (Alto Saxophone), Joao Driessen (Tenor Saxophone), Frank Jonas (Gitarre), Renata van der Vyver (Bratsche), Steve Kaspar (Electronic Soundfields) und der Japaner Itaru Oki auf der Trompete, Flöte und dem Flügelhorn. Letzterer ist mit 77 Jahren eine lebende Legende und zählt zur ersten Generation des japanischen Free Jazz. Hinzu kommt noch der Opernsänger Jean Bermes, der durch seinen klassischen Hintergrund weitere Farben hinzufügen wird. „Sowie eine gute Portion Humor“, meint Martiny. So lerne Bermes aktuell Klingonisch, die Sprache der Klingonen aus Star Trek. „Allerdings ist es nicht so einfach in dieser Sprache zu singen. Vielleicht wird er einige Passagen in der Sprache rezitieren oder ähnliches“, überlegt der Musiker. Das alles verspricht ein einmaliges und äußert kreatives Musikerlebnis zu werden.

Tickets kosten 30 Euro, bis 27 Jahre kostet der Eintritt nur 18 Euro. Sie können unter philharmonie.lu bestellt werden. Weitere Informationen zur Benoît Martiny Band finden Sie unter www.benoitmartinyband.com

BENOÎT MARTINY BAND

Vision aus Jazz und Rock

Die Benoit Marty Band als solche gibt es bereits seit 15 Jahren und setzte sich aus Musikern zusammen, mit denen Martiny bereits oft und zum Teil in anderen Formationen gespielt hat. „Ich hatte immer schon die Idee eigene Musik zu schreiben, in der ich Jazz und Rock mische“, erklärt Martiny. Das sei an sich nichts Neues, dennoch wollte er seine Vision solcher Musik eines Tages umsetzten. Auslöser für die Gründung der Band, war, dass Gast Waltzing sein eigenes Label gründet und Martiny dazu ermutigt hatte ein Album aufzunehmen. Bedingung war, dass Martiny alleine die Stücke schreiben sollte. „Eine Herausforderung.“ Denn Martiny hatte im Komponieren von Stücken damals noch wenig Erfahrung.
Zur Band stießen Gitarrist Jerome Holl, die Saxophonisten Maxime Bender und Roby Glod sowie der Bassist Sandor Kem hinzu. Letzterer ist der einzige, der auch heute noch Teil der Band ist. Am Ende stand das Album „Jazz goes garage“. Seither hat die Band vier weitere Alben sowie „The Grand Cosmic Journey“ veröffentlicht.