LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Die Realität in Sachen Gesundheit sieht anders aus als das eigene Empfinden

Voltaire würde seinen „Malade Imaginaire“ vergebens in Luxemburg suchen. Vielmehr macht sich diesseits der Grenzen das Phänomen des „eingebildeten Gesunden“ bemerkbar. Eine TNS Ilres-Studie im Auftrag von „AXA Luxembourg“ hat gezeigt, dass der Großteil der Luxemburger seinen Gesundheitszustand als „gut“ bis „sehr gut“ einschätzt. Die Realität jedoch sieht anders aus: Nur 30% leben tatsächlich richtig gesund.

Andere Herangehensweise

Insgesamt 810 Einwohner zwischen 18 und 65 Jahren wurden befragt. Die Herangehensweise war diesmal eine andere: Es wurden keine medizinischen Tests durchgeführt, sondern nur berücksichtigt, wie die Befragten leben. 86% von ihnen sprachen von einer „guten“ bis „sehr guten“ eigenen Gesundheit. Gemessen an objektiven Kriterien wurde aber ein ganz anderes Resultat deutlich: Die eigene Wahrnehmung entspricht nur bedingt der Wirklichkeit. Nathalie Hanck, Leiterin der Abteilung für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bei AXA Luxembourg, sprach von einem „décalage flagrant“. Gemessen an ihrem täglichen Verhalten lebt nicht einmal ein Drittel der Luxemburger tatsächlich gesund. Der Gesundheitszustand vieler sei alarmierend, ihre Lebensgewohnheiten bedenklich, ohne dass sie sich dessen bewusst seien, so Nathalie Hanck. Bei 8% lautete das Fazit am Ende: Schlechte Gesundheit. 49% von ihnen waren davon ausgegangen, bei guter Gesundheit zu sein.

Männer haben Übergewicht, Frauen Schlafstörungen

Um den tatsächlichen Gesundheitszustand zu ermitteln und dem gefühlten gegenüberzustellen, wurden folgende „indicateurs de forme“ berücksichtigt: Gewicht (Body-Mass-Index), Schlafgewohnheiten, Maß an Stress, Depressionslevel sowie schlimme oder chronische Krankheit. Derweil die Alterskategorie 18 bis 34 Jahre mit Schlafstörungen zu kämpfen hat, machen sich bei den 35- bis 44-Jährigen besonders Gewichtsprobleme deutlich. Weniger als einer von zwei Einwohnern ist normalgewichtig. Der Gesundheitszustand der Männer ist insgesamt als besser einzustufen, als der der Frauen. 34% der Männer sind bei guter Gesundheit (28% der Frauen). Demgegenüber stehen 44% Frauen, die sich ernste Sorgen um ihren Gesundheitszustand machen müssen (35% Männer). Männer sind häufiger übergewichtig (34% gegen 29%), dafür sind Frauen aber öfter Stress ausgesetzt (32% gegen 21% bei den Männern), häufiger von Depressionen betroffen (32% gegen 19%) und haben zudem oftmals mit Schlafproblemen zu kämpfen (42% gegen 27%).

Überhöhtes Stressempfinden

Auffallend ist, dass nahezu die Hälfte der Befragten angab, erhöhtem Stress im täglichen Leben ausgesetzt zu sein. Tatsächlich ist dies laut bestimmten Messkriterien („échelle de Cungi“, anerkannte Norm) aber nur bei 27% der Fall.

Allgemein ist der Informationsstand in Sachen Prävention sehr gut, Nachholbedarf besteht dennoch in einigen Bereichen: Stressbewältigung, Verbesserung der Schlafqualität und Ernährung. 74% waren beispielsweise der Ansicht, sie würden sich ausgewogen ernähren, bei 60% ist aber genau dies nicht der Fall. Nur 30% machen in diesem Punkt alles richtig. Besorgniserregend ist der Alkoholkonsum vieler Einwohner Luxemburgs: Bei 47% der Befragten besteht das Risiko einer Gesundheitsgefährdung durch Alkohol (deutlich mehr Männer als Frauen). Bei 19% geht sogar die Rede von einer Abhängigkeit.

Lebensgewohnheiten ändern

Der Großteil der Befragten sorgt sich übrigens um seinen gesundheitlichen Zustand und weiß, wie ein gesundes Leben aussieht, allerdings hapert es bei der Umsetzung. Immerhin 60% haben ihre Lebensgewohnheiten im vergangenen Jahr ihrer Gesundheit wegen geändert, sich gesünder ernährt und mehr bewegt. 15% verfielen jedoch aus finanziellen Gründen wieder in ihre alten Verhaltensmuster. Die Schlüsse, die aus dieser Umfrage zu ziehen sind, sollen letztlich als Basis für kommenden Aktionspläne dienen.