PATRICK WELTER

Da kommt der Tag, an dem man selbst als eingefleischter Republikaner-Skeptiker ausgerechnet George W. Bush loben muss. Der Mann, den wir lange für die Ausgeburt der Ignoranz im Oval-Office gehalten haben, hat zwar den ein oder anderen Krieg angefangen, aber weder versucht, die politische Ordnung Amerikas aus den Angeln zu heben, noch sinnlose Mauern zu bauen. Selbst sein persönlicher Mephisto Dick Cheney wusste, was eine Verfassung ist. Es ist kaum zu glauben, dass man jetzt so wohlwollende Kommentare schreiben muss. Die beiden waren in ihrer Regierungszeit wirklich Düsterlinge, aber sie waren „normale“ Hardcore-Republikaner. Ihre Politik nervte, aber so, wie es eben in einer Demokratie üblich ist. Sie machten ihre Fehler innerhalb des politischen Spektrums - nicht rechts außen ohne Netz und Sicherungsseil. George W. Bush hat in seiner Zeit als Präsident jede Menge Prügel von den Medien bekommen. Hat er sie jemals aus dem Weißen Haus vertrieben? Nie. Hat er sie als Volksfeinde abgekanzelt? Nie. Hinter den geschlossenen Türen des Oval Office wird er mehr als einmal getobt haben. Sein gutes Recht.

Wer die Presse wie Trump als „Volksfeind“ bezeichnet, stellt sich auf eine Stufe mit Josef Goebbels, daher auch Bushs harte Worte gegen den „Parteifreund“ Trump. Übel ist nur, dass die Trump’sche Sprache im „Heartland“ ankommt.

Dass sich ausgerechnet ein republikanischer Ex-Präsident genötigt sieht, die Medien und vor allem die Pressefreiheit vor einem republikanischen Präsidenten in Schutz zu nehmen und diesen dazu anhält, die verfassungsmäßigen Rechte der Presse zu achten, wirft ein sehr düsteres Bild auf die Zustände im Weißen Haus. Ausgerechnet zwei Antipoden der GOP, Bush junior und John McCain, sind die einzigen, die sich aus der Deckung trauen, um Narziss und Goldhaar die Meinung zu sagen. Donald T. muss dringend in die Verfassung schauen. Die Pressefreiheit gehört zu deren höchsten Gütern. Sie muss unantastbar bleiben. Trump mag CNN und New York Times zum Kotzen finden und wir die braune Soße von Breitbart und Fox-News . So sind die Regeln.

Leider ist Donald nicht allein. Da sind Max und Moritz in Budapest und Warschau, die heimlich „Ritze-Ratze“ an der Meinungs- und Pressefreiheit sägen und sich dabei für die Retter des Abendlandes halten. So sehr ich das Land Polen mag, Asselborn hat Recht wenn er feststellt, dass das Land unter Kasczynski nicht europafähig ist - mag der polnische Botschafter noch so toben. Auch das Ungarn Viktor Orbans kann nur noch als schlechtes Beispiel dienen.

Ich sollte jetzt auch noch etwas zu Deniz Yücel schreiben. Es fällt schwer, weil es in der Türkei noch viel schlimmer gekommen ist als erwartet. Der Führerstaat 2.0 lebt. Ausgerechnet der Korrespondent einer bekennend konservativen deutschen Zeitung, der WELT, wird in Ankara wegen Unterstützung des Terrorismus auf Jahre in der Haft verschwinden. Eigentlich zum Totlachen, aber Recep der Große ist völlig humorlos. Dass in Europa die Zeitungen von sozialistisch über liberal bis konservativ gemeinsam für die Freiheit von Deniz Yücel trommeln und damit für den wichtigsten Aspekt der Demokratie, die Meinungs- und Pressefreiheit, ist dem Machthaber in Ankara leider sch...egal.