LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Großauftrag von internationaler Reederei - Apateq sucht dringend Mitarbeiter

In der großen Halle von Apateq stehen 80 große und 20 kleinere Edelstahlrahmen und Tanks, aus denen mal Anlagen zur Behandlung von Wasser, dass in Rauchgaswaschanlagen entsteht, werden. Techniker, Ingenieure und Schweißer sind hier im Einsatz. Im Verwaltungstrakt nebenan streicht Dirk Martin sich eine Strähne aus der Stirn und seufzt. Dabei geht es dem kleinen Unternehmen, das sich auf Wasserreinigung spezialisiert hat, gut. Im Moment sogar so, dass es schon stressig ist. „Es vergeht keine Woche ohne Anfrage, kein Monat ohne Auftrag“, sagt Martin. Er ist Vertriebs-Chef bei Apateq und immer im Kontakt mit den Kunden.

Dass im Moment hundert Anlagen zur Rauchgaswäsche gebaut werden, hat seinen Grund im internationalen Recht. Die „International Maritime Organization“ (IMO), eine spezialisierte Agentur der Vereinten Nationen für die Sicherheit von Schiffen und den Erhalt und Umweltschutz der Meere, hat entschieden, das bis zum ersten Januar 2020 alle Schiffe weltweit entweder eine Rauchgaswäsche vornehmen müssen oder Treibstoff mit weniger Schwefel verwenden müssen. „Viele Schiffsbetreiber hatten nicht damit gerechnet, dass der Termin wirklich eingehalten werden muss und wollen jetzt schnell nachrüsten“, sagt Martin. Die Rauchgaswäsche wird notwendig, weil die meisten Schiffe mit Schweröl fahren. Das ist ein Abfallprodukt der Raffinerien, das bis zu 3,5 Prozent Schwefel erhält. „Die neue Direktive sieht vor, dass nur Treibstoffe mit 0,5 Prozent Schwefel verbrannt werden dürfen. In Gewässern wie der Ostsee oder Nordsee oder entlang der US-Küsten sind es sogar nur 0,1 Prozent“, erklärt Martin. Doch Treibstoffe mit weniger Schwefel sind rund 50 bis 60 Prozent teurer als Schweröl. Die erhöhte Nachfrage am Markt treibt den Preis noch weiter an. Jetzt sind die Schiffseigner unter Druck: Entweder teurerer Treibstoff oder eine Rauchgaswaschanlage.

„Rauchgaswaschanlagen haben sich meistens innerhalb eines Jahres amortisiert“, rechnet Apateq-CEO Bogdan Serban vor. Ein Scrubber, wie die Rauchwäscher heißen, kostet je nach Leistungsstärke drei bis fünf Millionen Dollar. Darin steckt die Apateq-Technologie, die nur einen Teil dieser Summe ausmacht. Die „Mediterranean Shipping Company“ (MSC) mit Sitz in der Schweiz, der zweitgrößte Schiffsbetreiber für Containerschiffe weltweit nach Mærsk, ist mit ihrer Tochter MSC Crociere S.A. (international MSC Cruises, Sitz in Neapel) auch im Kreuzfahrtgeschäft aktiv. Unter ihrer Flagge fahren über 500 Schiffe, davon über 190 eigene. MSC hat deshalb mehrere Anlagen über deren Scrubberhersteller bei der Luxemburger Apateq bestellt. „Dabei waren unser guter Service und das technische Konzept entscheidende Argumente“, weiß Serban. Neben der Containerschiff-Reederei schicken auch andere Anfragen.

Apateq steht unter Zeitdruck. Vom Auftragseingang bis zur Auslieferung dauert es vier bis fünf Monate. Derzeit wird mit einer Schicht gearbeitet. So schafft das Unternehmen vier Anlagen im Monat. „Wir müssten eigentlich doppelt so viel herstellen. Aber wir brauchen dringend Mitarbeiter“, stöhnt Martin. Es fehlt an allem: Schweißer, die Kunststoff schweißen können, sind ebenso gesucht wie Schlosser, Monteure, Prozess- und Produkt-Ingenieure, Softwarespezialisten und Zeichner. „Wir haben von allem zu wenig“, bestätigt Serban, der auf ganz unterschiedlichen Wegen versucht, Mitarbeiter anzuziehen. Argumente gäbe es genug. Immerhin hat Apateq mehrere Preise für seine Technologie und Innovationsfähigkeit erhalten und ist international bekannt. Denn nur ganz wenige Konkurrenten weltweit bieten Produkte für dieses Segment an.

Platz zur Produktionsausweitung wäre da. Neben der 1.500 m² großen Halle gibt es noch Ausweichmöglichkeiten. Doch die wird das Unternehmen auch brauchen. Denn schon gehen neue Aufträge ein, diesmal aus den USA. In Ohio soll Lagerstättenwasser gereinigt werden. Martin und Serban freuen sich - und hoffen, dass bald Bewerbungen eingehen.

www.apateq.com