LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Centaure, TOL und Kasemattentheater starten mit Eifer in die neue Spielzeit

Ausnahmslos in strahlende Gesichter oder zumindest strahlende Augen blickte man gestern in der „Banannefabrik“, wo die drei kleinen Theaterstrukturen zur gemeinsamen Pressekonferenz geladen hatten. Eine Premiere, denn bislang stellte stets jedes Haus sein Programm am Anfang der Saison einzeln vor. Glücklicherweise rasten die Verantwortlichen durch die Programmhefte, manch einer hatte nämlich eine Drei-Stunden-Sitzung befürchtet.
Kein Ausblick ohne Rückblick: Doch auch dieser fiel recht kurz aus. Es war einfach spürbar, dass man nicht mehr über die Krise klagen, sondern diese schwierige Zeit hinter sich lassen und endlich wieder loslegen will. „Dass wir uns zusammengetan haben, um die Saison gemeinsam zu eröffnen, ist ein wichtiges Zeichen. Wir sind ein lebendiger Sektor“, betonte Myriam Muller, künstlerische Leiterin des „Théâtre du Centaure“.
Auch Lex Weyer, Präsident des Verwaltungsrats des  Kasemattentheater freute sich: „Durch die Krise sind wir noch etwas näher zusammengerückt. Ich bin sehr froh, dass wir alle nach dieser schweren Zeit, in der niemand wusste, wo es hingehen würde, wo es Momente totaler Perspektivlosigkeit gab, nun vollwertige Jahresprogramme präsentieren können“. Als „kompliziert und brutal“ beschrieb Véronique Fauconnet, die Direktorin des „Théâtre Ouvert Luxembourg“ (TOL), die letzten Monate. „Wir konnten nicht mehr spielen. Das ist das Schlimmste, was einem Schauspieler passieren kann. Wir haben alles daran gesetzt, nun in der neuen Saison alles zeigen zu können, was abgesagt werden musste, dies auch dank der Solidarität der größeren Häuser und der Flexibilität unserer Säle“, sagte sie. Bekanntlich teilen das Kinneksbond und das Kapuzinertheater ihre Bühnen mit den kleinen Theaterstrukturen, in denen sich die Umsetzung der sanitären Sicherheitsmaßnahmen als etwas schwieriger gestaltet. „Nun bleibt zu hoffen, dass das Publikum uns vertraut und in die Theatersäle zurückkehrt“, so Fauconnet. Am Angebot dürfte es jedenfalls nicht scheitern. Jedem Haus ist es gelungen, ein interessantes und vielfältiges Programm auf die Beine zu stellen.

Fünf Kreationen im „Théâtre du Centaure“

Fünf neue Kreationen stehen im „Théâtre du Centaure“ auf dem Spielplan. „Wir versuchen jedes Jahr, einen roten Faden in unser Programm zu bringen. In dieser Saison ist es das Thema Familie, das sich durch alle Stücke zieht“, erklärte Myriam Muller. Im Mittelpunkt des ersten Stücks „Truckstop“, das ab dem 7. Oktober in einer Inszenierung von Daliah Kentges im Mamer Kinneksbond zur Aufführung kommt, geht es um eine Jugendliche (Elsa Rauchs), die an Hyperaktivität leidet und versucht, sich von ihrer Mutter (Isabelle Bonillo) zu lösen. Im November will das „Centaure“ dann aber wieder seine eigenen Türen öffnen und „Jackie“ von Elfriede Jelinek unter der Regie von Valérie Bodson als Monolog (Caty Baccega) auf die Bühne bringen. Mit „Terres Arides“ (in der Reihe „Les Agitateurs“) von Ian De Toffoli mit Luc Schiltz und Pitt Simon wird das Jahr 2021 gestartet (Premiere am 14. Januar). „Letzte Saison haben wir mit diesem Zyklus begonnen, um uns stärker in der Aktualität unseres Landes zu bewegen, dies aber in theatralischer Form“, so die künstlerische Direktorin. Im März wird Shakespeares „Hamlet“ unter ihrer Regie gespielt. Auch in dieser Inszenierung wird der Aspekt Familie ganz besonders hervorgehoben. „Hamlet bleibt eine unglaublich reichhaltige Schatzkammer“, unterstreicht sie. Premiere ist am 18. März. Die Komödie „Ensemble“ unter der Regie von Marja-Leena Junker folgt im April, richtet den Fokus auf das Thema Handicap und geht der Frage nach, was Normalität ist. 

Drei Uraufführungen im Kasemattentheater

Das Kasemattentheater spielt in der neuen Saison an vier verschiedenen Orten, neben dem eigenen Haus, auch im „Carré“ in Hollerich, im Kapuzinertheater - dort steht heute Abend „Mort aux Cons! Eine Lesung über die menschliche Dummheit“ an - und in den Bockkasematten, wo man eigentlich in diesem Sommer schon hätte gastieren sollen. Im Oktober wird „Rote Nelken für Herkul Grün“ in einer Adaptation von Serge Tonnar auf die eigene Bühne gebracht. Der Text stammt von Roger Manderscheid, war eigentlich seinerzeit eine Auftragsarbeit für das Kasemattentheater. Die Originalfassung, gespickt mit etlichen gesellschaftlichen und sexuellen Seitenhieben, sei jedoch nicht zur Aufführung gekommen, da sie einigen Mitgliedern des Ensembles als zu gewagt für das konservative Luxemburg der 1970er Jahre erschien. „Das konnten wir natürlich nicht so stehen lassen“, lachte Dramaturg Marc Limpach.
Der zweite Teil der „Lëtzebuerger Fräiheetslidder“, diesmal von 1945 bis heute, mit Arrangements von Georges Urwald wird Ende Oktober präsentiert. Die Vorstellungen der ILL-Produktion „Amadeus“ unter der Regie von Jacques Schiltz und Claire Wagener werden im Dezember nach Hollerich ins „Carré“ ausgelagert. Eine weitere Uraufführung, ebenfalls im „Carré“, erwartet das Publikum im Januar mit „Rosenkranz und Güldenstern auf Greta“, in dessen Mittelpunkt zwei Nebenfiguren aus „Hamlet“ stehen. Die nächste Uraufführung folgt bereits im Februar mit der Komödie „Staycation“ von Ian De Toffoli. Darin geht es um eine Familie, die den Sommer im Keller verbringt, jedoch vorgibt, einen Luxusurlaub auf Fuerteventura zu verbringen. Eine letzte Uraufführung steht im April auf dem Spielplan: „Schnouky“, ein Monolog nach Briefen von Andrée Viénot-Mayrisch, der Tochter von Emile und Aline Mayrisch. Mit einem Jahr Verspätung wird im Sommer in die Bockkasematten geladen, wo mit „Judas“ zwei Monologe über Verrat aufgeführt werden, dies mit Luc Schiltz und Serge Tonnar.

Fünf neue Stücke im TOL

Das TOL wird seine Türen symbolisch bereits am 18., 19. und 20. September zumindest ein Stückchen weit öffnen, wie Véronique Fauconnet erklärte. Obwohl nicht alle Plätze des kleinen Theaters besetzt werden können, hofft sie auf einen schönen Saisonauftakt. Auf dem Programm: die Lesung „L’Ouvrir“ von und mit Isabelle Bonillo. Die Kreation „Objet d’Attention“ unter der Regie von Véronique Fauconnet wird derweil ab dem 25. September im TNL gespielt. Auch die Komödie „Comme s’il en pleuvait“ von Sébastien Thiéry wird nicht im eigenen Haus sondern im Kapuzinertheater gespielt (Premiere am 29. September), während man mit dem Monolog „Girls & Boys“ im Kinneksbond in Mamer gastiert (Premiere am 13. November). Im Dezember werden dann aber die Türen im TOL wieder richtig öffnen, dies für die Wiederaufnahme von „Un Dîner d’Adieu“. Auf drei weitere Kreationen darf sich das Publikum dann 2021 freuen: „Moulins à paroles – 2e partie“ von Alan Bennett in einer Inszenierung von Mahlia Theismann (Premiere am 21. Januar), „Sex with Strangers“ von Laura Eason in einer Übersetzung von Tullio Forgiarini unter der Regie von Véronique Fauconnet (Premiere am 22. April) und „Le Mensonge“, eine Komödie von Florian Zeller in einer Inszenierung von Aude-Laurence Biver (Premiere am 10. Juni).
Die Programme in allen Details unter: www.tol.lu ,www.theatrecentaure.lu, www.kasemattentheater.lu