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„Under Construction“ von Paul Schumacher alias „Melting Pol“ in der „Annexe22“

Bevor der Pavillon „Annexe22“ auf dem Escher Brillplatz im Kulturhauptstadtjahr 2022 zu einem zentralen Ort der Kommunikation und Zusammenkunft wird, dann einerseits als Ausstellungs- sowie Austragungsort und gleichermaßen als Anlaufstelle für Bürger und Touristen fungiert, wird der Fokus dort seit Februar bereits auf die Kunst gerichtet. Den Auftakt machte der Künstler und Designer Floris Hovers, der die „Annexe22“ mit seiner bunten Installation „Playful connect“ bespielte. Der Niederländer hatte sich von der industriellen Vergangenheit und der Region inspirieren lassen, um die Vision einer alternativen Welt zu zeigen, die wie ein großer Spielplatz aufgebaut war.

Eigentlich hatte das Team um Esch2022 nach dieser ersten Expo nun etwas andere Pläne. Zur „Nuit de la Culture“ am 2. Mai sollte sich die „Annexe22“ nämlich in ein Atelier verwandeln, wo der Prototyp „Cuistax“ für 2022 gezeigt werden sollte. Gerade in der aktuellen Situation möchte die künftige Europäische Kulturhauptstadt nun aber insbesondere regionale Künstler unterstützen und ihnen eine Plattform zur Umsetzung ihrer Projekte bieten. So hat nun der Luxemburger Künstler Paul Schumacher, in der Kunstszene unter dem Namen „Melting Pol“ bekannt, eine Installation realisiert, die bis zum 11. Juli 2020 entdeckt werden kann, dies entweder direkt vor Ort (aber nur von außen) oder bei einem virtuellen Rundgang.

Paradoxes Werk

„In dieser doch sehr seltsamen Situation der Quarantäne wurde ich gefragt, ob ich in der Annexe22 ausstellen möchte. Ich wollte etwas schaffen, das sich die Leute von außen ansehen können und was eine gewisse Präsenz hat“, sagt Paul Schumacher über sein Werk „Under Construction. A light-art installation“. Entstanden ist eine Installation aus zwei Gerüsten, die üblicherweise auf Baustellen verwendet werden, um abschließende Arbeiten wie das Streichen der Wände oder Tapezierarbeiten durchzuführen. Die ausgestellten Gerüste sind nicht, wie gewöhnlich, aus Metallstangen gefertigt, sondern bestehen aus weißen LED-Leuchtröhren. Hinzu kommen transparente Plattformen aus Plexiglas. Da solche Baugerüste normalerweise zum Tragen schwerer Lasten bestimmt sind, erscheint das ausgestellte Objekt den Betrachtern als Paradoxon – denn es steckt voller Widersprüche.

Die Installation hinterlässt beim Betrachter den Eindruck einer gewissen Verwundbarkeit, sodass dieser über die Zerbrechlichkeit des Kunstwerks nachzudenken beginnt. Eine Zerbrechlichkeit, die jedem Kunstwerk, Kunstprojekt, dem künstlerischen Schaffen allgemein und sogar seiner eigenen Existenz innewohnt. „Under Construction“ greift somit ein sehr aktuelles Thema auf: Es steht für noch unvollendete Arbeiten.

Vorreiter der Kunstform „VeeJaying“

Paul Schumacher alias „Melting Pol“ ist seit 1991 als sogenannter „visueller Künstler“ aktiv. Als Vorreiter der neuen Kunstform „VeeJaying“ schmücken seine visuellen Konzepte seit 1995 unter anderem die Bildschirme bei Abendveranstaltungen, Konzerten, Festivals und Theaterevents. Seit 1996 initiiert, konzipiert und produziert er audiovisuelle Shows, die er als „Melting Sessions“ bezeichnet. Das Ziel dieser Veranstaltungen besteht darin, Musiker, Tänzer und andere Kunstschaffende dazu anzuregen, miteinander zu interagieren. Seit 2001 wendet er sich auch neuen Disziplinen zu – Videoinstallationen, künstlerische Beleuchtungsprojekte sowie Fotografien oder Skulpturen.

Im Laufe der letzten Jahre eignet Paul Schumacher sich Fähigkeiten im Bereich der Technik „Video Mapping“ an, die etwa bei Livekonzerten und Theateraufführungen zum Einsatz kommt. Nennen kann man beispielsweise das „Projekt Melting Session 7“, das die Projektion von Lichteffekten auf die Fassade des Mudam anlässlich des zehnjährigen Jubiläums umfasste, oder auch noch die Teilnahme am „Light Nights – Festival of Lights“ der Stadt Luxemburg, bei dem seine visuellen Konzepte auf die Fassade der Nationalbibliothek projiziert wurden. Im Jahr 2017 setzte er das Projekt „Crazy Cinématographe revisited & relooped“ um und nahm außerdem an dem Theaterprojekt „Blackout“ teil. 2017 und 2018 war er an den „Magicastle Nights“ in Befort beteiligt, wo er seine Projektionen auf der Burgruine zeigte. Zuletzt hatte er 2019 eine größere Lichtinstallation auf die Fassade der Echternacher Abtei während des Festivals „Echterlive“ realisiert.


Bis zum 11. Juli können sich Besucher die Installation „Under Construction“ im Herzen von Esch ansehen oder im Netz einen virtuellen Rundgang durch die „Annexe22“ unternehmen: tinyurl.com/Annexe22. Im Interview mit Esch2022 spricht der Küntsler über die Umsetzung seiner Idee: tinyurl.com/MeltingPol