LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Am Samstag in der Philharmonie: „Carte blanche“ für Jazz-Schlagzeuger Paul Fox

Ein Schlagzeuger, eine „Carte blanche“: Ein Abend, ein Konzert, drei Bands sind das Resultat. Der luxemburgische Jazz-Drummer Paul Fox schöpft seinen Freiraum in der Konzertreihe „Fräiräim“ der Philharmonie am Samstag im wahrsten Sinne des Wortes aus. Drei seiner Projekte - „Crinan Wood“, „Marly Marques 5tet“ und „Paul Fox Collective“ - bringt er zusammen auf die Bühne und entführt das Publikum so in seine musikalische Welt. Wir haben uns im Vorfeld mit dem talentierten Musiker unterhalten, der sich in der Benelux-Jazzszene inzwischen einen Namen gemacht hat.

Ist eine „Carte blanche“ eine Herausforderung oder das Beste, was einem Musiker und Komponisten passieren kann?

Paul Fox Beides trifft zu, würde ich sagen. Einen Abend so zu gestalten, wie man will, ist einerseits natürlich eine tolle Sache. Für ein Programm verantwortlich zu sein, vor allem einen roten Faden für drei unterschiedliche Bands zu finden, war andererseits aber dann doch eine ziemlich große Herausforderung. Zuerst spiele ich am Samstag mit der Gruppe „Crinan Wood“, danach mit dem „Marly Marques 5tet“ und schließlich mit meinem Kollektiv „Paul Fox Collective“. Für den Schlussteil habe ich dann noch ein Stück geschrieben, bei dem wir alle gemeinsam auf der Bühne stehen. Das war ganz klar auch noch einmal eine große Herausforderung, weil sich die drei Gruppen doch ziemlich voneinander unterscheiden. Diese Komposition hat mich sehr viel Zeit gekostet.

Einen roten Faden haben Sie trotzdem gefunden?

Fox Gewisse Gemeinsamkeiten gibt es durchaus. „Crinan Wood“ um die Sängerin Claudine Muno fällt wohl in die Kategorie Singer-Songwriter und Folk. Improvisation spielt bei dieser Formation eher selten eine Rolle, obwohl alle Musiker auch Jazz-Erfahrung haben, demnach schnell aufeinander reagieren und spontane musikalische Entscheidungen treffen können. Das „Marly Marques 5tet“ bewegt sich deutlich mehr auf der Jazz-Ebene und versteht es zu improvisieren, so wie es im traditionellen Jazz der Fall ist. Meine Band ist etwas weniger World-Jazz angehaucht als Marly Marques, vielleicht könnte man sie als etwas mehr „Mainstream“ bezeichnen. Eigentlich tue ich mich aber schwer damit, die Gruppen in bestimmte Schubladen zu stecken. In jeder der drei Bands gibt es eine Sängerin. Das ist also sicherlich ein roter Faden an diesem Abend. Das Publikum erwartet demnach mehr als nur Instrumentales. Die Stücke werden immer von einer Stimme getragen.

Die Idee, die drei Bands für diesen Abend mit an Bord zu nehmen, hatten Sie aber sofort?

Fox Eigentlich nicht. Als ich bei der Philharmonie anklopfte, um in der Konzertreihe „Fräiräim“ spielen zu dürfen, hatte ich lediglich im Sinn, mit meiner eigenen Band aufzutreten. Dann habe ich mir doch überlegt, etwas Spezielleres zu bieten, also nicht bloß ein normales Konzert mit meinem Kollektiv. Warum also nicht die Gelegenheit nutzen, etwas Gemeinsames mit meinen drei Hauptprojekten auf die Beine zu stellen?

Waren alle Musiker gleich von dem Vorhaben überzeugt oder doch etwas skeptisch?

Fox Ich habe sie gar nicht gefragt (lacht). Nein, also sie waren alle gleich einverstanden. „Crinan Wood“ und „Marly Marques 5tet“ sind sowieso alles Luxemburger, sie regelmäßig zu sehen und gemeinsam zu proben, ist demnach relativ einfach. Beim „Fox Collective“ mit deutschen Musikern treffe ich als Bandleader die Entscheidungen. Bei den anderen zwei Gruppen wird dagegen etwas basisdemokratischer entschieden, wenn man so will, jeder darf also mitreden. Alle waren aber sofort von dem Projekt begeistert.

Ist es nicht anstrengend, parallel in drei Gruppen zu spielen?

Fox Manchmal wird es tatsächlich etwas viel. Jede Band hat andere Ansprüche, andere Mitglieder, auf die man sich einstellen muss. Solange es aber Spaß macht, habe ich kein Problem damit.

Eigentlich haben Sie Ihre musikalische Karriere ja mit einem anderen Instrument begonnen. Spielt das Saxofon noch eine Rolle in Ihrem Leben?

Fox Wie fast jeder Musiker habe auch ich als Kind in der Dorfmusik angefangen. Das Schlagzeug war damals schon besetzt. Meine Familie war noch dazu der Meinung, dass ich erst einmal ein Instrument erlernen sollte, das melodie- oder harmoniebezogener ist. So kam ich also zum Saxofon, allerdings wurde mir gleichzeitig versprochen, dass ich später in die Percussion wechseln könnte. Das habe ich dann auch gemacht, immerhin war das Schlagzeug das Instrument, das ich von Anfang an erlernen wollte. Ich spiele aber auch heute noch manchmal bei Kollegen Saxofon, springe etwa ein, wenn in einer Fanfare mal Not am Mann ist. Ansonsten liegt das Instrument aber tatsächlich meist zuhause ein bisschen in der Ecke rum.

Warum sollte es gerade Jazz für Sie sein?

Fox Für mich ist es die einfachste und direkteste Art und Weise, sich als Musiker auszudrücken. Ich habe sehr viel Respekt vor klassischer Musik, höre sie auch selbst gerne, aber nur Noten lesen und Stücke interpretieren, was an sich klassische Musik macht, ist mir zu streng. Der Rahmen ist mir einfach etwas zu eng. Der Musiker ist eigentlich immer ein Instrument im Sinne von dem Werk, das gespielt wird. In der Jazzmusik kann man sich entfalten und seine eigene Sprache entwickeln.

Sie haben eine Zeit lang in New York gelebt, sind dann aber nach Luxemburg zurückgekehrt. Sollten die USA von vorneherein nur eine Etappe sein?

Fox Ich hatte nie vor, meinen Wohnsitz komplett nach New York zu verlegen. Es gibt dort neben dem Jazz - wie hier in Europa in Paris oder Kopenhagen - so viele Musikrichtungen, in denen sich etwas bewegt. Dort zu überleben, ist schwer, weil man einer unter ganz vielen ist. Man muss wirklich sehr gut sein, um mit den noch Besseren mithalten zu können. Ich bin eigentlich mit dem Hintergedanken hingegangen, mich weiterzuentwickeln, hinzuzulernen, die Musiker zu treffen und persönlich kennenzulernen, die ich während meiner Studien studiert habe, deren Alben ich rauf- und runtergehört habe. Von ihnen etwas zu lernen oder Sachen mit auf den Weg zu bekommen, war schon etwas Einmaliges. Tatsächlich dort zu leben, war nie mein Ziel.

Waren andere Länder oder Städte eine Option?

Fox Auch nicht. Ich kehre immer wieder gerne dorthin zurück, wo ich herkomme. Irgendwann musste ich mir ja auch Gedanken machen, wovon ich leben würde. Luxemburg hat mittlerweile eine sehr gute Jazzszene, oder im Allgemeinen eine hervorragende Musikszene. Ich kenne natürlich Musiker, die nur Musik machen und davon leben können, das war aber nicht unbedingt mein großes Ziel. Hierzulande geben die meisten Musiker nebenher noch Musikkurse. Ich finde es auch sehr wichtig, dass man Unterricht gibt, um das Gepäck beziehungsweise das Wissen, das man sich angeeignet hat, weiterzugeben.

Der Konzertabend „Snapshots“ mit Paul Fox und seinen drei Bands findet am 11. Februar um 20.00 im Kammermusiksaal der Philharmonie statt. Karten über Tel. 26 32 26 32 und online www.philharmonie.lu