DIFFERDINGEN
SIMONE MOLITOR

Netzwerk der regionalen Kulturhäuser wächst und wird sichtbarer

Als das „Réseau Luxembourgeois des Centres Culturels Régionaux“ im Jahr 2008 gegründet wurde, gehörten ihm acht regionale Kulturhäuser an. Ende 2015 kam das Kinneksbond Mamer hinzu, und seit gestern sind es zehn. Neues Mitglied ist das „Aalt Stadhaus“ in Differdingen, wie gestern bei einer Pressekonferenz mitgeteilt wurde. Bürgermeisterin Christiane Brassel-Rausch hofft auf eine gute Zusammenarbeit. „Die regionalen Kulturhäuser sind wichtig für die Diversität. Nicht zuletzt legen sie besonderen Wert darauf, luxemburgische Produktionen und luxemburgische Künstler zu unterstützen, ihnen eine Plattform zu geben und somit unsere Kultur sichtbar und erlebbar zu machen“, hielt sie fest.
„Das Netzwerk wurde damals gegründet, um als Sprachrohr zu fungieren: für unsere Anliegen und gegenüber dem Kulturministerium“, rief Präsident Carl Adalsteinsson in Erinnerung. Acht Häuser werden von Vereinen ohne Gewinnzweck (Asbl) verwaltet und zwei von kommunalen Kulturdiensten. Alle haben eine Konvention mit dem Kulturministerium. Dies reicht aber nicht, um automatisch ins „Réseau“ aufgenommen zu werden. „Es gibt gewisse Kriterien. Stellt ein Haus seine Kandidatur, wird analysiert, wie es funktioniert und aufgestellt ist und inwiefern es die lokale Kreation unterstützt. Voraussetzungen sind außerdem, dass ein ganzjähriges Programm geboten und es von einer professionellen Mannschaft geleitet wird“, so der Vorsitzende. 

Mehr Sichtbarkeit für das Netzwerk

„Das ,Réseau‘ hat lange als Kollegium funktioniert, das Zusammenkommen fand auf lockerer Basis statt, was auch gut geklappt hat. Dennoch haben wir irgendwann entschieden, eine größere Sichtbarkeit anzustreben, uns leicht umorganisiert und im April letzten Jahres eine Präsidentschaft eingeführt. Seither sind wir ganz aktiv unterwegs. Vor einem Jahr haben wir als Netzwerk eine Konvention mit dem Kulturministerium unterzeichnet, die es uns ermöglicht, verschiedene Netzwerkprojekte einfacher zu realisieren und uns auch gezielter um ein Kapitel des Kulturentwicklungsplans kümmern können, das für uns besonders wichtig ist, nämlich die Kultur in der Region. Diesbezüglich sind wir einer der wichtigsten Ansprechpartner des Kulturministeriums“, führte Adalsteinsson weiter aus.  
Insbesondere bot die gestrige Pressekonferenz indes die Gelegenheit, auf die aktuellen Herausforderungen einzugehen. In den vergangenen Monaten sei die Solidargemeinschaft innerhalb des „Réseau“ noch weiter gewachsen, hieß es. Die schrittweise Rückkehr zur kulturellen Normalität hat nun Priorität. „Die letzte Zeit war spannend für uns alle. Wir waren die ersten, die ihre Türen schließen mussten. Natürlich haben die zehn Häuser während der ganzen Zeit an ihren Programmen gearbeitet, und jetzt laufen die Aktivitäten langsam wieder an“, so Adalsteinsson.

Schrittweise zum Normalbetrieb

Im „Mierscher Kulturhaus“ werden die Säle derzeit insbesondere zum Proben genutzt. Am 9. September wird die Saison vorgestellt. „Dann starten wir auch mit einem regulären Programm, das vielleicht im Oktober noch etwas dünner sein wird. Ab November versuchen wir aber zu unserem gewohnten Rhythmus zurückzufinden“, so Claude Mangen. Im Echternacher Trifolion wird bereits jetzt eine Konzertreihe geboten: Bis zum 28. August wird an jedem Freitag ab 17.00 zum Apéro bei Musik geladen. In der Kulturfabrik wurde eine Summer Bar im Freien eingerichtet, wo Konzerte und DJ Sets geboten werden. Im Düdelinger opderschmelz befindet man sich noch mitten in der Umplanungsphase. „Wir warten die weitere Entwicklung ab, bevor wir ein Programmheft herausgeben. Unser Angebot wird in einer ersten Phase eher national sein. Im August wollen wir auf dem Parkplatz hinter dem Kulturzentrum eine Reihe an Konzertabenden organisieren“, informierte John Rech. 
Im Ettelbrücker CAPE wird die Rückkehr zum Normalbetrieb etwas durch den Umstand erschwert, dass sich Musikschule und Konservatorium unter dem gleichen Dach befinden. Eine komplette Saison wird gerade geplant, sie läuft Anfang Oktober an. Was das Kulturhaus Niederanven anbelangt, so ist dieses normalerweise über den Sommer geschlossen.
„Diesmal haben wir aber entschieden, eine Reihe an Workshops im großen Saal anzubieten. Für Ausstellungen haben wir unsere Räume schon geöffnet. Im Sommer werden wir auch von unserem Park profitieren, um ein Angebot im Bereich Erzählkunst für Kinder wie Erwachsene zu bieten“, berichtete Nora Waringo. Das Programm im „Aalt Stadhaus“ wird derzeit fertiggestellt, wie von der Direktionsbeauftragten Réjane Nennig zu erfahren war. Zwei Theaterabende mit Publikum haben bereits stattgefunden. Da auch der Blues Express ein Corona-Opfer ist, wird am 11. Juli zumindest ein Konzert von Remo Cavallini & the Authentic South Band live aus dem Kulturhaus über den Youtube-Kanal der Stadt gestreamt und außerdem auf die große Leinwand am Marktplatz übertragen.  
Im Kinneksbond wird die Saison 20/21 gerade komplett überarbeitet und dann Anfang September vorgestellt. „Da viele Produktionen in die neue Spielzeit verlegt werden, wird sie gefüllter denn je sein und bis zum 11. Juli laufen“, sagte Jérôme Konen. Odile Simon vom Cube 521 Marnach wies auf die musikalischen Darbietungen hin, die während des Lockdown vor den Altersheimen organisiert wurden. Das Live-Hörspiel für Kinder, das  während dieser Zeit seine Premiere hätte feiern sollen, wird in die nächste Saison verlegt, in der Zwischenzeit aber aufgenommen. „Richtig los geht es bei uns im Oktober mit einem angepassten Programm, dies mit mehr Musik als Theater“, so Simon. Im Wiltzer Prabbeli hat derweil das Kino seinen Betrieb wieder aufgenommen. Der „Kannersummer“ mit all seinen Aktivitäten soll wie geplant ablaufen.

Motiviert, aber abwartend

„Wir wollen planen, wir wollen arbeiten, wir wollen den KünstlerInnen und dem Publikum wieder Perspektiven bieten. Egal welche sanitären Maßnahmen gelten, wir wollen unsere Häuser wieder öffnen“, unterstrich schließlich Carl Adalsteinsson. Wie Jérôme Konen hinzufügte, seien zumindest manche Fragen inzwischen geklärt worden: „Die Schauspieler und Tänzer müssen keine Maske auf der Bühne tragen. Für die Zuschauer gilt entweder die Abstandsregel von zwei Metern oder das Tragen der Maske, was immer noch die stärksten Einschränkungen sind. Diesbezüglich gibt es also einen gewissen Freiraum. Die Entscheidung obliegt dem Veranstalter“.
Wird das Tragen der Maske während der Veranstaltung denn als Option gesehen, um mehr Publikum empfangen zu können? „Es ist wohl eine Möglichkeit, bleibt aber die Frage, ob wir das als Haus wollen. Wollen wir, dass der Künstler auf einen Saal voller Masken blickt? Zusätzlich müssten wir auch noch aufpassen, dass wirklich jeder seine Maske trägt. Ich will jedenfalls nicht Polizei spielen“, stellte John Rech klar. „Noch dazu muss man bedenken, dass das Publikum nach wie vor verunsichert ist. Ob die Leute Lust haben, in einem Saal mit 300 Leuten und Maske zu sitzen, ist fraglich“, überlegte Claude Mangen.

Löcher in den Kassen

Was die Einschätzung der finanziellen Einbußen anbelangt, so fielen die Antworten relativ vage aus. Dies lasse sich noch nicht wirklich sagen. Die ganzen Auswirkungen würden sich wohl erst 2021 bemerkbar machen. „Wir hoffen jedenfalls, dass jetzt nicht bei der Kultur gespart wird“, sagte Adalsteinsson. Derweil gab Mangen zu bedenken: „Wir programmieren ohnehin immer am Limit und sind ja finanziell schon im Normalfall nicht so verwöhnt, und jetzt kommt noch die Krise dazu. Wenn diese erst einmal überstanden ist, sollte unbedingt dafür gesorgt werden, die Prekarität, die sowieso im Kulturbereich besteht, etwas mehr abzufedern“.