LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

„KACHEN“ ist das erste Magazin in Luxemburg, das sich mit heimischer Küche beschäftigt – und sehr gut läuft

Luxemburg ist ein kleines Land mit vielen Sprachen und somit nicht der einfachste Markt, wenn jemand eine Zeitschrift herausbringen will. Bibi Wintersdorf hat es trotzdem gewagt - und freut sich über den Erfolg, für den es allerdings auch Erklärungen gibt.

Frau Wintersdorf, wie kamen Sie auf die Idee, „KACHEN zu machen?

BIBI WINTERSDORF Ich bin selbst eine begeisterte Hobbyköchin. Meine Großeltern hatten ein Hotel in Mondorf und ich habe von klein auf gut gegessen und mich mit Produkten, Rezepten und der Präsentation beschäftigt. Nach den Rezepten meiner Großmutter und meiner Mutter koche ich heute noch. Aber das nur vorweg. 2005 fragte mich meine Freundin Christiane Koch, ob ich nicht mit ihr an einem internationalen Kochwettbewerb für Amateure teilnehmen wolle (Anm. d. Red. Der Cooking-Cup in Deutschland, organisiert von Elle Bistro und Siemens). Aus Spaß haben wir ein Rezept entwickelt und wurden aus 800 Einsendungen ausgewählt für das Viertelfinale, bei dem wir uns auf den zweiten Platz kochten. Zwei Jahre später, 2007, haben wir wieder mitgemacht und uns bis ins Finale nach Kapstadt gekocht, wo wir am Ende dritte des Gesamtwettbewerbs wurden. Nach dem Wettbewerb habe ich dann 2009 mein erstes Kochbuch herausgebracht. Es war für Frauen wie mich gedacht, die berufstätig sind, eine Familie haben und bei allem Stress dennoch gern kochen. Das Buch wurde ein Riesenerfolg und daraus entstand die Idee für das Magazin.

Welches Konzept haben Sie?

WINTERSDORF Wir erscheinen vierteljährlich, saisonal. Am Montag kommt übrigens unser neues Heft heraus. Für das Magazin habe ich zusammen mit Lena Schortgen einen eigenen Verlag gegründet, Luxe Taste & Style Publishing. Die Auflage von 15.000 Stück läuft gut, obwohl das für Luxemburg viel ist. Wir haben ganz hoch angesetzt und wollen ein hochwertiges Magazin. Es ist ein großes Glück, dass wir Partner wie Cactus, Fischer, Siemens, Miele oder Nespresso haben, aber auch von Spitzenköchen wie den Eurotoques hier in Luxemburg unterstützt werden. Die Mischung ist 70 Prozent lokaler Inhalt und 30 Prozent Überregionales oder Internationales.

Luxemburg ist nicht sehr groß. Gibt es so viel zu berichten?

WINTERSDORF Diese Frage stellt man mir immer wieder, und ich kann sie nur mit einem heftigen „JA“ beantworten. Luxemburg steckt voller Überraschungen, es gibt so viele wundervolle Dinge zu entdecken und viele kreative Menschen. Darüber muss man nur schreiben! Das Angebot an Themen ist wirklich groß und wir erhalten natürlich auch immer wieder Hinweise! In jedem Heft haben wir trotz der 150 Seiten zu wenig Platz. Andererseits muss auch die Mischung stimmen. Auf den ersten Blick mag unsere Aufmachung etwas konservativ erscheinen, aber wir versuchen halt die Balance zwischen modern und traditionell zu halten, und bei den Luxemburgern scheint das gut anzukommen. Und sie wollen definitiv alles, was mit luxemburgischer Küche zu tun hat.

Ist das nicht schwierig bei Ihrer Erscheinungsweise?

WINTERSDORF Im Gegenteil, wir erscheinen ja saisonal, was die Wahl der Rezepte schon einfacher macht, außerdem haben wir eine Webseite und eine Facebook-Seite, auf der wir regelmäßig Neues posten und mit unseren Lesern ständig im Kontakt sind. Darüber hinaus gibt es einen wöchentlichen Newsletter. Als wir mal nach den luxemburgischen Lieblingsrezepten gefragt haben, bekamen wir ungeheuer viel Resonanz. Ein Schlager war beispielsweise unser Rezept für Kniddelen. Um Luxemburgisches geht es übrigens nicht nur auf der Facebook-Seite. Ich berate beispielsweise auch das Hotel „Le Royal“, das auf der Karte seines neuen Restaurants „Amelys“ regelmäßig vier oder fünf luxemburgische Spezialitäten vorschlägt. Die Rezepte sind dann von mir und jeder Gast bekommt das Rezept auf einem Kärtchen mit nach Hause, zum Nachkochen. Wir haben in jeder „KACHEN“-Ausgabe Rezepte der luxemburgischen Küche. Die kommen oft von den Lesern. Zum Thema „Kochen wie früher“ hatten wir sehr viele Einsendungen, so viele, dass wir daraus vielleicht irgendwann ein Kochbuch machen können. Aber wir sehen auch immer wieder: Luxemburg ist viel mehr als nur Bouneschlupp. Obwohl die nicht zu verachten ist …

Ihr Magazin erscheint auf Deutsch. Die Themen könnten aber auch andere interessieren …

WINTERSDORF Ja, deshalb arbeiten wir an einer englischsprachigen Version des Heftes. Es gibt eine sehr große internationale Community in Luxemburg, die ein gesteigertes Interesse an unserem Ländchen und seinen Traditionen hat. Aber es geht auch über die Grenzen hinaus. Vergangenen Sonntag hatten wir beispielsweise das immense Glück, ein fulminantes 6hands dinner mit den 3Sterne-Rockstars der Küche Sergio Herman und Nick Bril (The Jane, Antwerpen) zusammen mit Christian Bau in Perl-Nennig zu erleben. Das ist ja praktisch unser Nachbar. Darüber berichten wir natürlich auch. Demnächst bringen wir aber sicher auch einmal ein Special über den Schwarzwald, das ist ja eines der liebsten Urlaubsziele der Luxemburger.

Das Magazin „KACHEN“ gibt es im Handel und auf www.kachen.lu