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PAULINE SICKMANN (DPA)

Was an den Mythen rund ums Essen dran ist

Essen am Abend macht dick, Tomatenstrunk ist giftig, und nur dunkles Brot ist gesund. Mythen rund ums Essen gibt es viele - stimmen müssen sie deswegen aber noch lange nicht. „Grund für Ernährungsmythen sind oft Unsicherheiten, zum Beispiel bei der Frage, ob man Käserinde mitessen darf“, meint Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung. Manche Legenden haben aber auch einen wahren Kern. Ein Überblick:

Dunkles Brot

Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl ist die Vollkornvariante die beste Wahl für die Gesundheit, sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Lebensmittel aus Vollkorn sättigen länger und enthalten mehr Nährstoffe als Weißmehlprodukte.“ Aber: Nicht jedes dunkle oder körnige Brot oder Brötchen ist auch ein Vollkornprodukt. „Brötchen kann man auch mit Malzextrakt dunkel und mit Sonnenblumenkernen körnig machen“, sagt Silke Restemeyer.

Spinat auffwärmen

Spinat darf man nicht noch einmal aufwärmen? Diese Ernährungsregel ist sehr alt. „Sie stammt noch aus Zeiten, in denn es keinen Kühlschrank gab“, sagt Monika Bischoff, Vorstandsmitglied im Berufsverband Oecotrophologie. Das Problem sei nicht das zweite Aufwärmen, sondern das langsame Abkühlen: Kühlt gekochter Spinat nur langsam ab, wandeln Bakterien im mittleren Temperaturbereich ungefährliches Nitrat in schädliches Nitrit um.

Tomatenstrunk giftig

Die grünen Stellen an der Tomate enthalten Solanin. „Dieses Gift dient der Pflanze zur Abwehr von Schädlingen“, erklärt Seitz. Bei Menschen können Vergiftungserscheinungen wie Kopf- und Bauchschmerzen auftreten, wenn sie sehr viel Solanin aufnehmen. Dafür müsste ein Erwachsener aber eine sehr große Menge unreifer Tomaten oder Strünke essen.

Kaffee entzieht dem Körper Wasser

„Es schadet zwar nicht, zu einer Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser zu trinken, notwendig ist es aber nicht“, sagt Restemeyer. Denn Kaffee werde wie alle anderen Getränke in die Flüssigkeitsbilanz einbezogen. Insgesamt sollte ein körperlich wenig aktiver Erwachsener bei mitteleuropäischen Temperaturen pro Tag etwa 2,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen.

Vitamine in der Schale

In der Schale von Obst und Gemüse sind die meisten Vitamine? Das stimmt. Die meisten Vitamine und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sitzen bei Obst und Gemüse direkt in oder unter der Schale, erklärt Restemeyer. „Deshalb ist es wichtig, Obst und Gemüse mit Schale zu genießen.“ Der Vorteil überwiege die gesundheitlichen Gefährdung durch mögliche Pestizide in der Schale.

Superfood macht fit und beugt vor

„Sogenanntes Superfood sind Lebensmittel mit besonders vielen Nährstoffen“, erklärt Monika Bischoff. Eine offizielle Definition des Begriffs gebe es aber nicht. Ob ein Lebensmittel wirklich fit macht und Krankheiten vorbeugen kann, hänge vom jeweiligen Produkt ab. „Heimisches Superfood wie zum Beispiel Kohl ist gesund und macht fit“, sagt sie. Von exotischen Lebensmitteln wie Chiasamen oder Acaipulver rät sie dagegen ab: „Diese Produkte sind oft stark verarbeitet und können sogar mit Schimmel belastet sein.“

Gefrorenes Essen verdirbt nicht

Stimmt so nicht. „Einfrieren ist eine empfehlenswerte Methode, um Lebensmittel mittel- bis langfristig aufzubewahren“, sagt Silke Restemeyer. Durch das Lagern bei Temperaturen von minus 18 Grad blieben Nährstoffe, Geschmack und das Aussehen weitestgehend erhalten. Mit der Zeit fänden aber trotzdem Abbauprozesse statt. Sie sorgen dafür, dass die Lebensmittel irgendwann nicht mehr gut schmecken. Die maximale Lagerzeit im Tiefkühlfach betrage für Fleisch je nach Art drei bis zwölf Monate, für Gemüse sechs bis zwölf und für Obst acht bis zwölf Monate. Fertige Speisen seien bis zu drei Monate haltbar.

Käserinde mitessen

Entscheidend ist, wie die Rinde entstanden ist. „Natürlich gereifte sowie unbehandelte Käserinden sind essbar und geben wie etwa bei Edelschimmelkäse ein besonderes Aroma“, erklärt Seitz. Künstliche Käserinden aus Wachs oder Kunststoff seien dagegen nicht zum Verzehr geeignet. „In diesem Fall muss sich ein Hinweis auf der Verpackung stehen.“

Abends essen macht dick

„Wer zu viele Kalorien zu sich nimmt, nimmt zu. Wer zu wenig Kalorien zu sich nimmt, nimmt ab“, sagt Monika Bischoff. Für Gesunde in einer normalen Gewichtsgruppe sei es irrelevant, wann sie das Essen einnehmen. „Wer abnehmen möchte, kann aber trotzdem ausprobieren, abends auf das Essen zu verzichten“, sagt die Ökotrophologin.

Ein Schnaps hilft der Verdauung

Alkohol rege zwar die Magensäureproduktion an, könne möglicherweise ein Enzym zur Eiweißverdauung im Magen stimulieren und habe eine betäubende Wirkung auf die Magennerven. „Er hilft aber nicht bei der Fettverdauung.“ Vielmehr spalte der Verdauungstrakt vor dem Fett erst einmal den Alkohol auf, weil er auf diese Weise einfacher Energie gewinnt. „Durchsetzt mit Schnaps wird fettreiche Kost also eher langsamer verdaut.“