LUXEMBURG/WALES
DANIEL OLY

Fahr Quer, sieh mehr - stimmt, zumindest in dem neuen „Dirt“ der Kultschmiede „Codemasters“

Mit „Colin McRae Rally“ startete das Entwicklerstudio „Codemasters“ so richtig erfolgreich in das neue Jahrtausend. Mit einer frischen Lizenz und einer saftigen Prise Realismus war die Rally-Simulation , die zwischenzeitlich namentlich auf „Colin McRae: Dirt“ wechselte und schlussendlich mit der „Dirt“-Serie fortgesetzt wurde, ein absoluter Kassenerfolg.

Leider nahm auch zunehmend die Komplexität ab, sodass der „Dirt“-Serie der eher fragwürdige Ruf des „Arcade“-Rennspiels anhaftete, das mit echtem Rallyesport nicht mehr besonders viel zu tun hatte - und mit einer waschechten Simulation erst recht nicht. Dafür trumpfte der Entwickler 2015 still und heimlich mit „Dirt Rally“ mal so richtig auf und präsentierte einen Simulator der Extraklasse; die Fans dankten es dem Publisherstudio entsprechend.

Perfekter Mix durch Anpassung

Die Kundschaft, die eher auf knackige Rennen für zwischendurch mit dem Controller vor dem Fernseher steht, wollte man aber wohl doch nicht ganz verlieren. Nachhelfen soll „Dirt 4“, jüngster Spross der Serie, der das Beste aus beiden Welten verspricht: Knallharter Realismus für Lenkrad-Fanatiker, spaßig-anspruchsvoller Rallye-Raser für alle anderen. Mit Erfolg, denn dank stufenlos regelbarem Schwierigkeitsgrad lässt sich genau die Herausforderung finden, die der Nutzer gerne selbst sucht. Mit zugeschalteten Hilfen wie ABS schafft man es dann auch durch den Schnee von Finnland. Oder schaltet die Helferlein aus und wagt sich mit 400-PS-Monstern in den Matsch. Besonders toll: Auf Wunsch lässt sich die Einstellung im laufenden Betrieb wechseln. Da ist also wirklich für jeden was dabei.

Auch gut gelöst ist der Karriere-Modus, der Spieler vom Start als Rallye-Jungspund bis hin zum Weltmeister alle möglichen Etappen durchlaufen lässt. Dabei muss man dann auch eigene Autos kaufen - gut, dass man hier auch Gebrauchtwagen (mit allen Vor- und Nachteilen) erwerben kann. Das verleiht einem sonst eher sterilen Rennspiel ein wenig Charakter und ist wirklich schön gelöst. Zusätzlich will das eigene Rennteam aufgebaut werden, Sponsoren wollen umworben, Rennen gewonnen werden. Der Weg an die Spitze ist abwechslungsreich, aber stets herausfordernd. Für Anfänger hilft das Spiel mit einem ausführlichen Tutorial ordentlich nach - gut.

Lob und Tadel

Neben der Karriere gibt es auch die Möglichkeit, sich neue Rennen auf Wunsch zufällig zusammen stellen zu lassen. Oder man amüsiert sich in alternativen Spielmodi wie Rallye-Cross, im Dünen-Buggy oder beim Fahren gegen die Uhr auf der Test-Strecke. Auch das unterscheidet „Dirt 4“ vom direkten Vorgänger: Nicht nur Rallye-Simulator sein, sondern auch kleine Minispiele nebenbei. Das kann wirklich überzeugen. Sound und Grafik sind hingegen auf dem Niveau des Vorgängers geblieben. Hässlich macht das den Titel zwar keinesfalls, man sieht dem Grafikgerüst in manchen Details sein Alter trotzdem an. Der Vorteil daran: Der Titel läuft am heimischen PC auch mit weniger potenter Hardware, niedrigere Einstellungen sehen nur bedingt schlechter aus und die Leistung ist durchweg flüssig. Konsolen-Spieler juckt das eher weniger. In puncto Sound sollte die Anmerkung hingegen kein Tadel, sondern nur Lob sein: Die Kulisse ist auch weiterhin beeindruckend präzise und drückt auf alle richtigen Knöpfe - Rallye-Feeling pur.


Für PC ab 49, für Konsolen ab 65 Euro erhältlich