LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Drei junge Architektinnen aus der Türkei arbeiten jetzt in Luxemburg

Tamar Gürciyan (25), Elifcan Yumlu (27) und Özne Gülin Orcan (28) arbeiten seit einigen Monaten in Luxemburg. Alle drei sind Türkinnen und Architektinnen. Ihre Chefin Türkan Dagli hat lange neue Mitarbeiter für das wachsende Büro auf dem Findel gesucht. Dagli selbst ist Kind türkischer Einwanderer und in Deutschland aufgewachsen. Sie hat an der RWTH Aachen studiert, bevor sie nach Luxemburg zog. Da sie keine Mitarbeiter fand, wandte sich die Architektin an die Adem. Dort wurde ihr Orcan vermittelt. Anfangs hatte Dagli noch Vorbehalte, ob die Ausbildung in der Türkei gleichwertig mit der in Europa sei. Die Erfahrungen waren jedoch so positiv, dass Dagli die beiden anderen direkt in der Türkei rekrutierte. „Bis Ende des Jahres will ich noch drei weitere einstellen, die suchen wir dann wieder mit der Adem, mit der ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe  – und wenn das nicht klappt, auch in der Türkei. Die Ausbildung in der Türkei ist wirklich äquivalent zu der europäischen, das heißt, wir haben keinerlei Probleme mit dem Einlernen“, ist sie mittlerweile überzeugt. Hier erzählen ihre jungen Mitarbeiterinnen, wie sie das Leben in Luxemburg empfinden.

Elifcan Yumlu 

Nach meinem Studium habe ich drei Jahre in Istanbul gearbeitet, hauptsächlich als Bauleiterin. Dann habe ich die Anzeige gesehen. Für mich war es ein großer Schritt, herzukommen. Ich stamme aus Ayvalik, das liegt gegenüber der Insel Lesbos. Da ich sowieso schon immer andere Länder und Kulturen kennen lernen und im Ausland arbeiten wollte, bin ich schon ein Jahr durch Australien gereist, und habe dort gearbeitet. Zurück in Istanbul hatte ich auch ein Angebot, in einem Büro als Architektin zu arbeiten, aber einen Job in Luxemburg fand ich viel attraktiver. Als ich nach Luxemburg kam, war ich überrascht, wie grün hier alles ist. Es war Anfang April und regnete öfter. Überall blühten Blumen. Um zu arbeiten, brauchte ich ein Visum. Das war unkompliziert und ich habe es im vorgesehenen Zeitrahmen erhalten. Die Arbeit hier ist anders als jene an großen Bauprojekten, bei denen ich zuvor mitgemacht habe. Hier sind die Projekte kleiner und der ganze Prozess lässt sich verfolgen. Ich habe schon Projekte mit der Permakultur gemacht und würde mich in diesem Bereich gern weiterbilden, um das in meine Arbeit einfließen zu lassen. Langfristig geht es um ein nachhaltiges Umfeld. Ich denke, darin liegt die Zukunft in meinem Berufssektor. Im Büro gefällt mir die flache Hierarchie. Als ich hergezogen bin, habe ich erst in einem kleinen Zimmer gewohnt. Der Wohnraum hier ist doppelt so teuer wie in den Nachbarländern. Aber ich habe keinen Führerschein und wollte deshalb in Luxemburg-Stadt wohnen. Es war sehr schwer, etwas zu finden. Am Ende hat es aber doch geklappt. Vielleicht lerne ich jetzt auch Luxemburgisch. Ansonsten gehe ich gern ins Sportstudio und mache Yoga im Park.

Özne Gülin Orcan

Ich bin wegen meines Mannes vor knapp zwei Jahren nach Luxemburg gekommen. Eigentlich komme ich aus Ankara. Mein Mann ist Lette und arbeitet schon seit zehn Jahren in Luxemburg. Ich habe ihn in Italien kennen gelernt. Es dauerte eine Weile, bis wir eine gemeinsame Wohnung gefunden haben, die unseren Ideen von Licht und Platz entsprach. Mein erster Eindruck vom Land? Ich dachte nicht, dass ein so kleines Land eine so große Vielfalt an Kultur und Diversität aufweisen würde. Da es hier so viele Menschen aus verschiedenen Ländern gibt, fühle ich mich hier auch nicht fremd. Im Gepäck hatte ich sieben Jahre Arbeitserfahrung. Ich habe mich bei der Adem registrieren lassen und meinen Lebenslauf weitergeschickt. Das lief alles sehr gut. Hier im Büro ist der Anteil am Design sehr hoch, das hat man nicht so oft. Ich liebe das. Für mich ist das Umfeld sehr wichtig. Hier stimmt die Kommunikation. Manchmal habe ich Heimweh. In den Sommer- und Weihnachtsferien fahre ich immer noch nach Hause. Am meisten fehlt mir der Tee. Wenn ich Zeit habe, verbringe ich sie gern mit Rollerblades fahren an der Mosel. Mein Mann und ich sind auch viel in den Wäldern unterwegs.

Tamar Gürciyan

Ich habe die Stellenanzeige im Internet gesehen, als ich gerade mein Architekturstudium in Istanbul beendet hatte. Da hatte ich schon viele Bewerbungen geschrieben und auch bei ein paar Wettbewerben mitgemacht. Die Arbeit hier ist nicht so viel anders als in der Türkei, ein paar Bauvorschriften sind vielleicht verschieden. Aber der Ansatz der Architektur ist überall der gleiche. Meine Wohnung habe ich nach nur drei Tagen gefunden. Sie ist teuer. Es gefällt mir gut hier, nur manchmal fehlt mir das leckere Essen meiner Mutter. Es gibt hier einen türkischen Verein und manchmal lädt die türkische Botschaft uns ein. Pläne habe ich auch. Ich möchte Tanzkurse und Sport machen.