LUXEMBURG
MARCO MENG

Vermessen und mehr: Gilles Rocks Drohnen machen „Precision Farming“ möglich

Nachdem der Geograf Gilles Rock an der Universität Trier seinen Doktor machte - er promovierte im Bereich Fernerkundung -, machte er das Erlernte zu seinem Beruf und gründete in Trier das Unternehmen Geocoptix sowie gleich darauf in Luxemburg die Schwesterfirma Luxsense geodata. Zum 31. Dezember hing er seinen Job an der Uni an den Nagel, um sich ganz diesen Startups widmen zu können.

Wie fing das Ganze an?

Gilles Rock Ich kam nach Trier, um hier an der Uni „physische Geografie“ zu studieren, und habe anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Umweltfernerkundung und Geoinformatik gearbeitet. Hier haben wir auch Drohnen und andere unbemannte Flugsysteme eingesetzt, um Daten zu erheben. Während der Arbeit im Gelände bekamen wir vermehrt Anfragen, so dass sich die Frage stellte, nicht ein Spin-Off zu gründen, um der Nachfrage gerecht werden zu können. Neben unserer eigentlichen universitären Arbeit haben wir damit dann 2014 angefangen -mein Kollege war damals in Freiberg an der Universität tätig. Die Unternehmensgründung war insofern spannend als wir als Geografen wenig Einblicke in Geschäftsführung und BWL hatten. Das hat am Anfang viel Zeit gekostet und einiges an Kopfzerbrechen bereitet, da wir keinerlei öffentliche Förderung und Beratung in Anspruch genommen haben. Anfangs war Geocoptix ein klassisches Startup; Gehälter gab es noch keine, denn was wir mit Geocoptix verdienten, investierten wir wieder in die Firma. Später haben wir nach einigen gemeinsamen und erfolgreichen Projekten in Luxemburg zusammen mit dem Ingenieurbüro L.S.C. Engineering Group das Startup Luxsense gegründet. Diese Firma konzentriert sich auf Vermessungsarbeiten, während wir bei Geocoptix vor allem Forschung zu Landwirtschaft, Erosion und anderen umweltbezogenen Fragestellungen betreiben. Die Drohnen sind hier nur Mittel zum Zweck - bei uns liegt die Wertschöpfung in der Weiterverarbeitung der Bilddaten. Da es viele Firmen gibt, die Dienstleistungen mit Drohnen anbieten - sei es Gebäude- oder Eventfotografie - versuchen wir natürlich mit spezialisierterer Leistung hervorzustechen.

Wer sind die Kunden?

Rock Im Ingenieursbereich, wo wir hauptsächlich großflächige Vermessung durchführen, sind die Kunden vor allem Gemeinden, Ministerien aber auch private Unternehmen, für die wir zum Beispiel Großbaustellen überwachen - also regelmäßig überfliegen. Im Bereich Forschung sind es kaum private Kunden, sondern meist öffentliche Auftraggeber oder Projekte, die von unterschiedlichen Ministerien gefördert werden.

Wie kann ich mir das vorstellen? Sie fotografieren und kartieren zum Beispiel mit Drohnen Baustellen?

Rock Wenn es um Baustellenvermessung geht, wäre der Standardablauf, dass wir mit unserem Flugzeugsystem Fotos aufnehmen und diese dann photogrammetrisch auswerten. In einer halben Stunde können wir rund 50 Hektar abfliegen. Die Auswertung und Nachbereitung im Büro ist sehr rechenaufwändig. Als Ergebnis haben wir eine komplette 3D-Rekonstruktion des Geländes - und das in einer sehr hohen Präzision, bis zu zwei Zentimeter genau.

Und der Geschäftsbereich Landwirtschaft?

Rock Das ist dann eine ganz andere Herangehensweise. Meist untersuchen wir Vegetation, bei welcher wir spezielle Sensoren wie Thermalkameras, Multi- und Hyperspektralkameras einsetzen. Diese erfassen für das menschliche Auge nicht erkennbare Wellenlängenbereiche und erlauben Rückschlüsse auf den allgemeinen Pflanzenzustand, den Chlorophyll- und Wassergehalt der Blätter und das Vorherrschen eines Nährstoffmangels oder Schädlingsbefalls. Einige kleine Forschungprojekte haben wir dazu auch in Luxemburg durchgeführt. Das alles passiert unter der Überschrift des „Precision Farmings“ also der Präzisionslandwirtschaft. Hier gibt es noch viel Forschungsbedarf, aber in diese Richtung wird es gehen, wenn man den notwendigen Wandel in der Landwirtschaft fachlich begleiten möchte. Hier wollen wir uns jetzt schon eine grundlegende Expertise und dementsprechend dadurch auch einen Wettbewerbsvorteil aneignen. Das aber nebenbei zu machen, das funktioniert nicht, darum haben wir beide, auch wenn das finanziell ein Sprung ins kalte Wasser war, unsere Stellen an der Uni gekündigt, mit der wir aber weiterhin regelmäßig zusammenarbeiten. Schön ist, dass es bei einem eigenen Unternehmen wie wir es haben, immer etwas Neues gibt, von Wildschweinjagd bis Reisanbau, wofür wir konkrete Lösungen anbieten können.

Was ist aktuell eines Ihrer Projekte?

Rock Eine aktuelle Fragestellung ist, ob wir bestimmte Krankheiten im Weinanbau mit Drohnen identifizieren können, bevor man diese mit dem bloßen Auge erkennt. Bei Krankheit- oder Schädlingsbefall gilt generell: Je früher und präziser erste Symptome entdeckt werden, umso besser und punktgenauer kann man darauf reagieren. Jeder kennt GPS-gesteuerte Traktoren oder sog. Sprühdrohnen, allerdings brauchen auch diese erstmal die Informationen, wo der Schädling vorhanden ist. Unsere Diagnose liefert diese Informationen und soll dazu führen, dass auch nur da gezielt Pflanzenschutzmittel gesprüht werden, wo der Krankheitsherd ist, womit wir einen Beitrag zu nachhaltigerer Landwirtschaft und Umweltschutz leisten können.

Wie reagieren denn Landwirte auf Ihr Angebot?

Rock Es gibt solche, die von Drohnen etc. nichts halten, und es gibt andere - auch ältere übrigens - die solchen neuen Methoden aufgeschlossen gegenüber sind. Neben der Luxemburger Landwirtschaft wären unsere Märkte vor allem die großen Landwirtschaftsparzellen in Deutschland, Frankreich, die Niederlande. Erste Erfahrungen haben wir aber auch schon in Marokko und dem Senegal gemacht, wo wir für Vermessungsprojekte im Straßenbau und Reisanbau waren. Die zum Teil riesigen Agrarindustrien brauchen Kartenmaterial, das einen Wassermangel der Pflanzen vorzeitig erkennbar macht und dabei hilft, die Wasserversorgung zu optimieren.

geocoptix.com, luxsense.lu