LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Wie die Familie Jemming-Schmit aus Kahler ihre Bio-Eierproduktion aufbaute

Erst gestern sind sie geschlüpft, die kleinen weißen, schwarz-gesprenkelten, flauschigen Küken, die sich unter einer Heizlampe in einem Käfig in der Garage von Familie Jemming-Schmit in Kahler von ihrem Kampf aus dem Ei in die Welt ausruhen. „Das sind ostfriesische Möwen“, erklärt Manette Jemming, „eine seltene Hühnerrasse, die einer unserer Söhne unbedingt züchten wollte“.

Am Anfang stand die Begeisterung des Sohnes für die Hühnerzucht

Mit seiner Begeisterung hat Pol Jemming die ganze Familie angesteckt: Was 2008 mit der Haltung von sechs Hühnern zu Wettbewerbszwecken bei Kleintierausstellungen begann, ist im Laufe der Jahre zu einem Hühnerhof mit mittlerweile 500 Hennen gewachsen, die gemäß den Auflagen der biologischen Landwirtschaft gehalten werden.

Allerdings sind es nicht ostfriesische Möwen, sondern speziell für die Eierproduktion gezüchtete braune Hennen und sieben weiße Hähne, die den Stall auf dem 31 Hektar großen Betrieb bevölkern, der auch für seine Limousin-Mutterkuhzucht bekannt ist - eine Aufgabe, die der Tochter des Hauses obliegt. „Anfangs haben wir den Betrieb so nebenbei gemanagt“, erklärt Jean-Marie Jemming, „als die Tochter aber beschloss, Landwirtin zu werden und den Betrieb weiter zu führen, haben wir das mit ganz anderen Augen gesehen“.

Seit Generationen ist die Familie ganz nahe an der Landwirtschaft dran, ohne aber voll ins Agrarwesen einzusteigen. „Der Urgroßvater stellte Wagenräder her“, führt Jean-Marie Jemming aus, „und wie das so war in ländlichen Gegenden, hielt er für den Eigenbedarf auch ein paar Kühe und andere Nutztiere“.

Die nächsten Generationen haben es dann auch so gehalten, die Landwirtschaft wurde aber nie zum Hauptberuf. Das ist also seit einigen Jahren dabei, sich zu ändern. Während die Tochter die Limousin-Sparte mit Hilfe der Eltern und Geschwister aufbaut, widmen sich Manette und Jean-Marie heute vornehmlich ihren Hühnern und überlegen, vielleicht weiter auszubauen, aber nicht zu sehr.

3.000 Eier die Woche

Ab einem Bestand von etwa tausend Legehennen ist der Betrieb nämlich ohne teure maschinelle Unterstützung nicht mehr zu managen. Bislang steht in dem Stall, den die Familie zum größten Teil selbst aufgebaut hat, keine technische Anlage. Die Fütterung, das Einsammeln, die erste Sortierung der Eier - alles wird per Hand erledigt. Anfangs vermarkteten die Jemmings die Eier ausschließlich selbst.

Das tun sie heute immer noch - mit einem festen Kundenstamm, zu dem sowohl Einzelpersonen als auch Restaurants gehören. Das Gros der Produktion von etwa 3.000 Eiern pro Woche geht aber zu Bio-Ovo nach Buschdorf, wo sie fachgerecht geprüft, sortiert, verpackt und vermarktet werden. Rund hunderttausend Eier pro Woche gehen von hier aus in den Verkauf.

Um an dieses Netzwerk angeschlossen werden zu können, muss der Hersteller eine ganze Reihe von Auflagen erfüllen: Zum Beispiel muss das Futter zu 100 Prozent aus Biofutter bestehen, Körner aus heimischer Produktion mindestens zehn Prozent der Tagesration ausmachen, darf die Besatzdichte im Stall 4,5 Tiere pro Quadratmeter nicht übersteigen, muss auf den Sitzstangen jede Henne auf beiden Seiten 18 Zentimeter Platz haben, ein Wintergarten zur Verfügung stehen und mindestens vier Quadratmeter Grünauslauf pro Henne. Nicht einfach zu managen, besonders das mit dem Grünauslauf, denn die Hühner verputzen das Gras in Windeseile.

Die Familie Jemming-Schmit ist also ständig damit beschäftigt, neues Gras anzupflanzen, damit die vorgeschriebene Fläche stets zur Verfügung steht. Jean-Marie Jemming verfügt sogar über einen fahrbaren Stall, mit dem er einen Teil der Tiere zum Auslauf an andere Stellen der Wiesen des Gehöfts fahren kann.

An einigen Wochen im Jahr steht der Betrieb aber auch völlig still. Dann, wenn der Stall für eine neue Hühnerschar vorbereitet wird. Nach 15 Monaten lässt die Eierproduktion bei den Hennen nach. Die Schar wird dann abgeholt und gelangt in die Fleischproduktion. Ehe eine neue Schar den Stall beziehen kann, muss dieser gründlichst gesäubert werden und ruhen, damit auch der letzte Schädling verschwindet. Der Hof muss also quasi rund ums Jahr funktionieren. Damit das klappt, ist eine gute Planung das A und O. „In den ersten paar Jahren muss man erst einmal herausfinden, wie das am besten zu bewerkstelligen ist“, sagt Jean-Marie Jemming, „danach wird alles einfacher“. Er ist froh, dass er auf die Berater des „Institut fir Biologësch Landwirtschaft“ zurück greifen konnte, um seine Eierproduktion - die übrigens mindestens einmal im Jahr einer angemeldeten sowie einer unangemeldeten Kontrolle unterzogen wird - aufzubauen.

Wann und wie die Jemmings den Hühnerhof noch ausbauen wollen, darauf geben die beiden keine eindeutige Antwort. Das hänge vor allem davon ab, was die „nächste Generation“, wie Jean-Marie Jemming sagt, daraus machen möchte. Verbessert werden die Anlagen allerdings jetzt schon: Handwerker sind gerade damit beschäftigt einen Raum direkt neben dem Stall zu errichten. Darin werden dann die Eier gelagert.