PETINGEN
PATRICK WELTER

Konvention für „Flusspartnerschaft Korn“ in Petingen unterzeichnet

Flusspartnerschaften sind nicht ganz neu für Luxemburg. Es gibt bereits fünf, gestern wurde der sechste Vertrag für eine derartige Zusammenarbeit unterzeichnet. Allerdings unterscheidet sich diese Flusspartnerschaft deutlich von den anderen. Zum einen geht es um einen Fluss, besser gesagt um einen Bach der - zumindest auf luxemburgischem Territorium - im urbanen, eng bebauten Raum einem nur noch wenig natürlichem Lauf folgen muss. Zum anderen stellt dieser Bach eine geografische Besonderheit für das Großherzogtum dar, er gehört nicht zum Rheinbecken! Es handelt sich um die „Korn“ oder „Chiers“ die durch vier Gemeinden im äußersten Südwesten Luxemburgs fließt und rund vier Prozent der Staatsfläche zur Maas hin entwässert. Nach mehr als 120 Kilometer Flusslauf mündet sie südlich von Sedan in die Maas.

Gestern wurde im Betriebsgebäude der SIACH-Kläranlage in Petingen die Konvention für die „Flusspartnerschaft Korn“ von Umweltministerin Carole Dieschbourg und dem Vorstand des SIACH (Abwasserzweckverband für das Korntal) unterzeichnet.

Die Korn hat lange unter der industrialisierten Umgebung gelitten, und ist heute noch in langen Abschnitten verrohrt, es wird nicht möglich sein ihren in Beton gefassten Lauf auf ganzer (luxemburgischer) Länge zu renaturieren. Andererseits gibt es positive Beispiele für eine neue „Korn“ wie den „Parc de la Chiers“ in Petingen.

Das Grundproblem der Korn, die auf dem Territorium der Gemeinde Sassenheim entspringt , am „Kornsprung“, ist ihre im Normalfall zu kleine Wassermenge, um die Abwässer von 60.000 Anrainern zu entsorgen. Andererseits kann sie bei Starkregen blitzartig ansteigen. Für Roland Breyer, den Präsidenten des SIACH, ist das Ziel einer Flusspartnerschaft, aus der „Korn“ wieder lebendigen Bach zu machen. Naturschutz sei sowieso eine Aufgabe für alle.

Bisher fünf Flusspartnerschaften

Flusspartnerschaften gibt es in Luxemburg bisher fünf: Zunächst (1999) an der Attert, im Rahmen eines Interreg-Projektes, seit 2006 an der Obersauer, seit 2012 an der Our, an der oberen Alzette (2013). Die bisher jüngste war die Flusspartnerschaft für die Syr aus dem Jahr 2014. Diese Flusspartnerschaften werden entweder durch gemeinnützige Vereine (asbl) oder durch die Naturparks gemanagt. An der Korn wird die Umsetzung der Flusspartnerschaft durch das Abwassersyndikat SIACH übernommen. Die Hauptaufgabe wird in der Abstimmung und Koordination der verschiedenen Akteure bestehen. Für SIACH-Direktor Raymond Erpelding wird an der „Korn“ Neuland betreten, eben weil es ein Bach im urbanen Raum ist, in dem die Landwirtschaft kaum eine Rolle spielt. Es handele sich bei der Korn um einen „heavily modified water body“, also einen durch den Menschen stark veränderten Wasserlauf. Durch die Kläranlagen auf dem neuesten Stand könne man aber festhalten, dass die Korn von der Quelle an (bis zur Grenze) sauber ist. Um das Programm der Flusspartnerschaft umzusetzen, wird das Syndikat eine halbe Planstelle schaffen.

Unterstützung durch das Umweltministerium

Umweltministerin Carole Dieschbourg strich das „Verbindende“ des Wassers heraus. Das Bemühen der Regierung, die Wasserqualität zu verbessern, richte sich nicht nur auf das Grundwasser, sondern auch auf die Oberflächengewässer. Ihr Ministerium unterstütze die Flusspartnerschaft „Korn“ zunächst mit 40.000 Euro. Sie wies auch darauf hin, dass der für Flusspartnerschaften vorgesehene Aufgabenkatalog 48 Einzelmaßnahmen umfasst. Anlässlich des Weltwassertages am 22. März werde man sich bei einem Zusammentreffen mit allen luxemburgischen Flusspartnern in Grevenmacher mit dem Thema „Starkregen“ befassen.