LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Schiefer erlebte im 19. Jahrhundert einen Boom

Schiefer ist ein alter Baustoff, der aber im 19. Jahrhundert noch einmal einen ganz besonderen Aufschwung erlebte. Bis dahin war der Schiefer, der auf Kirchen- und Schlossdächern kunstvoll verarbeitet werden konnte, ein teurer Baustoff. Der Transport aus den Abbaugebieten in Ardennen, Eifel und Hunsrück war teuer: Mit Ochsenkarren zur Mosel und dann per Schiff weiter. Der Transport schlug heftig zu Buche. Laut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz kam das Handwerk der Schieferdecker (Leyendecker) früher ausschließlich bei Kirchen, Schlössern, Burgen oder anderen Repräsentationsbauten zum Einsatz - war der Stein doch lange Zeit ein Luxusprodukt. Schiefer konnten sich also nur „Superreiche“ oder Leute vor Ort leisten. Eine Schiefergegend erkennt man heute noch aus der Luft, statt monotoner roter Tonpfannen decken grau schillernde Schieferplatten die Dächer.  Im 19. Jahrhundert sorgten technischer Fortschritt und das Nachdenken über Brandschutz für einen Schiefer-Boom. Die Eisenbahn verbilligte den Transport dramatisch. Schiefer konnte man jetzt auch anderswo verbauen, ohne sich gleich zu ruinieren.  Nur mit Schiefer sind Zwiebeltürme, Schwalbenschwanzgauben und geschwungene Dachpartien zu gestalten.

Noch im 19. Jahrhundert waren viele Häuser innerhalb der großen und kleinen Städte mit Stroh oder Holzschindeln gedeckt. Kam es zu einem Brand, fraß sich das Feuer oftmals quer durch die Stadt.  Bis die Behörden den nun erschwinglichen Schiefer ihren Bürgern aus Brandschutzgründen zwangsweise verordneten. Dächer aus Schiefer erhöhten die Feuersicherheit dramatisch. Funkenflug führte nicht mehr automatisch zu einer Feuersbrunst. Schiefer wurde schon vorher in den typischen Schiefergebieten als effektive Isolation auf der Wetterseite der Häuser genutzt. Heute beherrscht preiswerter Schiefer vom Weltmarkt oder gleich „Kunstschiefer“ den Markt.