DIEKIRCH
CHRISTIAN SPIELMANN

Sigfried Lenz‘ „Deutschstunde“ wurde neu verfilmt

Der Roman „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz erschien 1968 und gilt als wichtiges Werk der Nachkriegsliteratur. „Bad Banks“-Regisseur Christian Schwochow hat den Roman gelesen und die Tatsache als interessant empfunden, dass die Geschichte fernab vom Kriegsgeschehen spielt und dennoch verschiedene Protagonisten von der nationalsozialistischen Ideologie infiziert sind. Die Mutter des Regisseurs, Hilde, schrieb das Drehbuch.

Erinnerungen

In einer Arrestanstalt für Jugendliche soll Siggi Jepsen (Tom Gronau) einen Aufsatz zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ schreiben. Allerdings gibt er weiße Blätter ab und muss das Thema in Einzelhaft nachbearbeiten. Dabei erinnert er sich an die Zeit des Zweiten Weltkriegs, als er mit seinen Eltern in Rugbüll lebte, einer fiktiven Ortschaft irgendwo an der Nordsee. Sein Vater ist der ordnungs- und gesetzestreue Polizist Jens Ole Jepsen (Ulrich Noethen). Seine Mutter Gudrun (Sonja Richter) hat nicht viel zu sagen. Als Junge (Levi Eisenblätter) streunt er durch die Dünen, sammelt Skelette von Tieren und freut sich über den Besuch seiner Schwester Hilke (Maria Dragus). Sein Patenonkel ist der Maler Max Ludwig Nansen (Tobias Moretti), der mit seiner Frau Ditte (Johanna Wokalek) nicht weit entfernt wohnt.

Als Jens Ole seinem einst besten Freund einen Brief aus Berlin überbringt, dass es ihm fortan verboten ist, zu malen, da seine Werke als „entartete Kunst“ angesehen werden, ändern sich die freundschaftlichen Verhältnisse. Schließlich werden die Bilder von Max beschlagnahmt. Ein Bild kann Siggi jedoch verstecken. Er wird von seinem Vater angewiesen, Max zu bespitzeln. Ole Jepsens zweiter Sohn Klaas (Louis Hofmann) taucht eines Abends schwer verwundet auf. Siggi bringt ihn in einem leer stehenden Haus unter, wo er auch das Bild von Max versteckt hat und später noch weitere Werke. Klaas hat desertiert, was den Vater entehrt. Als er bei einem Fliegerangriff angeschossen wird, bleibt Siggi nichts anderes übrig, als den Vater zu Hilfe zu holen.

Intensive Erzählform

Regisseur Schwochow lässt die Bilder sprechen. Die Kamera folgt Siggi durch die Dünenlandschaft und im Malunterricht bei Max. Das Kind Siggi versteht nicht, was um ihn herum geschieht. Einerseits liebt er seinen Vater und will in seiner Gunst stehen. Auf der anderen Seite fragt er sich, warum die Bilder von Max gefährlich sein sollen, da sie nur Landschaften zeigen oder Porträts sind. In der Zeit des Nationalsozialismus war logisches Denken nicht angesagt. Ein Vaterlands-treuer Polizist hatte nur den Befehlen zu folgen, anstatt seinem Herzen. Das kann Siggi aber nicht wissen.

Selbst als Ole Jepsen aus der britischen Gefangenschaft zurückkehrt, hat sich sein Hass gegen die Bilder von Max nicht gelegt, und er verbrennt sogar eins. Was allerdings dann schwer zu verstehen ist, ist sein Sinneswandel. Max hat all seine Werke zurückerhalten, bis auf jene, die Siggi versteckt hat. Ole Jepsen ist nun besessen, diese Bilder zu finden, um sie Max zurückzugeben. Schließlich landet Siggi in der Jugendarrestanstalt wegen Diebstahls.

Bemerkenswert sind die schauspielerischen Leistungen. Levi Eisenblätter spielt den jungen Siggi mit einer Natürlichkeit, die beeindruckt. Ulrich Noethen hat stets eine strenge Miene drauf und kennt als Polizist kein Pardon. Tobias Moretti liefert eine beachtliche Leistung als Maler, der nicht versteht, warum seine Kunst eine Gefahr sein soll. „Deutschstunde“ ist eine interessante Literaturverfilmung, die nur im Diekircher Kinokomplex „Scala“ zu sehen ist.