PARIS
CATHERINE NOYER

Die Pariser Prêt-à-Porter-Schauen zeigten, was im Herbst und Winter 2020-2021 Sache ist

Über gut eineinhalb Wochen zogen sich die Pariser Prêt-à-Porter-Schauen mit 68 im offiziellen Programm gelisteten Defilees. In einer Auswahl zeigen wir Ihnen, was im nächsten Herbst und Winter Trend ist.

Gleich am ersten Tag durfte Dior Designerin Maria Grazia Chiuri die Kollektion des Couturehauses zeigen. Der hatte sie ihre eigene Geschichte zugrunde gelegt, zu der sie ihr Poesiealbum und Fotos ihrer Mutter und deren Schneider-atelier inspiriert hatten.

Ihre Erinnerungen gingen ebenfalls zu Schauspielerinnen, deren Kleider Vorbilder für die Kundinnen ihrer Mutter waren, ebenso wie für die Tochter. Für letztere sollte die Mode Rebellion und Ausdruck dafür sein, wie sie von den anderen Menschen wahrgenommen werden wollte. Die vielen Schauspielerinnen, die damals als Vorbild dienten, verbindet sie mit der Vision ihrer Mode von heute.

Das wiederum hat sie zu ihrer aktuellen Kollektion und ihrer eigenen Sicht auf die Mode inspiriert. Wie beispielsweise die Kombination von Jeans und dem Karomuster, das Christian Dior so sehr liebte. „Ich mag die Karos, die der Mode einen jugendlichen Tenor geben, eine etwas verrückte Note, gleichzeitig elegant und lässig“, schrieb der Couturier in seinem kleinen Wörterbuch der Mode.

Es sind die Karos, die Dior-Designer Marc Bohan auch schon aufgegriffen hatte. Sie beeinflussen die aktuelle Rock-Struktur. Cabans und Faltenröcke, kleine Kragen mit Krawatte sowie Schwarz-Weiß stehen im Mittelpunkt einer absolut ausbalancierten Kollektion.

Ein gepunkteter Schal mit Vorlage aus dem Archiv, wird zur Basis für Kleider in verschiedenen Längen und zu einem Muster mit unbegrenzten Möglichkeiten. Auch Fransen setzt Maria Grazia Chiuri gezielt als bewegtes Element an langen Röcken ein und Strick als unumgängliches Material einer Garderobe an Pullovern, Westen, Röcken und Hosen.

Foto: Dior - Lëtzebuerger Journal
Foto: Dior

Was nützlich ist, soll auch schön sein

Hermès bleibt wie immer dem Stil des Hauses treu – eine Herausforderung für Nadège Vanhee-Cybulski, die die Codes des Hauses exzellent umsetzt. Das Defilee fand im entsprechenden Rahmen statt, wie es sich für eine Sattlerei gehört: in einem großen Saal der Garde Républicaine mit dem Ambiente eines Reiterparcours. Die Models führten die Kleidung zwischen den Hindernissen vor. Der Tenor der Prêt-à-Porter-Kollektion ist dementsprechend sportiv.

„Was nützlich ist, soll auch schön sein“, war das Motto der Show. So zeigten sich Reitermäntel in Weiß oder leuchtendem Rot und lederne Daunenjacken mit Riemendetails und aufgesetzten Taschen. Für Luxus pur steht hier der Kaschmiranorak. Farbige Details wie grafische Streifen oder gelbe Rollkragen lockern die Kollektion auf. Sie erinnert zwar an die Reitertradition, ist aber alles andere als traditionell, sondern eher im coolen Zeitgeist gestaltet. Es versteht sich von selbst, dass emblematische Accessoires wie das Carré oder die Kelly-Bag nicht fehlen dürfen.

Druckknöpfe an Hosen und Kleidern

Puristisches Ambiente bei Chanel im Grand Palais. Virginie Viard hat auf ein pompöses Szenario verzichtet, damit die Mode und nicht das Dekor zur Geltung kommt. „Bewegung, Luft und keine spezielle Dekoration für die Schau. Ich mag es nicht, in einen Rahmen gesteckt zu werden“, bemerkte die Designerin.

Die Chanel Prêt- à- Porter- Kollektion zeigt wenig Kleider, sondern Kasacks, über Sieben-Meilen-Stiefel - mit einem Augenzwinkern an Karl Lagerfeld, der solche Stiefel trug. Zum ersten Mal sind Druckknöpfe an Hosen und Kleidern zu sehen, um, laut Virginie Viard, „die Kleider zu beleben.“

Schwarz und Weiß stehen an erster Stelle, bis auf einige Teile in blassem Grün und Rosé. Hingucker aber sind die opulenten Schmuckstücke, Halsketten, Manschettenarmbänder, Gürtel und barocken Kreuze. Sie geben der Kollektion einen Bohème-Touch und damit einen frischen Wind und Chanel neue Noten.

Foto: Louis Vuitton - Lëtzebuerger Journal
Foto: Louis Vuitton

Vuitton auf Zeitreise

Die Schau von Louis Vuitton bildete am Dienstagabend den Abschluss der Pariser Fashion Week. Vuitton-Designer Nicolas Ghesquière präsentierte eine puristische Szenerie mit einer Tribüne, Theaterrängen und einem Publikum auf Zeitreise zwischen dem 15. Jahrhundert und den 1950er Jahren. Die 200 Statisten auf den Rängen waren in historischen Kostümen gekleidet. Die wiederum waren von Milena Canonera, der Kostümbildnerin von Stanley Kubrick, eigens für die Schau kreiert worden. Sie hatte zuvor die Kostüme für die Filme „Uhrwerk Orange“, „Barry Lyndon“ und „Shining“ entworfen.

„Die Zeit spielt in der Mode eine grundlegende Rolle. Ich wollte, dass die verschiedenen Epochen auf unsere schauen. Dabei sind die Personen in den historischen Kostümen zur gleichen Zeit wie wir im Raum“, resümierte Nicolas Ghesquière die Inspiration für seine Kollektion. Die Vergangenheit umrahmt die Zukunft. Hier vermischen sich die Epochen zu seltsamen Verbindungen, surfen zwischen alt und neu, innovativ und traditionell. Im Klartext will der Designer die Frauen dazu aufrufen, sich zu kleiden, wie es ihnen gefällt.